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Zuviel Arbeit für die freiwilligen Helfer

Zuviel Arbeit für die freiwilligen Helfer

Der Landscheider Wehrführer Jürgen Feltes ist seit dem 1. Januar der einzige hauptamtliche Feuerwehrmann im Kreis. Er kümmert sich vorrangig um die Wartung der Atemschutzgeräte der Wehren in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Grund für die hauptamtliche Stelle ist die steigende Belastung der Aktiven.

Wittlich. Ist die Arbeit der aktiven Feuerwehrleute ehrenamtlich noch zu leisten? "Die Gerätewarte, die die Funktionen der für die Einsätze benötigten Geräte prüfen, investieren dafür rund 70 Stunden monatlich," sagt Stephan Christ, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Hinzu kommen die normalen Übungsstunden, Schulungen und Einsätze, so dass die Aktiven bis zu 100 Stunden für ihr Ehrenamt aufbringen. "Das entspricht einem zusätzlichen Teilzeitjob für die Gerätewarte. Damit ist eine Schmerzgrenze überschritten", sagt Christ.
Check nach jedem Einsatz


Eine freiwillige Überprüfung der Feuerwehrgerätschaften durch den Prüfdienst der Landesfeuerwehrschule 2012 habe ergeben, dass aufgrund des großen Zeitaufwandes und der Beanspruchung der Feuerwehrleute Prüfungen nur oberflächlich, teilweise überhaupt nicht vorgenommen würden, sagt Andreas Lautwein von der Verwaltung der Verbandsgemeinde. Einige Gerätewarte hätten sogar bereits ihre Funktion niedergelegt, weil sie nicht die Verantwortung für Geräte übernehmen wollten, die im Ernstfall nicht funktionierten, sagt er.
In der Verbandsgemeinde Wittlich-Land gibt es 300 Aktive, die für den Einsatz mit Atemschutzgeräten ausgebildet sind, sagt Christ. Jeder muss einmal jährlich damit sowohl die Atemschutzstrecke absolvieren, als auch einen Einsatz oder eine weitere Übung nachweisen. Nach jedem Einsatz, egal ob Schulung oder Ernstfall, muss das Atemschutzgerät gecheckt werden.
"Alleine für die Prüfungen der Atemschutzgeräte haben wir einen Arbeitsaufwand von 243 Arbeitstagen ermittelt", sagt Lautwein. Der Aufwand zur Prüfung des kompletten Materials beträgt insgesamt 5360 Stunden. "Bei einem Acht-Stundentag ist das ein Aufwand für drei ganzjährig beschäftigte Personen", rechnet Lautwein vor. Die VG hat daraus Konsequenzen gezogen. Die Einstellung eines hauptamtlich beschäftigten Gerätewarts wurde unumgänglich. Seit dem 1. Januar ist der Landscheider Wehrführer Jürgen Feltes bei der Verbandsgemeinde angestellt und kümmert sich vorrangig um die Prüfung der Atemschutzgeräte. Pro Einheit veranschlagt Feltes etwa zwei Stunden.
Ansprechpartner für 26 Wehren


Zudem steht der 43 Jahre alte Wehrführer als Ansprechpartner für die ehrenamtlichen zwölf Gerätewarte der 26 Feuerwehren der VG zur Verfügung und unterstützt diese, indem er bei Unklarheiten berät oder neue Vorschriften weitergibt. Die VG Wittlich-Land investiert 39 700 Euro jährlich in diese Stelle.
Feltes ist im Alter von elf Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten und mit 18 Jahren zu den Aktiven gewechselt. Seit 1999 ist der gelernte Werkzeugmacher Wehrführer der Feuerwehr Landscheid. "Feltes ist bisher der einzige hauptamtlich angestellte Gerätewart im Kreis," sagt der Kreisfeuerwehrinspekteur Willi Herres. Bei der Stadt Wittlich übte früher der Wehrleiter in Personalunion die Funktion des Gerätewarts aus. Allerdings habe man sich nach dessen Ausscheiden wieder für eine ehrenamtliche Lösung entschieden. Doch in jüngster Zeit werde auch mit Hinblick auf die demografische Entwicklung vermehrt über hauptamtliche Kräfte nachgedacht, so Herres. Denn: "Es wird immer schwieriger, Gerätewarte zu finden."