Zwischen Wohlfühlstadt und Slum

Nachdenklichkeit ja, Resignation nein. Im Stadtteil Trarbach liegt vieles im Argen. Doch es gibt Leute, die sich dafür einsetzen wollen, dass sich wieder Lebensqualität breitmacht. Einfach wird das allerdings nicht.

Traben-Trarbach. Wohlfühlstadt an der Mosel 2025: lebenswert, vielfältig. So heißt es in dem vor einigen Jahren vorgestellten und 1,6 Millionen Euro teuren integrativen Stadtentwicklungskonzept für Traben-Trarbach. Um das zu erreichen, müssen sich die Akteure vor Ort sputen. Elf Jahre können sehr kurz sein. Besonders für den Stadtteil Trarbach erscheint das Ziel weit weg. "Leerstände, kaputte Straßen, Schwerlastverkehr, Schmutz an allen Ecken, Verödung, Verslumung." Peter Storck, Trarbacher aus Leidenschaft, hält bei der ersten Infoveranstaltung der Bürgerinitiative Leben in Trarbach nicht hinterm Berg. Anspruch und Wirklichkeit klaffen eklatant auseinander.
Es gibt einen Konsens: 1. Der Schwerlastverkehr, der über die L 190 aus Richtung Hunsrück kommt, soll möglichst ganz raus aus Trarbach. 2. Die Straßen im Zentrum müssen saniert und so hergerichtet werden, dass auch Fußgänger mit Kinderwagen oder Rollator gefahrlos unterwegs sein können. 3. Mehr Luft, mehr Sonne und mehr freie Plätze. Gebäude mit maroder Substanz, und von denen gibt es einige, sollen dafür weichen. Dadurch sollen andere Häuser aufgewertet und die Lebensqualität der Bürger erhöht werden. Einen Treffpunkt für die Menschen gibt es derzeit nicht.
Es gibt Bürger die Angst haben, dass das Parkplatzproblem noch größer wird. "Wo sollen wir parken", fragt Friedrich Metzger. Die Bürgerinitiative will aber erst einmal ohne Tabus diskutieren.
Wer erwartet hat, dass an diesem Abend in der Hauptsache gejammert wird, sieht sich angenehm überrascht. Es sind Leute im Publikum, die sich für den Standort starkmachen. Jörg Döhler aus Wasserliesch (Obermosel) baut in der Schottstraße ein Haus für eine Tante barrierefrei aus und will im Alter selbst einziehen. "Viele Menschen wollen zurück zu ihren Ursprüngen. Wenn jeder anpackt, passiert viel." Wenn er so viel Hilfe bekommt, wie Beifall, wird es ihm an nichts fehlen. "Viele Leute kaufen Häuser. Das macht uns mutig", sagt Peter Storck.
Gutes Beispiel aus Enkirch


Natürlich können die Bürger keine Straßen sanieren und keine Häuser abreißen. Doch mit Eigeninitiative ist manches erreichbar. Bernd Pfaul aus Enkirch berichtet, wie in seinem Heimatort durch den ehrenamtlichen Einsatz manches Haus ein neues Gesicht bekam und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wurde. "Wenn alle an einem Strang ziehen, wird das auch was", macht er den Trarbachern Mut.
Jürgen Kullmann, einer der Sprecher der Bürgerinitiative, greift das auf. "Der Weg nach Enkirch ist nicht weit. Und zum Abgucken werden wir ja nicht zu dumm sein", sagt er.
Vielen Bürgern brennt die Verkehrssituation auf den Nägeln. "Ich habe vor sieben Jahren ein Haus gekauft. Es hat mittlerweile Risse wegen des Verkehrs", sagt er. "Nachts ist es unerträglich", berichtet Andreas Schmitt, der in der Schottstraße wohnt.
Einen Laden für die Grundversorgung gibt es schon lange nicht mehr. "Kein Kaufmann würde in ein Geschäft investieren", sagt Heidi Ellrich-Caspari. Jonas Müller von der Initiative hat schon mal einen Bürgerladen ins Spiel gebracht, sei aber eher schief angeschaut worden.
Jürgen Kullmann hat eine Vision, wie sich die Situation in einigen Jahren darstellen könnte. Er berichtet von einem erfolgreichen Manager einer in Traben ansässigen Firma. Dessen schwangere Frau sagt zu ihm: "Trarbach ist so schön. Komm Schatz, lass uns dahin ziehen."Meinung

Viel zu viel Bürokratie
Der Anfang ist gemacht. Mehr noch nicht, aber auch nicht weniger. Was Mut macht: Es gibt offenbar Leute, die trotz aller Probleme Häuser kaufen, renovieren und einziehen. Also lohnt es sich, Engagement für den Stadtteil Trarbach an den Tag zu legen. Was ernüchternd wirkt. Es dauert unglaublich lange, bis marode Bausubstanz durch einen Abriss beseitigt werden kann. Der Denkmalschutz hat eine wichtige Bedeutung. Aber längst nicht jedes Denkmal verdient diesen Namen. Über einen Abriss des alten Polizeiamtes wird bereits seit 15 Jahren geredet. Erst jetzt wird ein Gutachten erstellt. Dass die maroden Häuser hinter dem Rathaus nur dann abgerissen werden dürfen, wenn neue Bauten entstehen, erschließt sich einem auch nicht. Trarbach braucht weniger Schwerlastverkehr, mehr Luft und mehr freien Raum, auf dem sich die Menschen begegnen können. Die Bürokratie erscheint im Moment das größte Hindernis zu sein. Hoffentlich lässt sich die Bürgerinitiative davon nicht abschrecken. c.beckmann@volksfreund.deExtra

Zehn bis 15 Personen haben sich Anfang Mai zur Bürgerinitiative Leben in Trarbach zusammengeschlossen. Sehr erfreulich: Es sind auch junge Leute dabei, wie Johannes Treiz und Jonas Müllen. Beide sitzen bei der Infoveranstaltung am Podium und haben auch ihre Schwerpunkte (Verkehr, Infrastruktur). Weitere Initiatoren sind Peter Storck, Gerhard Lettll, Jürgen Kullmann und Frank Assion. Auch sie berichten an diesem Abend über die Ziele und Möglichkeiten diese zu erreichen, zum Beispiel im Zusammenspiel mit dem Denkmalschutz. Moderator des Abends ist der Landtagsabgeordnete Andreas Hartenfels, von Hause aus Stadt- und Landschaftsplaner. Er weist besonders daraufhin, dass hier wie anderswo die Zahl der alten Menschen wächst und die der jungen Leute sinkt - bei insgesamt zurückgehenden Bevölkerungszahlen. Sein Wunsch für die Diskussion in Traben-Trarbach: "Man soll darüber reden, wie etwas gehen kann und nicht, wie etwas nicht gehen kann." Die Initiative Leben in Trarbach wendet sich in einer Unterschriftenaktion gegen den Schwerlastverkehr in Trarbach. Mehr als 420 Bürger haben bereits unterschrieben. "Wir wollen die Stimme der Bevölkerung sein", sagt Peter Storck. cb