Zwei Schläger verurteilt

Zwei junge Männer aus Nordrhein-Westfalen sind wegen schwerer Körperverletzung und versuchtem Raub bei der Techno-Großveranstaltung "Nature One" vom Simmerner Schöffengericht zu eineinhalb und einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Auch Geldstrafen wurden verhängt.

Simmern. (wd) Die Tat hatte sich bei der Techno-Großveranstaltung "Nature One" auf der ehemaligen Raketenbasis Pydna ereignet. Bei dem Raver-Treffen kommt es normalerweise eher selten zu Gewalttaten.

Anders im vergangenen Jahr: Auf dem Weg vom Parkplatz zum Festivalgelände hatten die Angeklagten ein Geschwisterpaar angehalten. Einer forderte von dem jungen Mann Halskette, Handy und Armbanduhr.

Es kam zu Handgreiflichkeiten. Der Angegriffene wurde geschlagen und stürzte zu Boden. Dann schlugen und traten die Angeklagten auf ihn ein. Er trug erhebliche Kopfverletzungen davon, musste im Krankenhaus versorgt werden. Er klagte noch längere Zeit später über Kopfschmerzen.

Angebliche Gedächtslücken nach Wodkagenuss



Zu seinem Glück kam zufällig eine Polizeistreife vorbei, die den Haupttäter festnahm. Während der einschlägig vorbestrafte Rädelsführer geständig war und sich bei dem Opfer entschuldigte, leugnete sein Kumpel jegliche Tatbeteiligung.

Beide machten erheblichen Wodka-Genuss bei der Anreise für ihre Gedächtnislücken verantwortlich. Das Opfer konnte sich nicht genau daran erinnern, von wem es misshandelt worden war.

Ein klare Aussage machte dagegen seine Schwester. Sie identifizierte die Schläger. Anhand von Bildern erkannte sie einen weiteren Tatverdächtigen. Um Licht ins Dunkel zu bringen, vertagte Richter Peter Hüttemann die Sitzung und lud zwei potenzielle Entlastungszeugen aus dem Freundeskreis der Angeklagten vor.

Beide verwickelten sich jedoch in Widersprüche und konnten trotz intensiver Befragung durch Richter, Staatsanwalt und Verteidiger keine glaubwürdigen Aussagen machen.

Vier Stunden lange Verhandlung



Nach einer kurzer Beratung mit den beiden Schöffen verurteilte Hüttemann den Haupttäter schließlich zu eineinhalb Jahren Gefängnis auf Bewährung und 2000 Euro Schmerzensgeld. Als strafmildernd bewertete er das umfassende Geständnis, seine Reue und eine positive Sozialprognose.

Der zweite Angeklagte, der bis zuletzt in Simmern seine Mitwirkung an der Tat bestritt, wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 1000 Euro Geldstrafe oder ersatzweise 200 Arbeitsstunden bei einer gemeinnützigen Einrichtung verurteilt. Mehr als vier Stunden lang war gegen die beiden an zwei Terminen verhandelt worden.