Zweites Zuhause für Wittlichs Nachwuchs

Zweites Zuhause für Wittlichs Nachwuchs

Täglich gehen 70 Jugendliche im Wittlicher Haus der Jugend ein und aus. Sie treffen Freunde, spielen Billard oder lernen, wie man Schlagzeug und Theater spielt. In diesem Jahr steht für sie ein besonderes Projekt auf dem Plan: Alle Gruppen im Haus arbeiten gemeinsam an einem Musical zur Hip-Hop-Kultur.

Wittlich. Das Haus der Jugend in Wittlich ist am späten Nachmittag gut gefüllt. Rund 20 Jugendliche bevölkern das Erdgeschoss, spielen Tischtennis und Billard oder belagern den Computerraum. "Um diese Zeit ist immer viel los", sagt Hans Floter, der seit 1991 die Einrichtung leitet. Bereits 25 Jahre gibt es das Haus in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt, seit 2003 am Standort in der Kurfürstenstraße 3. Montags bis freitags, bei Bedarf auch am Wochenende, stehen die Türen offen für junge Menschen aus Stadt und Landkreis.

Im offenen Bereich gibt es neben Tischtennis, Billard und Tischfußball vier Computer, an denen die Jugendlichen zum Beispiel Bewerbungen schreiben können. Dazu kommt ein breites Angebot an Kursen im oberen Stockwerk: Breakdance, Streetdance, Samba, Selbstverteidigung, Gitarre und Schlagzeug.

Seit Sommer 2010 gibt es auch einen Schauspielkurs. "Wir mussten erstmals einen Belegungsplan aufstellen, so viele Gruppen sind es", sagt Floter. Für viele sei das Haus "wie ein zweites Zuhause". 40 Prozent der Jugendlichen seien Dauergäste. Täglich kämen bis zu 70 Besucher - aller Schultypen und Nationalitäten.

Suche nach Alternativen für Musiker



Neben dem Kursprogramm plant das Haus der Jugend jedes Jahr besondere Veranstaltungen - wie den "Mitternachts-Contest" am 26. Februar. In der BBS-Halle treten Jugendliche in einem nächtlichen Turnier in Volleyball, Fußball und Basketball gegeneinander an. "Höhepunkte" sind laut Floter auch die jährlich etwa zehn Konzerte im Haus mit Nachwuchsbands aus der Region.

Das größte Projekt 2011 ist gerade angelaufen: Alle Gruppen des Hauses stellen gemeinsam ein Musical auf die Beine. Die deutsche Kinder- und Jugendstiftung gibt dafür 7000 Euro. "Die unterstützen drei Projekte im Raum Trier - und wir sind dabei", freut sich Floter.

Thema des Musicals ist die Hip-Hop-Kultur. Die Regie übernimmt der Leiter des Schauspielkurses, Theaterpädagoge Roberto Barahone. Bisher ist nur eine Premiere im Haus der Jugend geplant. "Aber vielleicht gehen wir später sogar auf Tournee."

Betreut werden die jungen Gäste von Hans Floter als einzige Vollzeitkraft und dessen Kollegen Markus Kreil und Sigrid Beek. "Ein großer Teil der Aktivitäten funktioniert aber nur mit ehrenamtlicher Hilfe", sagt Floter. Trotz der Vielfalt sieht er noch eine Lücke im Angebot: Mit dem Umzug 2003 aus der Kurfürstenstraße 49 sei "eine ganze Musikszene verloren gegangen". Denn im neuen Haus gebe es keinen Platz für Proberäume. Für die Musiker wolle er deshalb nach Alternativen suchen.

Finanziell steht das Haus der Jugend laut Floter gut da. Der jährliche Zuschuss der Stadt Wittlich in Höhe von 154 000 Euro sei "vernünftig" - obwohl er trotz steigender Sach- und Personalkosten seit Jahren gleich bleibe (siehe Extra). "Mehr Akzeptanz" erhofft sich Floter von manchen Bürgern, die über ein falsches Bild von der Einrichtung verfügten. "Mit Ghettobildung oder so was hat unsere Arbeit nichts zu tun."

ExtraHaus der Jugend (HDJ): Träger des HDJ ist die Arbeiterwohlfahrt Rheinland mit Sitz in Koblenz. Zur Finanzierung trägt die Stadt maßgeblich bei. Dem Haushaltsplan für 2011 hat der Stadtrat am Donnerstag ohne Diskussion oder Nachfragen zugestimmt. Der Betriebskostenzuschuss aus Wittlich beträgt demnach 153 000 Euro, davon 32 000 Euro als Erstattung der Miet- und Nebenkosten. Im Betrag enthalten sind auch 3400 Euro für den Jugendraum in Dorf. Insgesamt wird von 209 000 Euro für den Betrieb der Einrichtung ausgegangen. Dabei sind die Personalkosten für insgesamt fünf Mitarbeiter mit 140 000 Euro der größte Posten. Die Differenz zum städtischen Zuschuss wird durch Einnahmen ausgeglichen. So gibt es 21 000 Euro Personalkostenzuschüsse: 21 000 Euro vom Kreis und 24 000 Euro vom Land. (sos)

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