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Wissenschaft
Studierende suchen Bildungsideal

 Pilar Bücker und Niklas Hoyme zählten zu den ersten Studenten an der Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues.
Pilar Bücker und Niklas Hoyme zählten zu den ersten Studenten an der Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues. FOTO: TV / Hans-Peter Linz
Bernkastel-Kues. Die Massenkündigung an der Cusanus-Hochschule sorgt für Verunsicherung. Pilar Bücker und Niklas Hoyme zählen zum Pionierjahrgang in Bernkastel-Kues. Sie suchen nun eine neue Universität. Alex Licht vom Vorstand der Kueser Akademie warnt vor einem Richtungswechsel. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Die erst vor kurzem gegründete Cusanus Hochschule wird derzeit von heftigen Turbulenzen erschüttert. Vor wenigen Tagen haben Professoren und Mitarbeiter des Instituts für Philosophie geschlossen ihre Kündigungen eingereicht. Ursache dafür waren massive Differenzen mit der Leitung der Hochschule, die noch bis zum 1. April kommissarisch von Professor Silja Graupe geführt wird.

Die Hochschule verfügte bislang über ein Institut für Ökonomie und ein Institut für Philosophie. Damit galt die Cusanus Hochschule, die sich in privater Trägerschaft befindet, als außergewöhnlich, da an ihr Philosophen und Wirtschaftswissenschaftler gemeinsam studieren können (der TV berichtete mehrfach).

Die Hochschulleitung verweist gegenüber dem TV darauf, dass letzten Endes die Trennung von den Kollegen der Philosophie nun der richtige Schritt sei, der von diesen inzwischen selbst aktiv betrieben worden sei. Diese Entwicklung bedeute, so das Präsidium, „keinen Wegfall der Philosophie als wesentliche Säule der Cusanus Hochschule.“ Die Philosophie soll in Zukunft neu aufgestellt werden.

Das sehen jedoch zwei Studierende der Cusanus Hochschule anders und verweisen darauf, dass sie damit für die Mehrheit der Studierenden sprechen. Pilar Bücker, 23 Jahre, stammt aus Hamburg, Niklas Hoyme, 24 Jahre, kommt aus Bremen. Beide wandten sich an die TV-Redaktion. Was bewog zwei junge Menschen aus Großstädten am anderen Ende der Republik vor zweieinhalb Jahren ins beschauliche Bernkastel-Kues zu kommen? „Uns haben die Ideen von Nikolaus von Kues angesprochen. Wir waren der Bachelor-Pionierjahrgang, als wir vor zweieinhalb Jahren hier angefangen haben und werden dieses Jahr noch den Bachelor-Abschluss machen können. Wir hätten gerne auf Master weiterstudiert, aber das ist wohl jetzt nicht mehr möglich“, sagt Pilar Bücker.

Niklas Hoyme pflichtet ihr bei: „Wir sind wegen des Bildungsideals der Hochschule nach Bernkastel-Kues gekommen. Es geht ja auch darum, dass junge Menschen sich in ihrer Biografie entwickeln können. Es ging damals um Selbstgestaltung und Weltgestaltung. Das ist miteinander verzahnt. Aber die Selbstgestaltung wird jetzt nicht mehr wahrgenommen.“

Beide Studierende kritisieren den Führungsstil des Präsidiums. Demnach sei die Hochschule ursprünglich so gedacht gewesen, dass Entscheidungen gemeinsam mit den Studierenden getroffen werden. Auch unter dem neuen Präsidenten werde sich das kaum ändern, befürchten sie.

Bücker: „Wir waren früher auf Augenhöhe mit den Professoren. Das hat das Präsidium aber unterbunden, Eigeninitiative war plötzlich nicht mehr gefragt. Ich habe das Gefühl, dass die Philosophie nun nicht mehr gewollt ist.“ Für die Studierenden sei der Bezug zu Cusanus wichtig. Hoyme: „Uns ging es darum zu lernen, wie man im Denken urteilsfähig wird. Da sind die Gedanken von Cusanus wichtig, in einer Zeit, in der sogar schon die Sprache manipuliert wird.“

Wie geht es nun weiter?

Beide Studierende werden ihren Bachelor-Abschluss noch machen können. Pilar Bücker: „Ich will auf jeden Fall weiterstudieren und möchte dazu beitragen, dass auch andere Menschen so studieren können, wie wir es hier erfahren haben. Das ist für Menschen des 21. Jahrhunderts wichtig.“

Da die Lehrstühle für Philosophie derzeit unbesetzt sind, können für das Akademische Jahr 2019/20 keine neuen Philosophiestudenten aufgenommen werden.

Alexander Licht, Mitglied des Kuratoriums der Cusanus-Hochschule und im Vorstand der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, warnt vor einem Richtungswechsel. Er sagt dem Trierischen Volksfreund: „Offensichtlich hat das jetzige Präsidium der Cusanus Hochschule wesentliche Elemente des Gründungsgedankens verlassen, denn sonst wären die geschlossenen Kündigungen der Philosophen nicht erfolgt. Wo Cusanus draufsteht, muss auch Cusanus drin sein.“ Licht wirft der Hochschulleitung „Täuschung“ vor, da das jetzige Präsidium, wohl auch mit Unterstützung des neuen Präsidenten, der Hochschule eine andere Richtung geben wolle.