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Beim Abschied ging auch Rhaunen verloren

1969 wurde der Kreis Bernkastel aufgelöst. Bis dahin gehörten Autos mit „BKS-Kennzeichen“ zum Alltag. Sie sind heute eine Seltenheit. „WIL“ dominiert nun die Parkplätze am Gestade. Foto: TV-Archiv
1969 wurde der Kreis Bernkastel aufgelöst. Bis dahin gehörten Autos mit „BKS-Kennzeichen“ zum Alltag. Sie sind heute eine Seltenheit. „WIL“ dominiert nun die Parkplätze am Gestade. Foto: TV-Archiv
Kommunale Grenzen und Zugehörigkeiten standen bereits vor 40 Jahren auf dem Prüfstand. Damals wurde der Landkreis Bernkastel-Wittlich erdacht. Nicht zur Freude aller Beteiligter. Von unserem Redakteur Harald Jansen

Wittlich/Bernkastel. Von einem auf den anderen Tag war alles anders. Am 7. Juni 1969 trat das Landesgesetz in Kraft, das Traben-Trarbachern und Trittenheimern ein neues Autokennzeichen bescherte: WIL für den neu geschaffenen Landkreis Bernkastel-Wittlich.

Die sich im Sommer zum 40. Mal jährende Gründung des neuen Kreises war vor allem für die Bewohner des früheren Kreises Bernkastel mit Schmerzen verbunden. Davon berichtet Professor Erwin Schaaf in seinem Buch "Zeitenwende - Das 20. Jahrhundert im Landkreis Bernkastel-Wittlich". Zum einen wurde Wittlich Sitz der Kreisverwaltung, zum anderen wurden die Ämter Rhaunen und Kempfeld im Hunsrück dem Landkreis Birkenfeld zugeschlagen.

"Im Kreis Bernkastel schlug die Mainzer Entscheidung wie eine Bombe ein", schreibt Schaaf. Die Folge waren Proteste, Bürgerversammlungen, Plakat-Aktionen und Pressekampagnen. Als Zeichen der Verbundenheit mit den beiden Hunsrück-Ämtern fand gar die letzte Sitzung des Kreistags Bernkastel am 12. Mai 1969 in Rhaunen statt. In seiner Schlussrede bemerkte der Erste Kreisdeputierte Karl Christoffel aus Ürzig denn auch: "Wir haben eine Ehe eingegangen, die keine Liebesehe ist, sondern eine Vernunftehe ind in gewisser Weise eine Muss-Ehe." Landrat des neuen Landkreises wurde Helmut Gestrich, der zuvor Landrat des Kreises Bernkastel gewesen war. Wittlichs Landrat Johannes Hieronimus wurde in den Ruhestand versetzt.

Die Neuordnung der kommunalen Kreiskarte stieß im Kreis Wittlich hingegen auch auf ein positives Echo. Auch wenn die Orte Seinsfeld, Oberkail, Spang und Gransdorf dem ebenfalls neu gebildeten Landkreis Bitburg-Prüm zugeschlagen wurden.

Ebenfalls zufrieden mit dem Wechsel in den neuen Kreis war nach Recherchen Schaafs Traben-Trarbach. "Die Stadt Traben-Trarbach sprach sich in Mainz im Falle der Auflösung des Kreises Zell für einen Anschluss an Bernkastel oder Wittlich aus", heißt es in seinem Buch.

Ebenfalls im Zuge der Verwaltungsreform war die Bildung neuer Verbandsgemeinden mit mindestens 7500 und der Zusammenlegung von Gemeinden mit weniger als 3000 Einwohnern vorgesehen. Einzig das damalige Amt Morbach, aus dem erst eine Verbandsgemeinde und später eine Einheitsgemeinde wurde, entsprach der Anforderung an die Zahl der Bürger einer Verbandsgemeinde, berichtet Professor Schaaf. Von den ursprünglich 77 eigenständigen Ortsgemeinden im Amt Wittlich-Land blieben nach der Reform 24 Ortsgemeinden innerhalb der Verbandsgemeinde Wittlich-Land übrig.