Zum Promenieren in die Uferallee
Nach Jahren der Ohnmacht, hervorgerufen durch die Verkehrssituation, wird in Wehlen durchgeatmet. Zu den Projekten der Zukunft gehört der für 2009 terminierte Ausbau der Uferallee.
Wehlen. Stadtbürgermeister Wolfgang Port spricht von der "schönsten Straße" des Ortes, Stephanos Anderski (Ingenieurbüro Spoo & Partner) vom "Lebensraum am Rand der Mosel". Gemünzt sind die Worte auf die Uferallee im Bernkastel-Kueser Stadtteil Wehlen.
Die ein Kilometer lange Straße, die fast schnurgerade am Moselufer verläuft, soll, so der Tenor bei einer Bürgerversammlung, Promenaden-Charakter bekommen. Dies soll den Weinort, so Ortsvorsteherin Gertrud Weydert, nach Jahren der Lethargie auch touristisch weiter nach vorne bringen.
Grund für die Lethargie war die unsägliche Verkehrssituation, die viele Initiativen schon im Keim erstickte. Jahrzehntelang quälten sich Autos, Lastwagen und Busse durch die enge Hauptstraße. Mit der Fertigstellung der Umgehungsstraße im Juli 2007 hatte die Quälerei ein Ende. Der Sieg im Kreis- und Bezirksentscheid des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" dokumentiert die Aufbruchstimmung.
2009 steht nun der Ausbau der Uferallee an. Wichtigste Bausteine des derzeit aktuellen Planes: Die Fahrbahnbreite wird auf 4,75 Meter begrenzt. An ihrem Rande verläuft moselseitig ein 1,25 Meter breiter Gehweg.
Um einen optischen Kontrast zu schaffen, soll die Fahrbahn im Bereich der Brücke verschwenkt werden. Dieser Bereich soll als verkehrsberuhigte Zone (Schritttempo etc.) ausgewiesen werden. Befürchtungen, die Fahrbahnverschwenkung werde dazu führen, dass Lastwagen schlechter von der Brückenstraße auf die Uferallee kommen, widersprechen die Planer. Der Radius werde sogar größer.
Elf Ruhezonen, teilweise in die Uferböschung gelegt, sollen den Promenaden-Charakter genauso erhöhen wie zusätzliche Bäume, die den Alleen-Charakter her ausheben. Die Zahl der Parkplätze soll sich nicht ändern.
Die Kosten belaufen sich auf 1,045 Millionen Euro. Sie müssen zu 65 Prozent über die wiederkehrenden Beiträge von den Wehlenern getragen werden. Den Rest bezahlt die Stadt.
Die Bauzeit taxieren die Fachleute auf acht bis neun Monate. Gebaut wird abschnittsweise. Viele Bürgerinnen und Bürger sehen an diesem Abend in erster Linie ihre eigenen Belange und nicht das Gesamtwerk. Zumindest Mathias Dietz öffnet gegenüber dem TV sein Herz: "Es wird höchste Zeit, dass was passiert. Das ist wichtig für den Ort".
Meinung
Das Loblied singen andere
Viele Wehlener wissen offenbar nicht, welchen Schatz sie mit der Uferallee besitzen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Leute, die sich bei der Bürgerversammlung zu Wort meldeten, nur mögliche Probleme ansprachen statt auch nur einmal das Gesamtprojekt zu würdigen. Was vor der Haustür liegt, gehört eben zum Alltag. Die Würdigung bleibt anderen vorbehalten. Zum Beispiel den Mitgliedern der drei Kommissionen, die den Ort im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" unter die Lupe nahmen. Wehlen, das lange unter dem Durchgangsverkehr litt, hat riesige Chancen, weil es Alleinstellungsmerkmale besitzt: Die vielen Sonnenuhren, die sich auf 100 summieren sollen, die Streuobstwiesen und die Uferallee. Nur müssten das noch mehr Bürger erkennen. c.beckmann@volksfreund.de