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Zum Leserbrief von Franz-Josef Schmit die Meinung von Simone Krafft

Geschichte : Die Darstellung greift zu kurz

Geschichte

Zum Leserbrief von Franz-Josef Schmit aus Wittlich im TV vom 20./21. Februar 2021 die Meinung von Simone Krafft:

Scheinbar hat Herr Schmit weder den Artikel von Myriam Kessler noch meinen Leserinnenbrief richtig gelesen. So suggeriert er, Frau Kessler habe sämtliche von ihm in seinem Brief genannten Details in ihren Artikel mit einbezogen. Den aufmerksamen Leser*innen wird nicht entgangen sein, dass in jenem Artikel von Frau Kessler nichts dergleichen zu lesen war.

Abgesehen davon ging es in meinem Brief auch nicht um meine Vorstellungskraft hinsichtlich der Tatsache, dass viele jüdische Mitbürger*innen mit den Verkaufserlösen ihres Hab und Gutes sich die Flucht leisten konnten, es ging darum, dass ich es schlichtweg falsch finde, dies als Vorteil darzustellen, wie es in Frau Kesslers Artikel geschehen ist.

Herr Schmit beschreibt, wie die „Arisierungen“ in Wittlich vonstatten gingen, belässt es aber bei dieser Beschreibung und tut so, als sei damit alles in bester Ordnung. Ist es aber nicht, da Geschichtsbewusstsein eben gerade darin besteht, Fakten einordnen, bewerten und beurteilen zu können.

In Herrn Schmits Brief ist davon nichts zu bemerken, eher im Gegenteil. Seine Darstellung greift zu kurz und rechtfertigt Naziunrecht unzulässigerweise mit Nazirecht. Der Tenor seines Briefes „So-war- nun-mal-die-(Gesetzes-)lage-damals“ trägt nicht dazu bei, historische Sachverhalte angemessen zu interpretieren und aufzuklären.

Auch Herr Schmit zieht sich auf die unzulässige Formel der „Notverkäufe“ zurück und fragt nicht, woher diese „Not“ kam, wer sie verursacht hat. Es hat sich ja keineswegs um ein Unwetter oder ein Unglück gehandelt, das diese „Not“ ausgelöst und die jüdischen Mitbürger dazu gezwungen hat, ihre Existenz aufzugeben. Es war gewaltsamer und brutaler brauner Terror, und das sollte man bitteschön benennen und nicht hinweg beschönigen. Belege findet man genug, und es reicht schon, sich die entsprechenden Bilder in Maria Wein-Mehs’ Buch „Juden in Wittlich 1808-1942“ aus der Zeit ab 1933 anzusehen, um sich eine Vorstellung des Ausmaßes dieses Terrors machen zu können. Herr Schmits pseudoaufklärerische Faktenansammlung zeugen daher auch nicht wirklich von Geschichtsbewusstsein.