Zum vierten Mal auf Sammeltour

Anderen Menschen zu helfen, ist für Elfriede Bungert eine Herzensangelegenheit. Einmal im Jahr klingelt sie an den Longkamper Haustüren. Und die 71-Jährige wird weiter machen, so lange die Füße tragen.

Longkamp. "The same procedure as last year? The same procedure as every year!” Der legendäre Silvester-Spruch von Butler James und Miss Sophie gilt seit einigen Jahren auch für Elfriede Bungert aus Longkamp. Allerdings hat er bei ihr eine andere Bedeutung als in dem herrschaftlichen Haus. Elfriede Bungert hat zum vierten Mal eine Tour durch den 1250-Seelen-Ort gemacht und an jeder Haustür geklingelt. Ihr Ansinnen: Sie sammelt Geld für die Kinderkrebs-Station im Trierer Mutterhaus. Das Schicksal eines krebskranken Mädchens aus der Nachbarschaft hat sie dazu animiert. Bei der ersten Aktion kamen 2222 Euro und ein Cent zusammen. 2005 waren es 2305,25 Euro, ein Jahr später 2150 Euro. 2007 waren die Longkamper sogar spendabler als in den Vorjahren. Elfriede Bungert freut sich über 2601,73 Euro. Insgesamt sechs Wochen war sie unterwegs — natürlich nicht jeden Tag von morgens bis abends. Aber es ist auch nicht damit getan, den Wunsch vorzubringen und die Spende in Empfang zu nehmen. "Viele Leute warten schon auf mich und sagen: Komm setz' dich ein bisschen." Da wird manches Schwätzchen gehalten, was besonders für Alleinstehende wichtig ist. Mittlerweile passiert es sogar, dass die Leute sagen: "Friedchen, du warst ja noch gar nicht da". Ihre Antwort: "Beruhigt eich, ich komme noch." 100 Euro betrug bei ihrer vierten Sammel-Aktion die höchste Einzelspende. Die Erklärung des Spenders: "Ich habe das Bedürfnis das zu geben." Natürlich ist auch jede kleine Spende willkommen.Ein kleiner Junge empfing Elfriede Bungert mit den Worten: "Bringst du uns was?". "Nein, ich will was von euch. Geld", antwortete die rüstige Rentnerin, die am ersten Weihnachtstag ihren 71. Geburtstag feierte. "Davon haben wir genug", sagte der Junge.Das Geld wird beispielsweise für Spielzeug für die kranken Kinder verwendet, oder für eine Kaffeemaschine, damit sich deren Eltern auch mal kurz entspannen können. Ein Satz hat sich bisher jedes Mal wiederholt. Die Frage, wie lange sie diese Tour noch machen wird, beantwortet Elfriede Bungert mit einem klaren "So lange ich kann." Und so wird es wohl auch 2008 wieder heißen: The same procedure as last year? The same procedure as every year! Meinung Eine Sache des Herzens Vor knapp vier Jahren stand an dieser Stelle erstmals ein Kommentar über das Engagement von Elfriede Bungert. Darin ging es unter anderem um die öffentlich wirksame Aufbereitung mancher Belanglosigkeiten, um die Oberflächlichkeit, die in manchen Talkshows sowie in Sendungen wie "Dschungel" oder "Big Brother" an den Tag gelegt wird. Es ist müßig , darüber zu diskutieren, ob sich in dieser Beziehung etwas zum Positiven verändert hat. Damals stand auch die Frage im Raum, was mit den wahren Heldinnen und Helden des Lebens, mit Leuten wie Elfriede Bungert, geschieht. Sie wartet bisher vergebens auf eine Auszeichnung oder einen Dank von höherer Stelle. Wer sich mit dieser Frau unterhält, erkennt allerdings auch: Sie braucht dieses Lob nicht, sie macht die Arbeit, weil es für sie eine Herzensangelegenheit ist. Verdient hat sie Anerkennung aber allemal. c.beckmann@volksfreund.de