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Zwei leere Gräber und ein Plünderungstunnel

Grabungen beendet : Zwei leere Gräber, ein Tunnel von Plünderern und viele offene Fragen

Ein Archäologenteam hat in Wittlich nahe der Autobahn nach Hügelgräbern gesucht und ist dabei sogar auf mehr als das gestoßen. Aber wie ist dort der aktuelle Stand? Der Volksfreund hat nachgefragt.

Große Hoffnungen hatte Archäologe Dr. Lars Blöck gemeinsam mit seinem Team, als die Grabungen nahe der Autobahn 1 bei Wittlich begannen. Und die sollten sich auch teilweise erfüllen – nur eben nicht so ganz. Die Wissenschaftler fanden bei den Arbeiten ein großes und ein kleineres Hügelgrab, allerdings ohne Inhalt. Dafür aber die Reste eines Plünderungstunnels. Das erklärt laut Blöck auch, warum in den beiden Gräbern auch nach rund zwei Monaten Arbeiten nichts gefunden werden konnte. Das war der Zeitraum, der mit der Stadt Wittlich für die Suche vereinbart worden war.

Kleine Bestandteile wie beispielsweise Keramikreste, hätten schon dabei helfen können das Alter der antiken Gräber noch besser eingrenzen zu können. Blöck sagt: „Der Plünderungstunnel, durch den vermutlich alles dort herausgeschafft wurde, sieht recht fachmännisch aus. Ich würde schätzen, dass der ungefähr aus der frühen Neuzeit, aus dem 17. oder 18. Jahrhundert ist, aber auch hier können wir das zeitlich nicht genauer einordnen.“

Seit dem 30. November sind die Grabungen abgeschlossen. Enttäuscht darüber, dass sie nichts in den Hügelgräbern finden konnten, ist Blöck aber trotzdem nicht, sagt er selbst. Auch wenn er zu Beginn der Arbeiten sogar eine spektakuläre Blockbergung der Grabkammer für eine Möglichkeit gehalten hatte. Anschließend hätte man die Kammer in Trier in ihre Einzelteile zerlegen und untersuchen können. Aber: „Wir haben mehr gefunden, als wir vorher erwartet haben“, sagt der Archäologe. Nun gilt es, die Funde detailliert in einer Karte festzuhalten und zu dokumentieren.

Laut Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadt Wittlich, wird sich der finanzielle Anteil der Stadt an den Arbeiten wohl auf rund 50 000 Euro belaufen, diese Zahl sei allerdings „noch nicht schlussgerechnet“. Zu Beginn der Grabungsarbeiten hatte das Team mit Hilfe von Luftaufnahmen auf ein antikes Gräberfeld gehofft. Im ersten Monat fanden die Wissenschaftler schließlich ein größeres und ein kleineres Hügelgrab. Das größere verfüge über Holzgebäude und einen Eingangsbereich. Laut Blöck handelt es sich dabei um eine Besonderheit, da sich damals nicht jeder so etwas leisten konnte. Der Archäologe schließt daraus, dass es sich um ein Grab handeln könne, das der damaligen Elite angehört habe.

Die Eisennägel, die in dem Holzgebäude verarbeitet wurden, zeigen zudem, dass es sich frühestens um ein Gebäude der römischen Zeit oder des Mittelalters handle. Das sei eine besondere Entdeckung, denn damit sei es das erste römische oder mittelalterliche Holzgebäude in der Region. Die Experten vermuten, dass das Gebäude 15 Meter lang und mindestens dreischiffig gewesen sei. Allerdings sei das Grab wohl schon geplündert gewesen, als das Haus erbaut wurde.