| 15:07 Uhr

"Alte Heuler" in der Nacht

Offene Ohren: Die Ansprechpartner der noch jungen Arbeitsgruppe Mosel der Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn: Jörg Assmann, Andel, Christiane Schenk, Wehlen, Edith von Tayn-Becker, Maring-Noviand, Hans-Werner Jung, Lieser, und Joachim Lorenz, Andel (von links).Foto: Ursula Schmieder
Offene Ohren: Die Ansprechpartner der noch jungen Arbeitsgruppe Mosel der Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn: Jörg Assmann, Andel, Christiane Schenk, Wehlen, Edith von Tayn-Becker, Maring-Noviand, Hans-Werner Jung, Lieser, und Joachim Lorenz, Andel (von links).Foto: Ursula Schmieder
BERNKASTEL-KUES. Die noch junge Arbeitsgruppe Mosel der Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn informierte - dem Vorbild der Morbacher folgend - über die für das Moseltal zu erwartenden Auswirkungen. ARRAY(0xcee717d8)

Mehr Flüge, mehr Fracht, mehr geringere Steigleistung - Faktoren, die nach Ansicht von Olaf Simon auch mehr Lärmschutz nach sich ziehen müssten. Aber dem wäre eben nicht so, wie der Referent der Bürgerinitiative (BI) gegen den Nachtflughafen Hahn den rund 70 Anwesenden von Mosel und Hunsrück vor Augen führte. Was die Bürger, Gastronomen und Zimmervermieter in den Römischen Kaiser nach Bernkastel-Kues geführt hatte, war der Wunsch, sich auf Einladung der noch jungen Arbeitsgruppe (AG) Mosel ein Bild über ihre künftige Nachtruhe zu machen. Denn die mit Nachtflug und Startbahnverlängerung zu erwartenden Flugbewegungen machen vor dem Moseltal nicht Halt. Fracht- und Passagiermaschinen werden auch über den Weinbaugemeinden ihre Schleifen ziehen. Vor allem beim Abflug, der sich laut AG-Mitglied Hans-Werner Jung zu 80 Prozent Richtung Westen orientiert. Wobei beim Ansteigen der Maschinen ein Flugkorridor von bis zu neun Kilometern Breite beansprucht würde. Ungünstige Wetterbedingungen und weniger ideale Flugzeuge kämen noch hinzu. Wie die von Simon genannte Douglas DC10 - "ein alter Heuler", wie er anhand einer Grafik betonte. Und so was würde dann als "Flüsterjet" bezeichnet, der später in 1000 Meter Höhe über dem Ort hinge. Laut Jung sollen rund 50 Flüge zwischen 22 und sechs Uhr über der Verbandsgemeinde unterwegs sein. Was nichts anderes heißt, als alle zehn Minuten eine Maschine. Dabei würden laut Klaus Reitz, Ortsbürgermeister von Lötzbeuren, von den Frachtmaschinen zwei Drittel inter- oder transkontinentale Fracht fliegen. Was nur im Raumordnungsverfahren und nicht mehr im Planfeststellungsverfahren zu lesen gewesen sei. Weiter lag dem Sprecher der BI daran, den der Initiative anhaftenden Makel eines Job-Verhinderers ins rechte Licht zu rücken. Denn der Raumordnungsplan gehe durch die Verlängerung der Startbahn lediglich von einem Plus von 1280 Arbeitsplätzen gegenüber den 4500 dort ohne Verlängerung angepeilten Jobs aus. Bei denen allerdings bedrohte Stellen im Bereich der Kurkliniken oder der Tourismus- und Dienstleistungsbranche nicht gegengerechnet seien, wie Zuhörer reklamierten. Angesichts der aktuell 2266 Jobs im ersten Quartal 2004 daher die Frage von Klaus Reitz: "Rechtfertigt dieser Zugewinn die nachhaltige Zerstörung einer ganzen Region?" Das Ziel der BI ist daher nach wie vor keine Startbahnverlängerung und kein Nachtflug zwischen 22 und sechs Uhr. Was die Initiative laut Reitz möglicherweise mit dem Einstieg ins Klageverfahren erreichen will. Der entscheidende Punkt ist der Lärm, den der Veranstalter den Anwesenden anhand einer Filmvorführung samt Dezibel-Angaben demonstrierte. "Diese Lautstärkemessungen waren beeindruckend", kommentierte Christiane Schenk von der AG Mosel. Wenn das komme, ziehe sie weg hier. Zuvor hatte die Campingplatz-Betreiberin den Stimmungsumschwung des Verbandsgemeinderates kritisiert. Aus 30 Gegenstimmen zum Raumordnungsverfahren seien 28 Ja-Stimmen beim Planfeststellungsverfahren geworden. Und das mit der Begründung, ein Nein hätte lediglich eine Verfahrensverzögerung zur Folge. Weitere Informationen unter www.fluglaerm.de/hahn und www.hahnplus.de.