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Bestes Marketing

Zum Kommentar "Ein später Bärendienst" über den Protest gegen den Hochmoselübergang (TV, 13. April):

Ein besseres Marketing als den Protest in Berlin hat es für die Mosel und deren Weine wohl nie gegeben. Drei weltbekannte Weinexperten lobten die Mosel-Rieslinge sowie die einzigartige Landschaft in den höchsten Tönen vor versammelter nationaler und internationaler Presse. All das flankiert vom Sternekoch, von Sommeliers, Winzern und Moselanern. Politiker, nicht nur von den Grünen, sondern auch Konservative, waren vertreten. Der Spiegel, die Welt, die Süddeutsche Zeitung, die Zeit, die Deutsche Welle lauschten den Weinpäpsten genau wie die internationalen Medien. Viele Leute werden bald ihre Reise wegen unserer Aktivitäten an die Mosel planen und unsere Weine probieren. Dass diese Landschaft zerstört werden soll, dafür können wir nichts. Wir versuchen unter großem persönlichen Einsatz, die Weltkulturschande zu verhindern.

Es ist Rheinland-Pfalz, das der Mosel einen Bärendienst erweisen will. Die Rollen werden in dem Beitrag vertauscht. Auch wenn nur ein Stück der Mosel verunstaltet würde, es wäre ein symbolisches. Denn es ist das Herz der Mittelmosel, das brutal durchstochen würde. Der Berliner Tagesspiegel titelte "Weine, Mosel weine" und traf damit die Gefühle vieler Menschen. Eine Jahrtausende alte Kulturlandschaft sollte wie ein Schatz gehütet und nicht wie Dreck behandelt werden.

So wie Kennedy Berliner war, waren nachher alle im Raum Moselaner. Und so werden viele Menschen von der Unter- und Obermosel sich solidarisch fühlen. Sich zu distanzieren hieße, das wahre kulturelle Problem dahinter nicht wahrzunehmen. Ist es zu spät? Petitionen werden im Bundestag nur veröffentlicht, wenn nicht von vorneherein klar ist, dass sie scheitern werden. Unsere Petition wurde angenommen und kann im Bundestagsforum mitgezeichnet werden. Es besteht also Hoffnung.

Elisabeth Reis,

Zeltingen-Rachtig

Hochmoselübergang