Zwölf Uhr Mittags in Wittlich

Pünktlich zum zwölften Glockenschlag auf dem Marktplatz. Die Aprilsonne scheint mit allem, was sie zu bieten hat, auf das Wittlicher Kopfsteinpflaster.

Der Lärm der Baustelle verstummt, die Touristen lassen sich zur Siesta im naheliegenden Café nieder. Mittagszeit in Wittlich. Im wilden Westen wäre es High Noon. Neben den entspannten Touristen genießen auch zwei Einheimische die Ruhe der Mittagszeit. Zuviel Ruhe, wie sie finden. Einst war hier reges Leben, mit vielen kleinen Geschäften. Die Neustraße kennt der gebürtige Wittlicher Jörn Bromfort noch als beliebteste Straße in Wittlich. Zehn Jahre war er in Spanien, 2011 kam er zurück in die Heimat: "Ich war erschrocken, was alles nicht mehr da ist." Auch die 50-jährige Vera Gorges kennt Wittlich noch anders, besonders den Einzelhandel, in dem sie lange tätig war. Fachgeschäfte fehlen, mal eben schnell etwas einkaufen können - selbst für Zigaretten müsse man an die Tankstelle fahren. Was sie sich wünschen für Wittlich, kommt zum High Noon wie aus der Pistole geschossen: mehr Leben in der Stadt, dass es wieder so wird wie vor 20 Jahren. Als die Innenstadt noch voller Besucher war und die Läden in der Neustraße mit Waren gefüllt. Warum leben sie trotzdem gerne hier? "Es ist einfach meine Heimatstadt", sagt Vera Gorges und zuckt selbstverständlich mit den Schultern. Und Jörn Bromfort kann sie nur bestätigen: "Spanien war schon schön, aber es ist eben nicht dasselbe." Die Zeiger stehen auf halb eins. Die Touristen brechen wieder auf. Die Siesta ist vorbei. Die beiden Wittlicher bleiben im Café mit ihren Sonnenbrillen, dem Kaffee und der prallen Sonne. sbra In dieser neuen Rubrik wird zukünftig einmal in der Woche die Stimmung der Stadt eingefangen. Wir stehen um zwölf Uhr an einem belebten Platz, beobachten und fragen nach, was Wittlicher sich für ihre Stadt wünschen.