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Zwischenbilanz zum zweiten Lockdown im Landkreis Bernkastel-Wittlich

Corona : Zwischenbilanz im Kreis Bernkastel-Kues: „Die zweite Welle ist noch nicht gebrochen“

Zwischenbilanz zum zweiten Lockdown im Landkreis Bernkastel-Wittlich: Infektionsgeschehen leicht rückläufig.

(cmo) Obwohl ein zweiter Stillstand im Land eigentlich verhindert werden sollte, befindet sich Deutschland seit dem 2. November in einem zweiten Lockdown. Im Herbst schoss die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuen Coronavirus in die Höhe. Aus Angst vor einem Kontrollverlust beschlossen Bund, Länder und die Landkreise neue Maßnahmen, um die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern.

Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich hatte eine neue Allgemeinverfügung zur Bekämpfung der Pandemie verabschiedet, in der weitere Einschränkungen verankert sind. Freizeiteinrichtungen und Restaurants sind derzeit geschlossen, Hotels dürfen keine Touristen beherbergen. Weite Teile des öffentlichen Lebens sind geschlossen und die Verordnung betrifft viele Bereiche. Aber zeigen diese Maßnahmen auch die beabsichtigte Wirkung? Wurde die Dynamik der Neuinfektionen gebremst? Der TV hat die Kreisverwaltung um Auskunft gebeten. „Von einem Brechen der zweiten Welle kann aktuell noch nicht gesprochen werden“, erklärt Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Wenn auch die Dynamik des Infektionsgeschehens im Vergleich zu den Vorwochen etwas nachgelassen habe, sei festzustellen, dass die 7-Tages-Inzidenz seit mehr als 30 Tagen über einem Wert von 100 Fällen je 100 000 Einwohner liege. Für die Region sind das relativ hohe Zahlen. Zum Vergleich: In der Stadt Trier gab es bezogen auf 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen nur 69 Neuinfektionen.

Eine leichte Wirkung der einschränkenden Maßnahmen gerade im Freizeitbereich sei dennoch zu verzeichnen, sagt Follmann, da das Infektionsgeschehen in diesem Bereich aus Sicht des Gesundheitsamtes etwas nachgelassen habe. Mit 327 Fällen erreichte die Zahl der akut Infizierten am 7. November ihren Höchststand. Mittlerweile sind die Zahlen leicht rückläufig: Aktuell sind dem Gesundheitsamt im Kreis noch 246 Menschen, die akut mit Covid-19 infiziert sind, gemeldet. 728 Kreisbewohner, die ehmals infiziert waren, gelten als „genesen“. 14 Kreisbewohner verstarben mit Covid-19-Infektion. Wieso eigentlich ist die zweite Welle stärker ausgefallen als die erste Welle im Frühjahr? Der Höchststand im Frühjahr vom 2. April lag mit 49 aktiven Coronafällen deutlich unter den Spitzenwerten des Novembers. Follmann: „Eine abschließende Analyse auf Kreisebene fällt schwer.“ Deshalb biete es sich an, auf entsprechende Einschätzungen des Robert-Koch-Institus zurückzugreifen. Demnach sei erkennbar, dass sich das Infektionsgeschehen zuletzt immer weiter in Richtung Privat- und Freizeitbereich verschoben habe und auch das Alter der positiv auf Covid-19 getesteten Personen unter dem Schnitt der „ersten Welle“ gelegen habe. Wie kommt das Gesundheitsamt bei 249 aktiven Fällen und meist immer noch mehr als 20 Neuinfektionen am Tag derzeit bei der Kontaktnachverfolgung hinterher? Follmann: „Verschiedene Maßnahmen haben dazu beigetragen, das Gesundheitsamt in die Lage zu versetzen, auch derart hohe Fallzahlen in der Kontaktnachverfolgung zu bewältigen. Hierzu zählt die personelle Aufstockung des Personalkörpers durch Neueinstellungen, die verwaltungsinterne Unterstützung durch andere Fachbereiche sowie der Einsatz von Bundeswehrsoldaten.“

Daneben hätten die Mitarbeiter in den letzten Monaten der Pandemie Erfahrungen gesammelt und Routinen entwickelt, „die ein risikoorientierteres, fokussierteres und damit effektiveres Vorgehen“ in der Kontaktnachverfolgung ermöglichten. Dies solle allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, so Follmann, dass die Kontaktnachverfolgung trotz der erfahrenen Unterstützung nach wie vor eine erhebliche Belastung für die Mitarbeiter des Gesundheitsamts darstelle, die sich seit nunmehr über acht Monaten dauernd im Einsatz befänden.

Auf welches Maß müsste das Infektionsgeschehen schrumpfen, damit die zweite Welle als gebrochen bezeichnet werden darf? Welche Zahl letztlich eine Entspannung der Lage für das Gesundheitsamt bedeuten würde, könne pauschal gar nicht beantwortet werden, sagt Follmann. „Auch ist die Zahl der Neuinfektionen nicht zwingend ein Indikator für den Aufwand, der im Rahmen der Kontaktnachverfolgung anfällt. „Bund und Länder gehen davon aus, dass eine Inzidenz von 50 Fällen je 100 000 Einwohnern erreicht werden muss, um den Gesundheitsdienst bei der Kontaktnachverfolgung nicht zu überfordern. Diese Auffassung kann grundsätzlich geteilt werden, wenn man beachtet, dass man sich dann nach wie vor im Krisenmodus befindet und die Kontaktnachverfolgung nicht die einzige (pandemiebedingte) Aufgabe des Gesundheitsamtes ist.