Zwei Feste im Winter

Christen feiern Weihnachten, Juden feiern Chanukka? Eine vereinfachte Sicht. Die Feste können sich gegenseitig beeinflussen, hat das Emil-Frank-Institut in einer musikalischen Lesung gezeigt. Eine Begegnung der Religionen.

Wittlich. Sie könnten gehen, theoretisch. Es gibt ja eine Pause, da fiele es nicht mal auf, aber Christiane Hahn und Arpad Dobozy aus Salmtal bleiben. Auch wenn in der Synagoge kein Stuhl mehr frei ist und sie stehen müssen oder auf dem Boden sitzen. Wie rund 30 andere Zuschauer, die keinen Platz gefunden haben.
Vielleicht liegt es an Barbara Philipp, dass die Veranstaltung so gut besucht ist; vielleicht an dem Titel, der neugierig macht: Happy Weihnukka. Das Emil-Frank-Institut hat eingeladen, um zu zeigen, was die Feste gemeinsam haben: Weihnachten, an dem die Geburt Jesu gefeiert wird, und, nun ja, Chanukka, von dem viele nicht mal wissen, wie man es ausspricht. Jeder Begrüßungsredner in der Synagoge scheint seine eigene Aussprache gefunden zu haben, Schanukka, Kanukka, schweres Wort. Die meisten entscheiden sich für Chanukka mit "ch" wie in "Bach" - und liegen richtig. Dass viele Christen das Wort nicht aussprechen können, ist ein trauriges Signal, weil es zeigt: Sie haben den Bezug zur jüdischen Kultur verloren. Oder ihn nie gehabt?
Das Emil-Frank-Institut will das ändern, zumindest ein wenig. Lieder und gelesene Texte vermitteln eine sehr deutsche, sehr jüdische Sicht auf die Festtage im Dezember. Säkulare Juden werden zitiert und ein Rabbi, "Oh Tannenbaum" trifft auf "Chanukka, oh Chanukka". Gesungen wird auf Deutsch, Englisch und Hebräisch. Immer geht es um die Annäherung, man könnte fast sagen: die Synthese der Feste. Um Juden, die "Stille Nacht" sangen, "weil sich das so gehörte in einer deutschen Familie". Um Wohnzimmer, in denen der Chanukka-Leuchter neben dem Weihnachtsbaum stand. Happy Weihnukka.
Zugpferd der Veranstaltung, wenn man das so sagen darf, ist Barbara Philipp, die Wittlicher Schauspielerin, bekannt aus Fernsehen und Kino. Das zeigt schon ein Blick auf das Programmheft: vorne ein Foto von Barbara Philipp, keines von Gerd Elsen, der singt, oder Klaus Wahl, der auf dem Klavier begleitet und mit interessanten Informationen durch den Abend führt (wussten Sie, dass der Weihnachtshit "White Christmas" eine jüdisch-christliche Produktion ist?). Aber "Happy Weihnukka" ist keine One-Woman-Show, die drei Künstler ergänzen sich. Finden auch die Zuschauer. Frage an Christiane Hahn und Arpad Dobozy: Wie hat Ihnen die Veranstaltung gefallen? "Sehr gut. Es war witzig und kontrastreich." Dass sie keinen Sitzplatz hatten, stört sie nicht. gub
Extra

Mit Chanukka feiern die Juden ein Ereignis im Jahr 164 vor Christus: Die Makkabäer befreiten Jerusalem von der syrischen Herrschaft und weihten den jüdischen Tempel neu ein. Theologisch hat Chanukka mit Weihnachten also nichts zu tun. Gemeinsamkeiten gibt es dennoch: Beide Feste werden im Winter gefeiert, Licht spielt eine wichtige Rolle: An Chanukka entzünden die Juden an acht Tagen nach und nach einen achtarmigen Leuchter. gub