| 18:02 Uhr

Kunst
Aus Glasfenstern der ehemaligen Kueser Kirche werden Grabkreuze

Bernkastel-Kues. Der Künstler und Theologe Tobias Schmitt zeigt religiöse Exponate  im Cusanus-Geburtshaus. In der Ausstellung geht es um eine weitere Kirche in Bernkastel-Kues.

Es ist erst wenige Monate her, dass in Kues die in den 1960er Jahren erbaute Marienkirche zum Leidwesen vieler Kueser abgerissen wurde. Wo einst die unverwechselbaren bunten Glasfronten zum Himmel ragten, entsteht inzwischen ein Heim für Menschen mit Behinderung. Für viele scheint die Marienkirche endgültig Geschichte zu sein. Für einen Teil von ihr gilt das nicht.

Der Bernkastel-Kueser Theologe und Künstler Tobias Schmitt hat während der Abrissarbeiten in diesem Jahr einen Teil der charakteristischen bunten Glasfronten retten können. In einem speziellen Glasschmelzverfahren verarbeitet er sie nun zu Grabsteinen und religiösen Erinnerungsstücken an die Marienkirche weiter. Sein Ziel ist es, so wenigstens einen Teil der Marienkirche weiterleben zu lassen und zu zeigen, dass in jedem Ende auch der Beginn von etwas Neuem liegen kann.

„Wir reißen den Menschen etwas aus dem Herzen, wenn wir ihre Kirche dem Erdboden gleichmachen, mit der sie groß geworden sind, in der sie Gottesdienst gefeiert und in schwierigen Stunden gebetet haben. Solche Schritte sind zwar anhand einer sich wandelnden kirchlichen Struktur nicht immer vermeidbar, aber wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die uns nach einem Kirchenabriss bleiben, um die Kirche nicht völlig auszulöschen“, sagt der Künstler. Die Marienkirche existiere nicht mehr. Doch aus Teilen von ihr entstehe etwas wunderbar Neues, das an sie erinnern kann.  Das bunte Licht der Fenster darf nun von den neu entstandenen Glaskreuzen auf die Gläubigen und von den Grabsteinen auf die Verstorbenen leuchten. Es erinnere ans österliche Licht der Auferstehung. Zu sehen sind  einige seiner Stücke in der Ausstellung „Tod und Auferstehungsglaube in künstlerischen Konzeptionen von Tobias Schmitt“, die am Sonntag, 11. November, um 15 Uhr mit einer Vernissage im Cusanus-Geburtshaus beginnt. In einem Festvortrag zum Thema „Trauer als Prozess in christlicher Auferstehungshoffnung“ wird Tobias Schmitt über den Umgang mit Trauer und Trauernden, Trauerphasen sowie den möglichen Beitrag der Kunst zu diesem Thema referieren. Anschließend hält Marco Stangl, Priester im Bistum Passau, die Laudatio.

Als Künstler fokussiert Tobias Schmitt sich auf den Bereich der sakralen Kunst. Highlights für Einheimische sind  neben Kunstwerken aus Glas der ehemaligen Marienkirche seine künstlerische und theologische Konzeption zur Neugestaltung der Kirche St. Michael in Bernkastel.

„Auch hier möchte ich einer Kirche zu neuem Leben verhelfen – aber nicht, indem ich ihre Überbleibsel weiterverarbeite, sondern indem ich meine Ideen dazu beitrage, sie zu einem für unsere Zeit und kirchliche Situation in Bernkastel angemessenen Raum weiterzuentwickeln.“ Ziel soll sein, dass man Ideen und Visionen entwickelt und ins Gespräch kommt.