Zum Lachen in den Keller

Wittlich · Ansgar Oberholz hat sich schon an vielen Jobs versucht. Vor allem aber an der Gründung des Cafés St. Oberholz in Berlin. Von seinen Erfahrungen dort und auch von anderen Begebenheiten handelt sein Buch "Für hier oder zum Mitnehmen", aus dem er jetzt vor rund 50 Zuhörern im Kellergewölbe der Buchhandlung Rieping gelesen hat.

 Nach der Lesung signiert Ansgar Oberholz seine Bücher. Hier mit der gebürtigen Berlinerin Ursula Scharberth. TV-Foto: Nora John

Nach der Lesung signiert Ansgar Oberholz seine Bücher. Hier mit der gebürtigen Berlinerin Ursula Scharberth. TV-Foto: Nora John

Wittlich. Mitten in der Karnevalszeit ist eine kleine, aber feine Lesung eine schöne Abwechslung. Gelacht wird dennoch, auch ohne lustige Verkleidung und Tusch nach jedem Witz. Denn das, was Ansgar Oberholz aus seinem Buch vorliest von den Problemen eines jungen Gastwirtes in einem Berliner Café, ist witzig. Vor allem, wenn er es zusätzlich mit kleinen Anekdoten würzt. So zum Beispiel gleich zu Beginn des Buches, als es um eine Personaldusche geht, um die Konzession für das Café zu bekommen. Hier der strenge Mann vom Amt, dort der unerfahrene Gastwirt. "Warum habe ich nicht auf meine Eltern gehört?", seufzt der Gastronom. Die rund 50 Zuhörer im Kellergewölbe lachen. Oberholz\' Eltern, die im Publikum sitzen, auch.
Überhaupt nutzt Ansgar Oberholz die Lesung als eine Art Heimspiel und unterhält die Zuhörer mit Textpassagen, die Bezüge zu Wittlich haben. Er erzählt von einem Erlebnis als Messdiener bei der Beerdigung eines Wittlicher Apothekers. "War jemand dabei?", fragt er in die Runde, und in der ersten Reihe meldet sich tatsächlich eine Dame.
Das Buch unterhält nicht nur mit skurrilen Begebenheiten und ebenso skurrilen Figuren, wie Handwerker "Klamotte", einem drogensüchtigen Exsoldaten, der vollgedröhnt strammsteht, oder auch Obdachlosen, die erwünscht oder unerwünscht das Café besuchen. Es ist vor allem der Wortwitz des Autors, der das Ganze so unterhaltsam macht.
Wortwitz kommt an


"Das hat er vom Vater", sagt Jakob "Köbes" Ambrosius nach der Lesung und spielt auf die legendären Auftritte von Willi Oberholz bei den Wittlicher Kappensitzungen an. Der kontert: "Man gibt sich ja Mühe mit der Erziehung."
Der Wortwitz kommt auch bei den anderen Zuhörern an. Sonja Krüger, die mit ihren Töchtern gekommen ist, ist begeistert. "Er hat das toll vorgetragen", sagt sie. Ihr hat die Lesung Lust gemacht, auch das Buch zu lesen und in Berlin tatsächlich mal das Café St. Oberholz zu besuchen.
Dass das lohnenswert ist, findet Ursula Scharberth. Sie ist Berlinerin, lebt aber schon seit 40 Jahren in Wittlich. Bei einem Heimatbesuch hat sie das Berliner Café aufgesucht, dort allerdings den Wirt nicht angetroffen, der seinerseits auf Heimaturlaub in Wittlich weilte.
Jetzt hat es mit dem Treffen dann doch noch geklappt: "Es hat mir richtig gut gefallen", sagt Ursula Scharberth.Extra

Ansgar Oberholz ist 1972 in Stolberg bei Aachen geboren und in Wittlich aufgewachsen. Seit 20 Jahren lebt er in Berlin. Mehrere Studiengänge hat er abgebrochen und sich als Musiker, Softwareproduzent und Modelagenturbetreiber versucht. 2005 hat er das Café St. Oberholz gegründet. Es befindet sich in den Räumen der Berliner Ex-Gaststätte Aschinger Bierquelle. Diese Gaststätte wurde bekannt durch den Roman "Berlin Alexanderplatz" mit seinem Helden Franz Bieberkopf, der hier verkehrt haben soll. Von den Anfängen des Cafés mit alle seinen Schwierigkeiten handelt das humorvolle Buch "Für hier oder zum Mitnehmen". noj