Zwölf Punkte für den Virtuosen

Der Auftritt von Ingo Insterburg war als die "Kultnacht des Jahres" angekündigt. Der Berliner rechtfertigte diese Aussage in jeder Minute seines Auftritts in der Mosellandhalle In Bernkastel-Kues.

Bernkastel-Kues. (cb) "Ich liebte ein Mädchen in Lichterfelde, die lebte zu lange von meinem Gelde. Ich liebte ein Mädchen in der Sowjetunion, die sagte immer: Njet mein Sohn. Ich liebte ein Mädchen auf dem Mars, ja das war's". Bei den Älteren dürfte es schon bei den ersten Worten klingeln: Insterburg & Co. Die Gruppe mit Namensgeber Ingo Insterburg, Karl Dall, Peter Ehlebracht und Jürgen Barz bestand von 1967 bis 1979 und kultivierte die "Kunst des höheren Blödsinns". Karl Dall startete Ende der 70er Jahre eine Solokarriere. In Ingo Insterburg reifte 1994 die Erkenntnis, "endlich alt genug zu sein, um alleine weiterzumachen". Da war der Mann gerade 60 Jahre alt geworden.Am 6. April wird Ingo Insterburg 74 Jahre alt, und er ist immer noch aktiv. Und wie! Er nennt sich selbst "Ein Virtuose mit Zukunft". Vor 33 Jahren verpflichtete Hermann Lewen als Kulturverantwortlicher der Stadt Wittlich Insterburg & Co. Lewen heute: "Mehr als 1000 Leute waren damals da." Beim Soloauftritt In sterburgs in Bernkastel-Kues sind es etwa 200. "Intellektuelles Klientel, hohe akademische Grade und einige Alt-68er", stellt Lewen beim Blick in die Runde fest.Ingo Insterburg, Vegetarier, Nichtraucher, Nichtalkoholiker und glücklich unverheiratet, steht fast drei Stunden auf der Bühne und signiert in der Pause noch viele Bücher. Ein Marathonmann: gestählt durch 21 Marathonläufe. Insterburg hat eine Unmenge von Instrumenten dabei: herkömmliche und aberwitzige, weil selbst gebaut: zum Beispiel ein Waschmaschinenabfluss-Tenorsaxofon, eine Brillenharfe und eine Kokosnuss-Geige. Bei jedem Auftritt gibt's eine kleine Weihnachtsfeier

Weil er sich seinem Publikum so verbunden fühlt, organisiert er bei jedem Auftritt eine kleine Weihnachtsfeier. Höhepunkt, weil es das sonst nirgends gibt, ist das Lied "Oh Tannebaum", das Insterburg auf einer Tannenbaum-Geige spielt. Das Mulitalent, das teilweise drei Instrumente gleichzeitig spielt, singt und Gedichte aufsagt, muss berühmt sein. Schließlich bringt er immer wieder "Kollegen" ins Spiel: Mozart, Goethe, Shake speare und andere mehr. Und immer wieder lernt er Mädchen kennen. Wie sonst sollte es zu den vielen Versen bei "Ich liebte ein Mädchen" gekommen sein. Zur Melodie dieses Liedes hat er auch ein Lied über die Torqualitäten der deutschen Fußballspieler und -spielerinnen geschrieben. Die begeisterten Besucher hören auch das Lied, mit dem der Virtuose gerne beim Grand Prix mitgemacht hätte. "Ich heirate die fröhliche Marie." Da das Deutsche keine Chance hat, singt er es in Englisch: "I will marry the merry Mary". Viele Instrumente kommen dabei zum Einsatz. Und zum Schluss ist die Erkenntnis da: "Ich bin ein Genie. Ich bin ein paar Nummern zu groß für den Grand Prix." Da ist was dran! Ingo Insterburg: zwölf Punkte

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