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Älterwerden mit Augenzwinkern - Bill Mockridge in Bernkastel-Kues

Er hat Rezepte fürs Älterwerden: der Kabarettist Bill Mockridge. TV-Foto: Christoph Strouvelle
Er hat Rezepte fürs Älterwerden: der Kabarettist Bill Mockridge. TV-Foto: Christoph Strouvelle FOTO: Christoph Strouvelle (cst) ("TV-Upload Strouvelle"
Bernkastel-Kues. Einen wahrlich frischen Bill Mockridge haben 150 Besucher in der Bernkasteler Mosellandhalle erlebt. Christoph Strouvelle

Bernkastel-Kues Ist es ein Problem, älter zu werden? Nicht, wenn man so drauf ist wie Bill Mockridge. Dem Kabarettisten, Schauspieler und Gründer des Bonner Springmaus-Theaters ist bei seinem Auftritt in der Mosellandhalle in Bernkastel-Kues trotz oder vielleicht auch wegen seiner 69 Jahre die pure Lebensfreude anzumerken.

"Alles frisch?!" heißt sein Programm, das er an diesem Abend perfekt verkörpert. Auch wenn Mockridge über das Älterwerden spricht, das er mit 50 erstmals bei sich festgestellt hat, als er zum ersten Mal nach seinem 18. Lebensjahr wieder intensiv in den Spiegel schaut und merkt, dass er langsam tatsächlich aussieht wie der inzwischen "alte Mann" Sean Connery. Doch gibt es weitere Signale für das fortgeschrittene Alter. Da greift er zur Fernbedienung, um mit seiner Frau zu telefonieren ("Sieht ja irgendwie alles gleich aus"), merkt auf einmal, dass er Geräusche macht, beim Hinsetzen stöhnt und stets vor sich her brabbelt. "Da bist Du allein zu Hause und denkst, wer redet da die ganze Zeit." Auch seine Frau behandelt ihn dramatischer, seit er in Rente ist, beispielsweise vor dem Spaziergang: "Nimm dein Handy mit und stürz' heute mal nicht." Doch Mockridge unternimmt einiges, um jung zu bleiben. Er kleidet sich cool ein, ohne dabei die Jugend imitieren zu wollen oder sich gar wie diese zu piercen ("Wie sieht das aus, Ohrring neben dem Hörgerät?").

Zudem rät der ehemalige Schauspieler aus der Lindenstraße vom Fitness-Center ab, in dem er zum Smoothie statt zum Muskelprotz mutiert. Da scheint ihm Nacktyoga geeigneter, wozu er durch das Bild einer 28-jährigen Lehrerin animiert wird und von dem er seiner Frau nichts erzählt ("Die hat nicht so viel an Yoga"). Doch auch daran vergeht ihm schnell der Spaß, angesichts 13 männlicher Teilnehmer beim gemeinschaftlichen Kopfstand. Mockridge gibt den 150 Zuschauern auch mit dem "Programm der fünf Ls" etwas mit nach Hause zum Glücklichwerden. Dahinter verbergen sich Laufen ("Durch Bewegung auch im Alter ins Schwitzen kommen"), Laben ("Im Alter wird essen wichtiger als Sex"), Lernen ("Ältere Menschen haben mehr Zeit und kommen so oft auf verblüffende Lösungen"), Lieben ("Sex mit 18 ist Stress, mit 70 weißt du, wo alles ist") und Lachen ("Tut gut"). Und über allem steht das L für Leben. Bei allem sei wichtig, dass man sein Alter annehme. Mockridge: "Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, es kommt darauf an, wie man alt wird." Der Kabarettist hat an diesem Abend ein gutes Beispiel gegeben.