Zwei "Realschulen plus" an drei Standorten
Zwei "Realschulen plus" an drei oder an zwei Standorten oder eine neue Integrierte Gesamtschule neben der "Realschule plus"? Für die Zukunft des Schulstandorts Wittlich gibt es derzeit viele Überlegungen und einen unterschiedlichen Informationsstand.
Wittlich. Für die jüngeren Wittlicher Nicht-Gymnasiasten steht bereits fest, dass sie in ihrer Schullaufbahn in eine neue Schule gehen werden. Fragt sich nur, in welche. Schließlich soll nach derzeitigem Stand des Schulentwicklungsplans aus der Kurfürst-Balduin-Realschule eine "Realschule plus" werden. Das sehen Lehrer und viele Eltern anders."Zuerst einmal sind wir froh, dass die Schule eigenständig bleiben soll", sagt Rektorin Marlies Sachau-Zeies. Damit spielt sie auf Überlegungen an, nur eine "Realschule plus" in Wittlich mit dann rund 1500 Schülern mit Standorten in Wengerohr und in der Kernstadt zuzulassen.
Nach Auskunft der Rektorin sind viele Lehrer und Eltern weniger froh mit der Idee, aus der heutigen Realschule eine "Realschule plus" zu machen. "Wir möchten eine Integrierte Gesamtschule werden", sagt Sachau-Zeies. Diese Schulform unterteilt sich in je einen Zweig für Haupt- und Realschüler sowie einen für Gymnasiasten. Im Gegensatz zu anderen Gesamtschulen soll jedoch in Wittlich auf eine Oberstufe verzichtet werden. Schließlich liegt die Realschule direkt neben dem Cusanus-Gymnasium.
Wenig Verständnis für die vom Land angedachte Trägerschaft von Landkreisen bei der "Realschule plus" haben derweil Wittlichs Bürgermeister Ralf Bußmer und sein Amtskollege aus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, Christoph Holkenbrink. Ihre Kommunen haben sich mit den Verbandsgemeinden Kröv-Bausendorf und Manderscheid zusammengefunden, um in einem Zweckverband die Trägerschaft für die Duale Oberschule (Dos) zu übernehmen.
Notfalls juristisch wollen sich die Kommunen gegen den Übergang der Trägerschaft wehren, da sie in den vergangenen Jahren bewiesen hätten, dass für den Zweckverband das Wohl der Schüler im Vordergrund stehe. Beispiele dafür seien unter anderem die vorzeitige Antragstellung für das Projekt "Keiner ohne Abschluss" oder die frühe Installierung eines Schulsozialarbeiters. Bußmer und Holkenbrink wollen sich im Gespräch mit dem TV nicht abschließend äußern über Zusammenlegungspläne für die heutige Dos, da nach Worten des Bürgermeisters der VG Wittlich-Land "bisher uns niemand offiziell über mögliche räumliche Veränderungen informiert hat." Diese in der jüngsten Kreistagssitzung von Schulplaner Wolf Krämer-Mandeau angestellten Überlegungen sehen einen Umzug der Liesertalschule von Wengerohr in das Dos-Gebäude in der Beethovenstraße vor. Im Gegenzug würde die aus der Dos entstehende "Realschule plus" neben dem bisherigen Wengerohrer Standort auch das Gebäude der Förderschule nutzen.
MeinungZeitdruck für die Zukunft
Es mag sein, dass die Landesregierung das Thema Schulreform nicht zusammen mit dem Thema Kommunalreform abhandeln wollte. Die Folgen der nun in wenigen Monaten zu stemmenden Reform des Schulwesens müssen vor allem die Schüler und auch die Lehrer ausbaden. Nun könnte man das wenig berufsgruppenfreundlich bei den Pädagogen als im Arbeitsleben zu meisternde Herausforderung abtun. Bei den Kindern und Jugendlichen geht es jedoch um mehr: Es geht um die Zukunft des rheinland-pfälzischen Nachwuchses. Vor diesem Hintergrund muss man auch die Zukunft der Schulen in Wittlich sehen. Schließlich haben die Veränderungen in der wichtigsten Stadt des Landkreises auch Auswirkungen auf Schulen in ländlicheren Teilen der Region. Da ist die Antwort auf Fragen nach der Trägerschaft wohl eher einfach zu beantworten. "Das haben wir immer schon so gemacht" wird die sicher nicht unbedingt sein. h.jansen@volksfreund.de