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Auslese
Darauf eine Spätlese

Simon Winfried
Simon Winfried FOTO: TV / klaus kimmling
Sie wissen, was eine Spätlese ist? Hand aufs Herz, so richtig können Sie den Begriff nicht erklären. Ich habe mich einfach mal im Kollegenkreis umgehört und diese Frage gestellt. Also bei Leuten, die an der Mosel leben und die auch schon sicher die ein oder andere Flasche Spätlese getrunken haben. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Die Antworten: Kollegin 1: „Ein Weißwein, der sehr spät gelesen wird.“ Kollege 2: „Eigentlich ein lieblicher Wein, kann aber auch trocken sein. Ein sicher aromatischer Wein, da die Trauben lange gereift sind.“

Kollege 2: „Ein spät gelesener Wein. Die Trauben sind lange gereift und haben ein hohes Mostgewicht. Ist wohl ein lieblicher Wein.“

Sie merken, mit dem Weinwissen der meisten Konsumenten ist es nicht zum Besten bestellt. Ist ja auch kein Wunder, denn die Qualitätsbegriffe im deutschen Weingesetz sind äußerst kompliziert.

Die komplette weingesetzliche Definition des Begriffes Spätlese an dieser Stelle abzudrucken, würde den Rahmen sprengen. Nur soviel: Eine Spätlese kann jede Geschmacksrichtung haben - von trocken bis süß. Eine Spätlese muss nicht später gelesen werden, als andere Trauben. Möglicherweise werden in diesem Jahr in der Pfalz schon im August Spätlesen geerntet. Das einzige Kriterium, das eine Spätlese erfüllen muss, ist der natürliche Zuckergehalt (gemessen als Mostgewicht in Oechslegrade) der Trauben. Und da hat der Gesetzgeber Mindestmostgewichte festgelegt. Und diese variieren wiederum je nach Weinanbaugebiet und Rebsorte. Um es nicht zu kompliziert zu machen, hier die Werte für die Mosel: Riesling, Elbling. Müller-Thurgau und Rotweinsorten 80 Grad Oechsle, alle anderen Sorten 85 Grad Oechsle. Spätlese ist ein „Prädikatswein“, daher darf der Most zur Erhöhung des Alkoholgehaltes nicht mit Zucker angereichert werden.

Seit 1971, als der Begriff Spätlese, ebenso wie Kabinett, Auslese und andere gesetzlich definiert wurde, streiten sich die Geister: Denn alleine der natürliche Zuckergehalt ist für die Qualität des späteren Weines nicht maßgebend. Qualität zu definieren, ist halt ein fast aussichtsloses Unterfangen.

Die Antwort auf die Frage, was ist Qualität? - „Er muss halt schmecken“ - ist zwar simpel, trifft es aber bei allem Philosophieren über Qualität ganz gut. Einen Wein zu beurteilen, ist immer eine subjektive Angelegenheit. Ein Begriff wie Spätlese ist eine grobe Orientierung, mehr aber auch nicht.