Zum Bürgerfest auf der Hochmoselbrücke gab es reichlich Kritik: Zu wenig Stände, zu wenig Toiletten und Bedenken wegen Sicherheitsmängeln.

Kostenpflichtiger Inhalt: AUS DEM ARCHIV: November 2019 : Kritik am Bürgerfest auf der Hochmoselbrücke: Verkehrschaos, Gefahren und Versorgungsengpässe

Das Bürgerfest auf der Hochmoselbrücke ist auch heute noch in aller Munde. Neben der Begeisterung hört man erhebliche Kritik: Zu wenig Stände, zu wenig Toiletten und Bedenken wegen Sicherheitsmängeln.

Wer da war, wird es nachhaltig in Erinnerung behalten: das Bürgerfest auf der Hochmoselbrücke. Sehr eindrucksvoll die Aussicht aus der Vogelperspektive ins Moseltal, ebenso unvergesslich aber auch das Erlebnis, das mit dem großen Interesse der Bevölkerung an diesem singulären Ereignis verbunden war. Mehrere zehntausend Menschen waren aus allen Himmelsrichtungen zu dem Bauwerk geströmt. Der Verkehr brach zusammen, die Menschen nahmen kilometerlange Fußwege in Kauf: Und auf der Brücke gab für diese große Anzahl Menschen lediglich drei Getränke-, einen Essensstand sowie einen Toilettenwagen plus ein Dixi-Klo für Behinderte.

Schon während der Veranstaltung wurde Kritik laut: Es gab lange Schlangen an den Versorgungsständen, gab, die wenigen Toiletten funktionierten zeitweilig nicht, es gab keinen Shuttle-Bus. und auch die eine oder andere gefährliche Situation. Zum Beispiel, weil angesichts der verstopften Zufahrt auch ein Notarztauto Probleme gehabt hätte durchzukommen. Oder weil Absperrungen an einer kleinen, steilen Behelfstreppe, die nicht als offizieller Zugang gedacht war, weggeschoben wurden und Menschen im Gänsemarsch ohne Geländer die Brücke erklommen.

Das sagt die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues Bürgermeister Ulf Hangert betont, die Verbandsgemeinde sei als Ordnungsbehörde bei dieser Veranstaltung außen vor gewesen. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) habe sie eigenständig organisiert. Bei einer Veranstaltung in einer solchen Dimension sei ein Sicherheitskonzept erforderlich. Das habe  gefehlt. „Es gab Schwachpunkte“, sagt Hangert weiter. Es wäre besser gewesen, die Ordnungsbehörde miteinzubinden, die es gewohnt sei, Großveranstaltungen zu organisieren. Aber offenbar sei der LBM on diesem Ansturm völlig überrascht gewesen. Was ihm aber auch wichtig ist: „Die Stimmung war sehr gut.“ Es sei eine „tolle Idee gewesen, eine solche Veranstaltung zu organisieren, um diese Brücke erlebbar zu machen“. Und: „Niemand hätte mit einem solchen Ansturm rechnen können.“

Das sagt die Polizeiinspektion Bernkastel-Kues Dort schätzt man die Situation anders ein. Ulrich Schneider, in der PI Sachbereichsleiter Einsatz, geht davon aus, dass man im Vorfeld hätte wissen können, dass mit mehreren 10 000 Menschen zu rechnen sei. Und auch an dem Tag habe sich die Situation schon  früh abgezeichnet. Die Feuerwehr Zeltingen-Rachtig, die sich auf der Brücke präsentieren wollte, sei angesichts des Massenandrangs früh wieder abgerückt, weil die Verantwortlichen fürchteten, bei einem möglichen Einsatz ihre Rettungsfristen nicht einhalten zu können. Vom Lösnicher Kreisel, von dem die Zufahrt auf die Hochmoselbrücke vorgesehen war, sei schon früh „nichts mehr gegangen“. Als bei der Polizei zahlreiche Notrufe eingingen, habe man reagiert. Der  Zubringer sei zeitweilig gesperrt worden. Auch am Zeltinger Berg oder in Wengerohr sei es zu chaotischen Szenen gekommen. Bei einer Veranstaltung in diesen Dimensionen gebe es in der Regel behördliche Auflagen, etwa wie beim Weinfest der Mittelmosel.  Aber: „Gott sei Dank, es ist ja nichts passiert.“

Das sagt der LBM „Es war aus unserer Sicht ein phantastisches, friedliches Fest und eine tolle Zusammenarbeit mit dem Veranstalter“, macht Hans-Michael Bartnick vom Landesbetrieb deutlich und verweist ansonsten auf die Stellungsnahme von Bianca Waters.

Eine Gefahrenstelle: Diese Treppe war nicht als Aufgang zur Brücke gedacht. Genutzt wurde sie trotzdem. Foto: Christoph Strouvelle

Und das sagt Bianca Waters, Pressesprecherin der Stadt Bernkastel-Kues „Es war ein tolles Event, und es hat funktioniert“, sagt Waters, die in dem Fall auch für die anderen Gemeinden spricht, die sich auf der Brücke präsentierten. Auch Waters lobt die Stimmung. Allerdings räumt auch sie ein, dass sie mit so vielen Besuchern nicht gerechnet habe: „Es gab keine Erfahrungswerte für dieses Fest.“ Es sei „partnerschaftlich von den Gemeinden und dem LBM organisiert worden“. Die Gemeinden, neben Bernkastel-Kues Lösnich, Graach, Erden, Ürzig und Zeltingen-Rachtig seien zusammen für die drei Getränke- und den einen Essenstand verantwortlich gewesen, während für den Brückenabschnitt und die Zufahrt der LBM zuständig gewesen sei. „Ein Shuttle wäre eine gute Idee gewesen, hätte man gewusst, dass so viele Menschen kommen würden.“ Allerdings sei das Brückenfest innerhalb von wenigen Wochen ohne Budget organisiert worden. Ein Shuttle wäre finanziell nicht zu stemmen gewesen.Man sei froh, dass an der Behelfstreppe nichts passiert sei. Aber auch hier „zeigt sich, welche Umsicht die Besucher gezeigt haben“.