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Kulturgeschichte
Alte Disco in Osann-Monzel wiederentdeckt

FOTO: Hans-Peter Linz / TV
Osann-Monzel. Bernkastel-Kueser Fotograf kauft ehemalige Disko in Osann-Monzel, um ein Fotostudio einzurichten. Die Überraschung: Der Tanzkeller ist noch im Originalzustand erhalten. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Eigentlich hat Fotograf Andreas Scholer aus Bernkastel-Kues nur eine Immobilie mit ausreichend Raum für ein Fotostudio gesucht. Was er letztlich fand, war ein Gebäude mit einer komplett eingerichteten Diskothek im Kellerbereich. Es ist die Disko Tiffany in Osann-Monzel, die in den 1980er und 1990er Jahren d i e Kultdisco im Moselraum schlechthin war. Die Leuchtreklame am Gebäude funktioniert noch. Andreas Scholer öffnet die Tür, hinter der ein kleiner Tresen steht. Hier standen die Leute früher Schlange, um Eintritt zu zahlen. Wir gehen durch einen abgedunkelten Gang in die Räume der Diskothek, die nun wie ein Museum wirkt. Scholer findet den Hauptsicherungskasten und schaltet eine Sicherung nach der anderen an. Die Disko erwacht noch einmal zum Leben - ein leichtes Brummen verrät, dass Netzteile, Verstärker, Lichtanlagen und Aggregate wieder hochfahren. Alles ist noch am Platz.

Die Biergläser stehen gespült im Regal, die Zapfhähne sind hochgeschraubt, der Tresen blitzt noch, die Diskokugel dreht sich wieder. An manchen Wänden sind Spiegel angebracht, an anderen klebt dichter Teppichboden. Kristallaschenbecher stehen auf den Tischen, denn damals durfte noch in Gaststätten geraucht werden. Heute kaum mehr vorstellbar, wie damals die Lichtorgel bunte Lichter durch Nikotinqualm und Trockeneiswolken warf. Wir gehen weiter zur Tanzfläche, dem Herz der Disko.

Ob die Anlage noch funktioniert? Ein paar Schalter gedrückt, und schon leuchten die Kontrolllämpchen am Verstärker  wieder auf. In einem Regal findet sich sogar noch eine Kiste mit CDs: „Bravo Hits 1993“.  Beim Testlauf zeigt sich: Die        
         Anlage knarzt zwar etwas, aber die Bässe wummern noch immer.

Die Zeit der Diskos ging in den 2000er Jahren zu Ende. Nicht nur das Tiffany musste schließen, auch auch andere Tanttempel wie  das Riverside in Trier oder das Kolloseum in Wittlich hatten nicht mehr genug Zulauf. Es gibt verschiedene  Erklärungsversuche für das Sterben der Großraumdiskos. Der Musikgeschmack wurde immer unterschiedlicher, so dass sich nur noch kleinere Clubs halten konnten.  Dates werden zunehmend über das Internet ausgehandelt, man muss eben nicht mehr in die Disko gehen, um jemanden zu treffen, heißt es.

Und so bleibt der Blick ins Tiffany vorerst eine einmalige Begegnung mit der Geschichte. Die Idee, die Disco möglicherweise für Revival-Partys wieder zu nutzen, musste Scholer vorerst verwerfen, denn hinter der heilen Fassade der Holzabdeckungen und Teppichböden fand er Feuchtigkeitsschäden an den Wänden. „Der Traum einer eigenen Disko ist vorerst geplatzt. Eine Wiedereröffnung für private Feiern ist in weite Ferne gerückt. Aber letzten Endes habe ich das Haus ja auch für mein Fotostudio gekauft“, sagt Scholer.

Die wilden 80er: Vom Heiligen Abend in den Morgen tanzen

(hpl) Nach einem Online-Aufruf des Trierischen Volksfreunds haben sich ehemalige Besucher gemeldet und berichten von ihren Erinnerungen:

Petra Paulus aus Breit erlebte dort einen besonderen Abend, als sie mit zwei Freundinnen unterwegs war. Eine von ihnen hatte gerade einen schweren Trauerfall in der Familie und haderte, mitzugehen. Schließlich habe sie sich doch mit den Worten „Heute lerne ich den Mann meine Lebens kennen, ich hab’s im Gefühl“ für den Besuch der Disko entschieden. So war es dann wohl auch, erzählt Petra Paulus. Das Paar sei immer noch glücklich verheiratet.

Elmar Georg Konrath aus Trier berichtet davon, dass 1983 sein Lieblingssong von der Band Supertramp war: „My kind of Lady“. Konrath erzählt mit einem Augenzwinkern: „Ich bin dem DJ immer so lange auf die Nerven gegangen, bis er das Lied gespielt hat. Ich hoffe, er hat mir das mittlerweile verziehen.“

Birgit Wagner-Haier vom gleichnamigen Friseursalon in Rivenich sagt: „Die wilden 80er Jahre und das Tiffany! Ich habe dort tolle Stunden erlebt, viele nette Menschen getroffen und meinen Mann dort kennengelernt. Ich habe dort auch eine sehr erfolgreiche Modenschau ausrichten dürfen. Ich erinnere mich gerne zurück.“

Oliver Kirsch erzählt: „Wir waren damals eine recht große Clique und waren so zwischen 1986 und Mitte der 1990er Jahre dort. Donnerstags war immer der stärkste Tag. Da war das „Tiff“ Pflicht.“ Die Leute seien aus der weiteren Umgebung, sogar von Trier aus regelmäßig ins „Tiff“ gekommen. Die Musik sei eine Mischung aus Rock und Pop gewesen. Kirsch: „Das Schöne war, dass der Laden auch an Heiligabend immer auf hatte. Das hieß für uns, dass wir nachts gegen MItternacht alle daheim weg sind und bis morgens im Tiff gefeiert haben.“ Ab und an habe es auch mal eine kleinere Schlägerei gegeben: „Aber damals gab es nur Mann gegen Mann und danach war alles wieder gut.“


Wer noch Fotos vom Tiffany hat, kann sie an mosel@volksfreund.de mailen. Wir veröffentlichen sie in einer Online-Galerie.

FOTO: Hans-Peter Linz / TV
Andreas Scholer findet Wertmarken der Disco Tiffany (oben). Am DJ-Pult liegen noch alte CDs und Audio-Kassetten (rechts). Auf der Tanzfläche könnte man gleich wieder loslegen, denn die Musikanlage funktioniert noch (links).
Andreas Scholer findet Wertmarken der Disco Tiffany (oben). Am DJ-Pult liegen noch alte CDs und Audio-Kassetten (rechts). Auf der Tanzfläche könnte man gleich wieder loslegen, denn die Musikanlage funktioniert noch (links). FOTO: Hans-Peter Linz / TV
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Die Schallplattenteller drehen sich noch.
Die Schallplattenteller drehen sich noch. FOTO: Hans-Peter Linz / TV
FOTO: Hans-Peter Linz / TV
FOTO: Hans-Peter Linz / TV