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1000 Buddhas in Kaysers Kellerei

Die ehemalige Weinkellerei Julius Kayser, erbaut 1906 bis 1907 vom Jugendstil-Architekten Bruno Möhring, wird derzeit zu einem „Buddha-Haus“ umgebaut. Im Vordergrund die große Halle mit der gläsernen Front.TV-Foto: Winfried Simon
Die ehemalige Weinkellerei Julius Kayser, erbaut 1906 bis 1907 vom Jugendstil-Architekten Bruno Möhring, wird derzeit zu einem „Buddha-Haus“ umgebaut. Im Vordergrund die große Halle mit der gläsernen Front.TV-Foto: Winfried Simon
Der Traben-Trarbacher Unternehmer Wolfgang Preuß investiert viele Millionen Euro in den Umbau der ehemaligen Weinkellerei Julius Kayser in ein "Buddha-Haus". Die Arbeiten sind in vollem Gange, das Haus soll Mitte bis Ende November eröffnet werden. Von unserem Redakteur Winfried Simon

Traben-Trarbach. Es ist bundesweit ein einzigartiges Projekt: Am Trarbacher Moselufer entsteht in der ehemaligen Weinkellerei Julius Kayser ein Buddha-Haus, in dem über 1000 Buddha-Figuren ausgestellt werden und in dem mittels modernster Technik die buddhistische Kunst und Philosophie dargestellt und erläutert wird. Wie viele Millionen Euro das Projekt kostet, will der Traben-Trarbacher Geschäftsmann Wolfgang Preuß, der das marode Gebäude im Jahr 2000 kaufte, nicht sagen. Preuß: "Das schürt nur Neid."

Für den Bau des Buddha-Hauses ist dem Investor Preuß das Beste gerade gut genug. Preuß will das riesige Gebäude weitestgehend wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Ausschließlich Natursteine werden verwendet, Restauratoren haben Farbanalysen erstellt, um den richtigen Verputz auszuwählen, und eine hochmoderne Heizungs- und Lüftungsanlage wird dafür sorgen, dass in den großen Ausstellungsräumen, in denen einst viele Millionen Liter Wein gelagert wurden, ein ideales Klima herrscht.

Gebäude wird komplett entkernt und umgebaut



Besonders auffällig ist ein 225 Quadratmeter großer Anbau mit einer knapp zehn Meter hohen und 17 Meter breiten verglasten Front. Dort befand sich ein 1976 erbauter, wenig ansehnlicher Gärkeller, den Preuß abreißen ließ. Zahlreiche Fachfirmen sind seit November vergangenen Jahres damit beschäftigt, das Gebäude komplett zu entkernen und umzubauen. Wände und Decken wurden herausgerissen, Fußböden erneuert, überall neuer Estrich eingebaut und eine komplett neue Elektro- und Heizungstechnik installiert. Um die Wände von Schimmel zu befreien, wurden allein 25 Tonnen Sand verblasen. Aus über 20 Räumen sind sechs geworden. Die gesamte Ausstellungsfläche beträgt rund 4000 Quadratmeter, davon 1000 Quadratmeter im Frei- und Innenhof.

Bislang befindet sich die Buddha-Figuren-Sammlung in einer von Preuß vorbildlich sanierten Villa im Bernkasteler Weg in Trarbach. 750 Skulpturen, die Preuß in den vergangenen 20 Jahren gesammelt hat, füllen sämtliche Räume - vom Keller bis zum Dachgeschoss. Kleine und große Figuren - die größte misst 2,40 Meter in der Höhe und wiegt eine halbe Tonne - hat Preuß aus Burma, China, Indien, Kambodscha, Laos und Thailand importiert. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Zeitepochen und sind aus den verschiedensten Materialien gefertigt.

Im neuen Buddha-Haus werden rund 700 große Figuren und eine Sammlung mit 600 Miniatur-Buddhas ausgestellt. Eine kleine Cafeteria ist vorgesehen, ferner ein Shop, wo man kleine Buddha-Figuren und Literatur über den Buddhismus und dessen Kultur erwerben kann.

Mit Hilfe aufwendiger Multimedia-Technik und einer umfassenden Datenbank können sich in dem Haus die Besucher auch über die verschiedenen philosophischen Ausrichtungen des Buddhismus informieren. Ferner will Preuß regelmäßig Experten einladen, die Vorträge über die fernöstliche und westliche Mystik halten. Der Buddhist Preuß bekennt: "Ich habe eine große Affinität zu spirituellen Dingen." Anfang der 90er Jahre hat Preuß das ehemalige und marode Mannesmann-Erholungsheim in der Trarbacher Wildbadstraße zu einem Fünf-Sterne-Ayurveda-Hotel umgebaut. In den ersten Jahren wurde im Parkschlösschen Maharishi-Ayurveda praktiziert. Diese Form von Ayurveda wurde von Maharishi-Mahesh-Yogi in den 60er Jahren nach Europa importiert. Dr. Ulrich Bauhofer, ehemals Assistent des inzwischen verstorbenen Yogi, hatte im Parkschlösschen ein Maharishi-Ayurveda-Zentrum aufgebaut. Vor sechs Jahren verließ Bauhofer das Parkschlösschen, seitdem spielt der Maharishi-Kult dort keine Rolle mehr.

Preuß gehört heute die Firma BFE Studio und Medien System GmbH. Das Unternehmen plant und realisiert schlüsselfertige Studioeinrichtungen für Fernsehanstalten.

Meinung

Die Stadt profitiert

Ein Buddha-Haus ist nicht unbedingt das, was man an der weinromantischen Mosel erwartet. Zumal nicht in dieser Dimension und nicht in einer historischen Jugendstil-Kellerei. Doch das Buddha-Haus ist einzigartig. Es wird der Stadt Traben-Trarbach zu noch mehr Bekanntheit verhelfen - ebenso wie das Fünf-Sterne-Ayurveda-Hotel Parkschlösschen, das europaweit einen erstrangigen Ruf genießt. Beides hat der Traben-Trarbacher Geschäftsmann Wolfgang Preuß mit vielen Millionen Euros geschaffen. Der reiche Unternehmer hat ein Faible für alte, historische Gebäude, die er saniert und daraus etwas ganz Besonderes macht. Ein Glücksfall für die Stadt Traben-Trarbach, die noch über eine ganze Reihe weiterer leerstehender und vom Verfall bedrohter imposanter Gebäude verfügt. Aber all' diese Objekte kann auch ein Wolfgang Preuß nicht retten. w.simon@volksfreund.deExtra Wolfgang Preuß Der gebürtige Mainzer Wolfgang Preuß (62) ging als junger Mann zunächst als Beamter zur Deutschen Bundespost. Nebenbei studierte er Nachrichtentechnik. Später machte er sich selbstständig und gründete mehrere Firmen in den Bereichen Nachrichten-, Studio- und Medientechnik, unter anderem die Unternehmen Süweda und die PrimaCom AG, Mainz. Bei PrimCom, eine Firma, die seit 1998 als Kabelnetzbetreiber im Multimedia- und Telekommunikationsmarkt aktiv ist, ist Preuß inzwischen als Hauptaktionär ausgestiegen. Heute gehört ihm die Firma BFE Studio und Medien System GmbH in Mainz. Das Unternehmen plant und realisiert schlüsselfertige Studioeinrichtungen für Fernsehanstalten. Preuß kam Ende der 80er Jahre nach Traben-Trarbach. Er ist Eigentümer des Hotels Parkschlösschen, der Wildbad Wein GmbH, die sich in der ehemaligen Kellerei Vollmar befindet und der ehemaligen Kellerei Julius Kayser. (sim)Extra 1:

Diese Zeichnung aus dem Jahr 1911 zeigt die Kellerei Julius Kayser. Gut ist der einzigartige Dachgarten zu erkennen. Investor Wolfgang Preuß will das Gebäude weitgehend wieder in diesen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Foto: privat
Diese Zeichnung aus dem Jahr 1911 zeigt die Kellerei Julius Kayser. Gut ist der einzigartige Dachgarten zu erkennen. Investor Wolfgang Preuß will das Gebäude weitgehend wieder in diesen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Foto: privat