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Zweiter Bass spielt seit vier Wochen erste Geige

Zweiter Bass spielt seit vier Wochen erste Geige

Die Familie muss erst einmal hinten anstehen. Marcus Heintel braucht alle Kraft, um der neuen Verbandsgemeinde Traben-Trarbach eine Struktur zu geben und die Verwaltungen und die Bürger zusammenzuführen.

Traben-Trarbach. Blaues Poloshirt, Jeans: Wer Chefs einer Verwaltung nur mit Anzug und Krawatte kennt, muss bei Marcus Heintel umdenken. Er stelle es den Mitarbeitern frei, in welcher Kleidung sie erscheinen. Das Recht nehme er sich auch heraus. Bei offiziellen Anlässen trage er natürlich feineren Zwirn.
Seit einem Monat ist der 37 Jahre alte Diplom-Wirtschaftsjurist nun Bürgermeister der neuen Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Sie entstand aus der vom Land angeordneten Fusion zwischen den Verbandsgemeinden Traben-Trarbach und Kröv-Bausendorf.
Marcus Heintel (SPD) hat die schwere Aufgabe, die Verwaltungen und natürlich auch die Menschen zusammenzufügen. Diese Aufgabe ist schon deshalb nicht leicht, weil die Kröv-Bausendorfer diese Fusion ablehnen und auch noch eine Klage gegen den Zusammenschluss läuft (der TV berichtete). Erschwert wird die Aufgabe auch dadurch, dass die Verwaltung auf die Standorte Kröv und Traben-Trarbach verteilt ist. Es gibt beispielsweise noch zwei Büroleiter, zwei Bauamtsleiter und zwei unterschiedliche Haushalte. Bis Ende des Jahres sollen die entsprechenden Strukturen für die Zukunft geschaffen werden.
Über den Sommer hinweg ist dies die Hauptarbeit des neuen Bürgermeisters. Diese Zeit werde intensiv und spannend, weiß der Diplom-Wirtschaftsjurist (FH). Schließlich stehen auch viele personelle Entscheidungen an.
Heintel arbeitete vorher bei der Arbeiterwohlfahrt Morbach und zuletzt in Trier als Sekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Da war der Tagesablauf halbwegs geregelt. Das hat sich seit dem 1. Juli geändert. "Ich fange gegen 9 Uhr an und bin meist zwischen 22 und 1 Uhr wieder zuhause", erzählt er. Heintel war bisher bei allen konstituierenden Sitzungen, die nach seinem Amtsantritt über die Bühne gingen. Für die Familie, Ehefrau Irina und den fünfjährigen Sohn Nikita, bleibt also erst einmal kaum Zeit.
Die Familie hat im von Traben-Trarbach 30 Kilometer entfernten Rivenich (VG Wittlich-Land) ein Haus gebaut und möchte dort auch bleiben. Irina Heintel pendelt von dort nach Luxemburg, wo sie als Juristin arbeitet.
Früher hat Ehemann Marcus Nikita nachmittags aus der Kita abgeholt, jetzt bringt er ihn morgens hin und holt ihn höchstens freitags ab. Ansonsten kümmern sich ein Kindermädchen und der Großvater um Nikita.Die Tür steht immer offen


Je nach Terminen entscheidet Heintel, ob er im Verwaltungsgebäude in Traben-Trarbach oder im Kröver Rathaus arbeitet. Er steht also erst einmal noch zwei Verwaltungen mit etwa 120 Mitarbeitern (inklusive Werke und Moseltherme) vor. Aus dem Angestellten ist quasi über Nacht ein Chef geworden. Wie sieht er sich selbst in dieser Situation? "Ich lasse den Chef nicht raushängen, versuche respektvoll mit jedem umzugehen. Meine Tür steht immer offen", sagt er.
Die Tage des Marcus Heintel werden also randvoll bleiben. Einen Freiraum gönnt er sich aber. Am 8. November wollen die vier Sänger von "Sine Nomine" ihren Titel als Meisterchor bestätigen. Heintel ist in dem seit 21 Jahren bestehenden Ensemble zweiter Bass. "Da werde ich mir für die Proben Zeit freihalten", kündigt er an.