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Zwei Urgesteine ziehen Bilanz: Vom Skandal zum Aushängeschild

Zwei Urgesteine ziehen Bilanz: Vom Skandal zum Aushängeschild

Große Veränderung: Der Vorsitzende Walter Densborn und Geschäftsführer Heinz-Werner Steffen verlassen den DRK-Kreisverband. Im TV erzählen sie von den Anfängen, von Hürden, schönen Zeiten und von ihren Plänen.

Der eine Vollblut-Rotkreuzler von der Pike auf und Bankkaufmann, der andere Bürgermeister, Strippenzieher und Netzwerker: Geschäftsführer Heinz-Werner Steffen und der Vorsitzende Walter Densborn scheiden aus dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus. 22 Jahre haben der Traben-Trarbacher Steffen und der Manderscheider Densborn die Geschicke des Verbands gemeinsam geleitet. Und dabei viele gute Zeiten erlebt, wie beide unisono sagen.

Auch wenn die Anfänge Mitte der 1990er nicht so gut erschienen. Denn, so erzählt Walter Densborn, damals habe der Verband gerade einen Skandal hinter sich gehabt und deshalb auch hohe Schulden. Der gesamte Vorstand war zurückgetreten, bis auf Ex-Landrat Helmut Gestrich. "Das war damals sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig", sagt Densborn heute. Gestrich war es, der Densborn - bis dahin als leidenschaftlicher Musiker (Tenorhorn) Vorsitzender des Kreismusikverbands - mit ins Boot nahm.

"Es blieb sonst keiner übrig', sagte er zu mir", erzählt der ehemalige Bürgermeister der alten VG Manderscheid. Densborn und der Finanzexperte und DRK-Ehrenamtler Heinz-Werner Steffen im Amt des Geschäftsführers waren ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte. Denn schon bald stellten sich für das Duo des damals "sicherlich schwächsten Glieds des DRK in Rheinland-Pfalz", wie Densborn sagt, Erfolge ein. "1998 dachten wir dann zum ersten Mal, dass wir alles im Griff haben", bekennt der 77-Jährige. Und heute, so Densborn, gehöre das DRK-Sozialwerk zu einem der Aushängeschilder in der ganzen Republik.

Wichtig sei es ihnen trotz allem betriebswirtschaftlichen Denkens immer gewesen, so Steffen, dass das DRK seinen sozialen Auftrag erfülle. Wichtig seien immer, so Walter Densborn, "gegenseitige Rücksichtnahme und Vertrauen gewesen". Und Steffen ergänzt: "Es war eine hervorragende Zusammenarbeit bis zum letzten Tag." Gestritten hätten sich die beiden, so sagen sie übereinstimmend, nie in dieser Zeit. "Auch wenn wir mal unterschiedlicher Meinung waren", ergänzt Densborn.

Zu den wichtigsten Projekten des Duos, das sich bis zum Sommer des vergangenen Jahres respektvoll gesiezt hatte, gehörten neben der finanziellen Konsolidierung des Verbands unter anderem der Umzug der Geschäftsstelle in das neue Gebäude am Fürstenhof und die Aufnahmestelle für Asylbegehrende (Afa), die das DRK bis Juni 2016 über mehrere Monate auf dem Gelände des ehemaligen Hela-Markts in Wittlich betrieben hatte. "Das Engagement der Ehrenamtlichen damals war großartig", sagt Steffen. Und Densborn ergänzt: "Die Unterstützung aus den Verwaltungen war auch sehr gut. Wir haben das Projekt ohne große Zwischenfälle gemeistert."

Heute ist der Kreisverband gut aufgestellt. "Es sieht gut aus beim DRK", sagt der Traben-Trarbacher Steffen. Das sei aber auch im Hinblick auf die Zukunft wichtig, denn "kommende Generationen werden es schwerer haben", auch wegen der immer strengeren Vorgaben aus der Politik.
Die nächste Generation, dazu gehören auch Carsten Berg, der auf Heinz-Werner Steffen folgt, und Ulf Hangert, Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues, der Walter Densborn in seinem Amt beerbt.

Im Ruhestand will sich Heinz-Werner Steffen mehr um seinen Garten und den Hund der Familie kümmern und erstmal einen längeren Urlaub machen. "Dann wird der Wohnwagen angehängt, und es geht nach Mecklenburg-Vorpommern." Rückkehr unbestimmt. Dem DRK bleibt er im Ortsverein Traben-Trarbach verbunden, wo er "fürs Rasenmähen und die Fahrzeuge" zuständig ist. Steffen: "Es wird keine Langeweile geben bei mir." Walter Densborn kehrt vielleicht wieder zur Musik zurück, das alte Tenorhorn hat er kürzlich erst wieder ausprobiert, "ich habe aber keinen Ansatz mehr".

Und dann ist da ja noch die Abtei Himmerod, für die sich der Ex-Bürgermeister engagiert. Auch wenn er die Leitung der Gaststätte im zurückliegenden Januar nach fünf Jahren ("Ich habe dem Orden in dieser Zeit 450?000 Euro überwiesen") abgegeben hat, läuft der Buch- und Kunstladen noch unter seiner Regie. Densborn: "Ich werde meine Freizeit mehr genießen und gestalten." Die Freizeit, das dürfte trotzdem nicht allzu viel sein, denn wer Walter Densborn kennt, weiß, dass der 77-Jährige immer eine Aufgabe findet.

Die offizielle Verabschiedung von Heinz-Werner Steffen und Walter Densborn beginnt am Samstag, 24. Juni, um 10.30 Uhr in der DRK-Kreisgeschäftsstelle in Wittlich, Fürstenhof.EXTRA

Der DRK Kreisverband Bernkastel-Wittlich ist ein eingetragener Verein. Aus ihm sind verschiedene Tochtergesellschaften als gemeinnützige Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) hervorgegangen, darunter das DRK-Sozialwerk in Bernkastel-Kues, eine große Werkstatt für behinderte Menschen, der DRK-Rettungsdienst Eifel-Mosel-Hunsrück im Zusammenschluss mit dem DRK-Kreisverband Daun oder die DRK-Behindertenhilfe und Pflegedienst gGmbH mit Sitz in Wittlich. Das Sozialwerk betreibt unter anderem die Domäne Avelsbach in Trier und zwei Weingüter in Bernkatsel-Kues.
Als eingetragener Verein steht beim DRK Kreisverband Bernkastel-Wittlich ein ehrenamtlicher Vorstand an der Spitze. Ein hauptamtlicher Geschäftsführer leitet die Geschäfte in der Kreisgeschäftsstelle.
Der Verband hat nach Angaben von Walter Densborn und Heinz-Werner Steffen rund 1300 Mitarbeiter und einen Etat von 60 Millionen Euro.