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Moselweinbautag
Maschinen erzählen besondere Geschichten

Die Maschinen-Ausstellung weckt bei den Besuchern des Weinbautages Interesse.
Die Maschinen-Ausstellung weckt bei den Besuchern des Weinbautages Interesse. FOTO: Klaus Kimmling
Bernkastel-Kues. Beim Moselweinbautag steht das Fachliche weiter im Mittelpunkt. Doch mehr und mehr spielen in der einmaligen Kulturlandschaft auch die Emotionen eine Rolle. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Vögel zwitschern, es erklingt Klaviermusik, ein Schmetterling fliegt, ein Passagierschiff ist unten im Tal zu sehen: Schließen wir die Augen, lassen mal den strapazierten Begriff von der Romantik weg und ersetzen ihn durch Emotion. Und fertig ist kein Traum – es ist die Wirklichkeit: die besondere ja einmalige Kulturlandschaft, in der es zu allem Überfluss auch noch Wein gibt, und die Achim Rosch vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in einem kurzen Video über die Erdener Steillage zeigt. „Wenn wir den Rollladen hochziehen, haben wir sie“, sagt er.  „Wir haben die Menschen, wir haben die Betriebe, wir haben den Wein  und wir haben die Kulturlandschaft. Dieses Ass spielen wir  aber noch zu wenig aus.“

Der Moselweinbautag in der Mosellandhalle auf dem Kueser Plateau hat mehrere Facetten: die sehr spezielle Seite mit Klonen, Pflanzenschutzmitteln und Fachbegriffen, die nur der Winzer versteht. Doch mehr und mehr ziehen auch die Emotionen ihre Kreise.

Die weckt auch Moselweinkönigin Kathrin Hegner aus Waldrach. Normalerweise gibt es bei Auftritten von Weinmajestäten Blumen. Auf die verzichtet Hegner beim Moselweinbautag ganz bewusst. Sie wünscht sich stattdessen Spenden für den Sozialdienst Katholischer Frauen. „Ich habe tolle Eltern, habe Abi gemacht und studiere jetzt auch noch“, sagt die Gesundheits- und Krankenpflegerin. „Ich habe nie irgendwelche Probleme gehabt. Vielen jungen Frauen geht es aber nicht so gut“, erläutert sie ihr Engagement – und rührt die Herzen der vielen Zuhörer in der Halle.

Solche und ähnliche Geschichten wünscht sich Achim Ochs in größerer Stückzahl. „Das wahre Geheimnis des Erfolgs ist die Begeisterung“, zitiert er den amerikanischen Unternehmer Walter Chrysler. Die Mosel zähle zu den gefragtesten Zielen nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Das habe 2016 ein Bericht in der New York Times („52  Orte, die man gesehen haben muss“) bewiesen. „Es liegt an uns, das zu bespielen“, sagt Ochs. Der Wein spielt  natürlich die erste Geige. Auch hier gibt es Erfolgsgeschichten, die zu erzählen sich lohnt. Aussteller Martin Müllers aus Kröv hat 2004 ein Lohnunternehmen gegründet, das im Auftrag von Winzern alle Arbeiten im Weinberg ausführt. Damals war er 19 Jahre alt.

„Das Startkapital habe ich von meiner Oma bekommen“, erzählt er. Die wird mächtig stolz auf ihren 33 Jahre alten Enkel sein. Mittlerweile beschäftigt Müllers etwa 50 Mitarbeiter, inklusive Saisonkräfte, und baut in Kröv eine neue Halle und eine neue Werkstatt. Seit 2017 ist er auch Händler für spezielle Raupen.

Allein 400 Hektar Rebfläche versorgen seine Maschinen mit dem nötigen Pflanzenschutz. Und bei der Weinlese bietet er den Vollernter genauso an, wie die manuelle Arbeit. Von diesen Erfolgsgeschichten gibt es sicher noch mehr.

Zu den Ausstellern gehört auch die Vereinigte Hagel. Sie versichert Winzer, Obstbauern und Landwirte vor allem gegen Hagel. Etwa 3000 Hektar der Rebfläche im Anbaugebiet Mosel  seien bei ihnen versichert, berichten die Mitarbeiter Kurt Fuhrmann und Anton Esch. Sie werden wahrscheinlich in Zukunft noch mehr zu tun bekommen. „Die extremen Situationen werden mehr“, sagen sie. Auch das sind Geschichten, mit denen die Kulturlandschaft leben muss.

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Meinung: Für Emotionen ist noch mehr Platz

Die Organisatoren des Moselweinbautages wissen es und sprechen es mittlerweile auch aus: Vieles an den zwei Veranstaltungstagen ist sehr fachlich. Für die Arbeit der Winzer ist das wichtig und gewinnt angesichts der Wetterextreme noch an Bedeutung. Der Rest der Menschheit versteht es nicht, muss es aber auch nicht. Wichtig ist das Ergebnis im Glas. Und da ist festzustellen: Der Steigflug hält weiter an. Aber die  Konkurrenz schläft  nicht. Der Wein muss den Geschmack der potenziellen Kunden treffen und am besten auch das Herz. Dafür braucht es Emotionen. Und die dürfen ruhig noch stärker bei den Veranstaltungen Einzug halten, in denen es vorrangig um Informationen geht.

c.beckmann@volksfreund.de