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Chrom, Lack und Pferdestärken

Heinz Juli ist auch im Rentenalter noch Chef des Wittlicher Traditionsautohasues. Sein Herz schlägt besonders für Oldtimer und Motorräder.Foto: Nora John
Heinz Juli ist auch im Rentenalter noch Chef des Wittlicher Traditionsautohasues. Sein Herz schlägt besonders für Oldtimer und Motorräder.Foto: Nora John
WITTLICH. Ein großes Stück Automobilgeschichte hat Heinz Juli erlebt. Sein Betrieb, das Autohaus Juli, das von seinem Vater Heinrich 1928 gegründet wurde, feiert in diesem Jahr das 75jährige Bestehen. Von unserer Mitarbeiterin <br>NORA JOHN

Es istnicht einfach mit Heinz Juli einen Termin zu machen. "Eskommt immer was dazwischen", entschuldigt er sich, als er miteiligen Schritten das Büro betritt. Obwohl er ein Alter erreichthat, in dem andere schon ihren Ruhestand genießen, ist Heinz Juliimmer noch im Geschäft. Kennen gelernt hat er das Handwerk schonals Kind in der Werkstatt seines Vaters, die zunächst noch in derHimmeroder Straße war. Eine schwere Zeit erlebte die Familiewährend des Krieges. Der Vater wurde 1942 zum Wehrdienst berufenund war von da an über sieben Jahre von der Familie getrennt. DieWerkstatt fiel 1944 den Bomben zum Opfer. Mit 22 schon den Meister gemacht

Nach dem Wiederaufbau übernahmen zwei der Gesellen den Betrieb. Bei ihnen fing Heinz Juli als 13-Jähriger seine Lehre an und konnte sie später, als sein Vater aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, bei ihm fortsetzen. Obwohl die Zeiten hart waren, gab es auch einen kleinen Luxus für den jungen Heinz Juli. "Ich hatte das schönste Fahrrad", erzählt er von seinem Zweirad Marke Eigenbau.

"48 Stunden dauerte die Tarifwoche damals" erinnert sich der Unternehmer. Als Sohn des Geschäftsinhabers sei er aber jeden Tag noch länger im Betrieb gewesen. "Geschadet hat das nichts", meint Heinz Juli noch heute. Denn schon damals hieß die Devise "Übung macht den Meister". Die Meisterprüfung konnte er somit 1956 auch schon als 22jähriger abschließen. Sein erstes Gehalt als Meister betrug damals noch 440 Mark im Monat. Mittlerweile hatte der Betrieb, den er 1960 übernahm, in der Trierer Landstraße seine Heimat gefunden.

Während heute vor allem Autos der Marke BMW verkauft werden, handelte die Firma früher mit NSU und Lloyd. Auch die englische Marke Triumph wurde im Autohaus Juli etliche Jahre verkauft. "Die Reklamationsquote war zu hoch", erinnert sich Juli an den Grund, warum der Verkauf der Engländer aufgegeben wurde. In den 50er Jahren stand das Geschäft mit Motorrädern im Vordergrund. In den Nachkriegsjahren musste bei vielen das Zweirad als fahrbarer Untersatz ausreichen und so verkaufte man NSU, Adler oder Horex - Marken, die heute bei Oldtimertreffen zu sehen sind. Natürlich fuhr Heinz Juli auch selbst Motorrad. "Adler waren die spritzigsten", erinnert er sich. Später habe er eine schwere NSU mit Beiwagen gefahren, bevor er der Familie zuliebe dieses Hobby erst einmal für etliche Jahre an den Nagel hängte. Doch auch danach machte er noch gerne lange Touren. 1991 fuhr er in der Gruppe auf dem Zweirad nach Russland, auch von einer Testfahrt von Kenia nach Uganda kann er erzählen.

Seit Anfang der 70er Jahre ist der Betrieb in der Römerstraße. "Zehn Jahre haben wir für das Grundstück gespart", erzählt der Motorbegeisterte von der damaligen Durststrecke. Ihm habe immer vorgeschwebt ein schönes Autogeschäft zu haben und so entstand der Bau mit der ersten großen Ausstellungshalle in Wittlich.

Rarität an bekannte Persönlichkeiten verkauft

In dieser Halle sind heute BMWs und Minis zusehen. In einem zweiten Ausstellungsraum werden Motorräder der Marke Suzuki präsentiert. Richtige Schätze hat Heinz Juli in seiner Tiefgarage und einer weiteren Garage abseits des Geschäftes stehen. Immer schon hatte Juli Gefallen an schönen Autos und Oldtimern. Ein amerikanischer Mustang Mach 3 aus dem Jahr 1972 ist dort ebenso zu finden wie ein 16 Jahre altes BMW-Coupé, beide Wagen recht kräftig motorisiert und hervorragend gepflegt. Im BMW-V8-Club ist Juli Mitglied und kann auch einige Anekdoten erzählen. So habe er von dem sehr seltenen 507er BMW drei Exemplare für einen Baron aus Bruch gekauft. Diese standen stets in seiner Garage und nur jeweils eines davon war angemeldet. Der Baron kam aber täglich im Autohaus vorbei um, wie Juli erzählt "guten Tag" zu sagen. Die Wagen verkaufte Juli später an bekannte Persönlichkeiten wie Heidi Brühl oder Vicky Leandros.

"Eigentlich wollte ich das Oldtimer-Hobby im Rentenalter pflegen", sagt Juli. Das Rentenalter hat er erreicht, doch die Zeit für die schönen Autos fehlt ihm immer noch.