| 12:02 Uhr

150 Jahre Gold in Flaschen aus Piesport

Piesporter Goldtröpfchen.
Piesporter Goldtröpfchen. FOTO: Klaus Kimmling
Piesport. Das Piesporter Goldtröpfchen feiert 2018 Geburtstag. Die Bühne steht, wo die Trauben wachsen. 150 Weine aus der Lage locken. Clemens Beckmann

"Wir sind Piesport, wir sind Moselaner. Wir haben eine einmalige Chance." Winzer Mario Schwang sagt das voller Überzeugung. Es ist die Chance das erste Fest in der Region zu feiern, das sich um eine Weinlage dreht. Nicht um irgendeine. Das Piesporter Goldtröpfchen gehört zweifellos weltweit zu den Spitzenlagen. Wie lange es die Bezeichnung gibt, ist nicht klar. Klar ist, dass im Jahr 1868 die erste offizielle Erwähnung erfolgte. In einem noch existierenden Kellerbuch ist verzeichnet, dass 1868 13 Flaschen Goldtröpfchen zum Preis von je sechs Mark nach Berlin geliefert wurden. Im kommenden Jahr jährt sich dieser Eintrag somit zum 150. Mal.

Deshalb soll 2018 für den Ort ein besonderes Datum werden: 150 Jahre Gold in Flaschen - Piesport feiert sich selbst und die Mosel. So lautet das Motto. Die Planungen stehen noch relativ weit am Anfang. Schließlich haben die Winzer auch noch etwas anderes zu tun. Fest steht. Die Hauptveranstaltung wird vom 27. bis 29. Juli über die Bühne gehen.

Als Höhepunkte sind zwei Weinproben in der Weinlage geplant. 150 Goldtröpfchen verschiedener Winzer und Jahrgänge werden dort auf die Besucher warten.

Das weitere Geschehen wird sich rund um die römische Weinkelter abspielen. Sie steht am unter Ende der Weinlage und soll, so Schwang, als Bühne für Bands dienen. "Sie wird zu wenig genutzt. Dabei ist die älteste Bühne an der Mosel", sagt der Winzer. Auch eine Illuminierung, zum Beispiel eine Lasershow, des 66 Hektar großen Goldtröpfchens ist geplant.

Was schon läuft, ist ein Designwettbewerb. Studenten der Trierer Universität entwerfen ein Logo, das nicht nur für das Fest und von Winzern verwendet werden, soll sondern auch in Zukunft. "Und auch vom Bäcker, Metzger, Hotelier", hebt Schwan hervor.

Damit wird klar. Dieses Fest kann nicht von den Winzern alleine ge-stemmt werden. Jeder Bürger ist aufgerufen, sein Scherflein beizutragen. Besonders gefragt ist das Engagement der örtlichen Vereine. "Ohne den Wein gebe es keinen Tourismus. Er ist ist wichtig für Hotels, Pensionen, Gastronomie und Handel", stellt Ortsbürgermeister Stefan Schmitt die Bedeutung des Rebensaftes heraus. Ursprünglich war geplant, mit einer offiziellen Briefmarke auf das Jubiläum hinzuweisen. Eine Anfrage beim zuständigen Bundesfinanzministerium wurde aber abgelehnt (der TV berichtete).

Was eventuell möglich ist: Bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung existiert ein Fördertopf, aus dem Projekte im ländlichen Raum gefördert werden können. Ob er angezapft werden kann, ist aber noch offen. "Wir planen erst einmal ohne ihn, denn wir wollen uns nicht von einer Förderung abhängig machen", sagt Dieter Hoffmann, der Vorsitzende des örtlichen Bauern- und Winzerverbandes.

Das Feste lebe vor allem von den Leuten, die mitmachen. "Nutznießer sind wir alle", hebt er hervor.
Andere Orte hätten offenbar die Chance noch nicht erkannt, ihre bekannteste Weinlage herauszuheben, sagt Mario Schwang. Piesport habe die Chance, viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Einmalig soll das Fest nicht bleiben. Geht das Konzept auf, soll es zu einer festen Einrichtung werden.
Kommentar

Der ganze Ort kann profitieren

Die Zahl der großen Weinfeste hat im Lauf der Jahre stark abgenommen. Umso schöner ist es, dass in Piesport nun wieder ein solches installiert werden soll. Ohne das anstehende Jubiläum, 150 Jahre Goldtröpfchen, hätte es diese Initiative wahrscheinlich nicht gegeben. Aber es ist gut, dass Leute es als Anlass nehmen. Erfreulich ist auch, dass die erste Informationsveranstaltung auf große Resonanz stieß. Denn klar ist: Die Winzer können diese Veranstaltung nicht alleine stemmen. Sie brauchen Unterstützung. Und für die Bürger sollte gelten: Nicht nur die Winzer können profitieren, sondern der ganz Ort.

<strong>c.beckmann@volksfreund.de