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Zwischen Bischofsdhron und Wenigerath steht ein kleines Denkmal mit weitreichender Historie

Zwischen Bischofsdhron und Wenigerath steht ein kleines Denkmal mit weitreichender Historie

Die Kreisstraße 123 macht zwischen Bischofsdhron und Wenigerath eine enge Kehre. Dort steht ein altes Kreuz mit der Aufschrift INRI. Es wurde vermutlich vor fast 300 Jahren errichtet.

Wer auf der Kreisstraße 123 nach Bischofsdhron fährt, kommt in einer engen Kurve an einem eindrucksvollen Wegkreuz vorbei. Es ist das sogenannte "Peiwisch-Kreuz", wie der Morbacher Historiker Berthold Staudt verrät. Früher hat man oft an markanten Orten Wegkreuze aufgestellt. Sie sind Zeugnisse christlichen Glaubens, aber ihr Ursprung geht noch weiter zurück.
Schon in vorchristlicher Zeit


Denn schon in vorchristlicher Zeit haben die Menschen an Wegkreuzungen markante Steine angebracht, um zum Beispiel böse Geister abzuwenden. Später begannen die Christen dann, an solchen markanten Stellen solche Kreuze oder Bildstöcke zu errichten. Das taten sie aus unterschiedlichen Motiven. Manche Kreuze erinnerten an einen Unfall an diesem Ort, andere wurden zum Beispiel aus Dankbarkeit für die Erhörung eines Gebetes errichtet.

Manche Kreuze in und um Bischofsdhron erinnern aber auch an eine Zeit, in der die Kindersterblichkeit besonders hoch war.
Das "Peiwisch-Kreuz" oder auch "Kreuz auf der Kehr" genannt, trägt, im Gegensatz zu vielen anderen Kreuzen, keine Jahreszahl. Nur die Aufschrift INRI ist darauf zu sehen. Berthold Staudt verweist dabei auf die Wenigerather Ortschronik. Diese berichtet, dass das Kreuz wahrscheinlich schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Darauf verweise die Familie Martini, die auch "Peiwisch" genannt werde. Der Ursprung lag offenbar in allgemeiner Gottesverehrung, da das Kreuz als Prozessionskreuz genutzt wurde. Daher könne man ausschließen, dass es dort einen Unfall gegeben habe. Generationen lang habe die Famlie Peiwisch dort den Fronleichnamsaltar errichtet. In der religionsfeindlichen Zeit des Nationalsozialismus fand dieser Brauch allerdings ein jähes Ende.

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass das insgesamt 2,25 Meter hohe Kreuz, das aus einem Stück gemeißelt ist, wohl um 1750 errichtet wurde. Eine Theorie bringt die Geschichte der Wenigerather Jägerfamilie Pfeiffer ins Spiel. Diese könnte das Kreuz als fromme Stiftung errichtet haben, um an die Heirat des letzten Wenigerather Jägers Mathias Pfeiffer vor 1746 mit der Morbacher Lehrerstochter Anna Weiß zu erinnern. Ein weiteres Motiv für den Bau des Kreuzes könnte auch die Auswanderung der Pfeiffer-Tochter Anna Maria Lindt, die nach Morbach verheiratet war, sein. Sie ging 1771 nach Ungarn. Oder aber die Heirat der Tochter Anna Sophia mit dem Hermeskeiler Jäger Nikolaus Herlach im Jahre 1779.
Im Nebel der Zeit


Das wahre Alter - und auch der wahre Grund für die Errichtung des Kreuzes bleibt also weiterhin im Nebel der Geschichte.
Die Inschrift INRI allerdings ist leicht zu erklären: INRI sind die Initialen für den lateinischen Satz Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum der übersetzt "Jesus von Nazareth, König der Juden" lautet.
Dieser Satz stand, so die Bibel, auf einer Tafel, die der römische Statthalter Pontius Pilatus oberhalb des Kreuzes Christi anbringen ließ, um den Rechtsgrund für seine Kreuzigung anzugeben. Denn das Tragen eines Königstitels war im römischen Imperium verboten. hpl