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Wein
Mit Moselwein zum Erfolg

Diese historische Fotografie aus den 1920er Jahren zeigt einen Weintransport der Firma Kempinski in der Bernkasteler Altstadt.
Diese historische Fotografie aus den 1920er Jahren zeigt einen Weintransport der Firma Kempinski in der Bernkasteler Altstadt. FOTO: Repro. Markus Philipps / Markus Philipps
Bernkastel-Kues/Traben-Trarbach. Das ehemalige Berliner Weinhandelshaus Kempinski hat im frühen 20. Jahrhundert mehrere Weingüter und Kellereien an der Mosel betrieben. Aus der Firma entwickelte sich einst eine große Hotelgruppe. Von Markus Philipps

Die 120-jährige Geschichte der internationalen Luxushotelgruppe Kempinski ist eng verbunden mit dem Aufstieg des deutsch-jüdischen Weinhändlers Berthold Kempinski. Der erfolgreiche Firmengründer wurde 1843 in der preußischen Provinz Posen geboren. Von 1862 an betrieb er mit seinem Bruder Moritz eine Großhandlung für ungarische Weine unter dem Namen M. Kempinski & Co. in Breslau. Nach der Gründung des Deutschen Reiches zog Berthold Kempinski nach Berlin. Dort eröffnete er 1872 eine eigene Weingroßhandlung, die wenig später um ein Restaurant erweitert wurde. Das gut florierende Weingeschäft und stetig zunehmende Gästezahlen ermöglichten eine rasche Expansion des Unternehmens.

Im Juli 1889 nahm Kempinski ein neues, viergeschossiges Wein-Restaurant an der Leipziger Straße in Betrieb. Preisgünstige Tagesmenüs sowie ein vielfältiges Weinangebot samt einer großen Auswahl an Moselweinen lockten zahlreiche Gäste an. Das extravagante Jugendstil-Gasthaus verfügte über mehrere weitläufige Speisesäle mit luxuriöser Ausstattung.

Den sogenannten Mosel-Saal zierte zudem ein farbenprächtiges Gemälde einer Panoramaansicht der Stadt Cochem. Anlässlich der Einweihung des imposanten Cadiner-Saals erschien sogar der deutsche Hohenzollern-Kaiser Wilhelm II.

Zu den vielen Stammgästen des Lokals zählten neben der illustren Berliner Prominenz Vertreter aller Gesellschaftsschichten. Dank des regen Zulaufs entwickelte sich das beliebte Weinhaus um die Jahrhundertwende zum größten Betrieb seiner Art in Berlin.

Nachdem Berthold Kempinski im März 1910 starb, führte sein Schwiegersohn Richard Unger den Betrieb weiter. 1918 entstand eine neue Kempinski-Niederlassung am Berliner Kurfürstendamm. Neben dem Weingroßhandel widmete sich die Firma seinerzeit verstärkt dem Weinanbau. Damals besaß M. Kempinski & Co. große Kellereien in Berlin, Amsterdam, Kopenhagen und Zürich.

Darüber hinaus verfügte das Unternehmen über mehrere firmen­eigene Kelterhäuser und Weinberge an Rhein und Mosel. Diese befanden sich in Bernkastel, Dusemond (von 1925  an Brauneberg), Valwig, Cond an der Mosel (heute Stadtteil von Cochem), Rüdesheim, Laubenheim, Nierstein und Deidesheim. Später wurden weitere Kellereien in Traben-Trarbach, Mülheim, Veldenz, Mainz, Dürkheim, Biebrich, Oppenheim und Kreuznach (Nahe) erworben. Zu den dort produzierten Eigenmarken zählten unter anderem Kempinski Rheingau und „Kempinski Mosel –  der rassige Herrenwein“.

1928 übernahm Kempinski das  Berliner Restaurant Haus Vaterland am Potsdamer Platz. Dieses stellte mit seinen riesigen Themen-Speisesälen wie der „Rheinterrasse“ das Flaggschiff der Firma dar. Nach der Machtergreifung Hitlers (1933) musste Unger seine Geschäfte aufgeben und in die Vereinigten Staaten von Amerika flüchten. Später wurde M. Kempinski & Co vom Berliner Gastronomie-Unternehmen Aschinger AG übernommen. Die betriebseigenen Weingüter an Rhein und Mosel blieben  bestehen.

Während des Zweiten Weltkrieges fielen die einstigen Berliner Kempinski-Restaurants dem Bombenhagel sowie einem Großfeuer zum Opfer. 1952 eröffnete Kempinskis Enkel Friedrich Unger ein neuerbautes Hotel „Kempinski“ am Berliner Kurfürstendamm. Ein Jahr darauf veräußerte er seine Firmenanteile sowie den Namen Kempinski an die Hotelbetriebs-Aktiengesellschaft. Die daraus entstandene Hotelgruppe Kempinski AG betreibt heute 76 Fünf-Sterne-Hotels in 31 Ländern.