Zurück zu den Wurzeln

WITTLICH. Dass Christoph Teusch irgendwann mal einen eigenen Glaserbetrieb führen würde, hat er sich in seiner Jugend nicht träumen lassen. Aber gemäß der Familientradition ist er trotz anderer beruflicher Pläne in die Bresche gesprungen.

"Eigentlich wollte ich ja Meeresbiologie studieren, aber dann kam die Bundeswehr, und danach bin ich irgendwie in die Lehre als Kunstglaser reingerutscht", erzählt Christoph Teusch kurz und knapp seinen Werdegang. Er führt zusammen mit Martina Neufeind und zwei weiteren Angestellten den Betrieb in der Wittlicher Innenstadt. Aus dem Großhandel hat er das Unternehmen wieder zu einem Handwerksunternehmen gemacht. "Die Auftragslage ist im Augenblick sehr mau, die Leute sind verunsichert wegen der wirtschaftlichen Lage. Außerdem gehen Glaslieferungen nicht mehr gut", erklärt Teusch. Nazis beschlagnahmen Inventar

Das war zu Zeiten seiner Ahnen noch etwas anders. Ursprünglich vom Urgroßvater als Schreinerei eröffnet, entwickelte sich aus dem Betrieb Ende des 19. Jahrhunderts eine Glaserei und Glasgroßhandlung. Noch vor dem ersten Weltkrieg gab Urgroßvater Teusch das Zepter an seine beiden Söhne ab. Die mussten jedoch zur Armee, also erfolgte der endgültige Staffelwechsel erst nach 1918. Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten baute Christoph Teuschs Opa den Betrieb zu einer Glasgroßhandlung aus. "Dann haben die Nazis aber alles, was sich verwerten ließ, beschlagnahmt. Glas, Fahrzeuge und noch mehr", erzählt Christoph Teusch. Opa Teusch führte den Betrieb bis Ende der 60er-Jahre, dann war Christophs Vater an der Reihe. Christoph Teusch übernahm den Betrieb nach seiner Meisterprüfung Mitte der 90er-Jahre.Neues Verfahren soll Wende bringen

Das Hauptgeschäft besteht heute im Innenausbau und Glasklebearbeiten. Christoph Teusch erklärt: "Wir bauen vor allem Raumtrenner, machen Vordachkonstruktionen oder Duschkabinen." Dabei ist die Arbeit zwischen ihm und Martina Neufeind genau aufgeteilt. Sie kümmert sich um die künstlerische Arbeit und die Buchhaltung, er um die Akquise, die Erstellung von Angeboten und die Montage. Den größten Vorteil seines Unternehmens sieht Christoph Teusch im persönlichen Kontakt zum Kunden: "Wir betreuen unsere Kunden intensiv. Etwa 30 Prozent unserer Aufträge entstehen durch Mundpropaganda." Ein weiteres, wichtiges Erfolgsrezept ist nach Ansicht Teuschs, dass er mit der Zeit geht. Eine neuartige Glasbearbeitungstechnik soll der Firma den Durchbruch bringen. Teusch erläutert: "Seit Kurzem arbeiten wir als Erste deutschlandweit mit digitalem Airbrush." Diese Methode eignet sich vor allem für die Innengestaltung eines Hauses. So entstehen durch die digitale Technik zum Beispiel wunderbare Bilder oder Motive auf Duschen oder im Eingangsbereich. Auf den digitalen Airbrush will Teusch in nächster Zeit sein Hauptaugenmerk richten. "Ich möchte die Technik gerne weiter ausbauen und deutschlandweit vertreiben." Ansonsten wolle Teusch den Qualitätsstandard bei den Privatkunden halten und hoffe, "dass wir noch lange überleben". Ist auch Ihr Unternehmen älter als 100 Jahre oder wird in mindestens dritter Generation geführt? Dann melden Sie sich bei uns per Mail an die Adresse mosel@volksfreund.de.

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