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Geschichte
Juden im Alftal: Friedliches Miteinander bis die Nazis kamen

Der jüdische Friedhof in Bausendorf.
Der jüdische Friedhof in Bausendorf. FOTO: Winfried Simon / TV
Bausendorf. Das jüdische Leben im Alftal: Arbeitskreis des Pfarrgemeinderates beschäftigt sich mit der Geschichte. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Von Winfried Simon

Jahrhunderte lebten Menschen christlichen und jüdischen Glaubens friedlich zusammen. Die Nazis machten mit ihrem Rassenwahn dieser brüderlichen Gemeinschaft ein Ende. Das gilt vor allem für das Alftal, wo das Zusammenleben sehr harmonisch war. Was nur wenige wissen: In Bausendorf war bis zur Verfolgung durch die Nazis  nach der Stadt Wittlich die größte jüdische Gemeinde im Kreis Bernkastel-Wittlich beheimatet.

Umso wichtiger ist es, an die guten und schlimmen Zeiten zu erinnern. Seit zwei Jahren gibt es den Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Bausendorf“ - eine Initiative des Pfarrgemeinderates Bausendorf-Olkenbach-Diefenbach. Der Arbeitskreis veransstaltet Erzählcafés, Vortragsreihen, Friedensgebete und überlegt, in Bausendorf  eine Erinnerungsstelle einzurichten.

Jüngste Veranstaltung war ein Vortragsabend am vergangenen Freitagabend unter dem Titel „Jüdisches Leben im Alfftal“.

Besonders bewegend waren die Erinnerungen von Erich Roth aus Bausendorf, der als Elfjähriger die Pogromnacht im November  1938 in seinem Heimatort erlebte. Roth: „Ich habe gesehen, wie SA-Leute gewaltsam in die Synagoge eingedrungen sind und dort alles kurz und klein  geschlagen haben. Auch in einem Haus einer jüdischen Familie wüteten die Gewalttäter. Unser Dorfpolizist stand daneben, er war kreideweiß, konnte aber nichts machen. So etwas vergisst man nie.“

Es gibt einen Artikel  von Anja Klasen, der 1992 in der Schriftenreihe „Das Alftal  in Gegenwart und Geschichte“ erschienen ist. Sie sollte am Freitagabend referieren, war aber verhindert, so dass René Richtscheid, Geschäftsführer des Wittlicher Emil-Frank-Instituts den Hauptvortrag hielt. Sein Thema: „Geschichte der Juden, wie sie in Alftal kamen“.

Die erste jüdische Gemeinde in der Moselregion  ist in Metz für das Jahr 888 nachgewiesen. Wann genau sich Juden in Bausendorf, beziehungsweise im Alftal  ansiedelten, ist nicht bekannt. Jedenfalls lebten  bis zu den ersten mittelalterlichen Pogromen während der Pestzeit im 14. Jahrhundert in sehr vielen Orten Juden. Die Juden wurden verfolgt und als Sündenböcke abgestempelt. Doch weniger ihre Religion war das Motiv, wie René Richtscheid erklärte,  sondern es waren vor allem materialistische Gründe für die Verfolgung und Vertreibung. Man wollte sich an den Juden bereichern.

Nach dem 30-jährigen Krieg, überall in Deutschland war die Bevölkerung arg dezimiert worden, begann man Juden anzuwerben.  Einen starken Zuzug jüdischer Bürger erfolgte im 19.Jahrhundert. 1833 lebten 25 Juden in Bausendorf, 1843 waren es 27 und 1895 schließlich 46.

In Bausendorf gab es eine Synagoge,  heute erinnern noch die jüdischen Friedhöfe in Bausendorf und Bengel, an die Zeit als die Juden eine bedeutende Rolle in der Dorfgemeinschaft spielten.

Ossi Steinmetz, ehemaliger Ortsbürgermeister von Bausendorf, hat eine Ortskarte erstellt, in der sichtbar ist, wo die jüdischen Familien in Bausendorf lebten. Die meisten der 17 Familien wohnten mitten im Dorf nahe der katholischen Kirche. Die meisten Bausendorfer Juden wurden deportiert und ermordert, einigen gelang die Flucht ins Ausland.

Am 9. November 2018 jährt sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht. Auch die Bausendorfer Synagoge wurde zerstört, beziehungsweise geschändet. Am Tag zuvor wird es eine  Gedenkveranstaltung „Jüdisches Leben in Bausendorf“ im Ort geben.