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Das Taj Mahal von Bettenfeld

Susanne Fack forscht über die Geschichte der Bettenfelder Herz-Jesu-Kapelle. Sie sieht darin eine Liebeserklärung von Bernhard Foegen an seine verstorbene Frau. TV-Foto: Sybille Schönhofen
Susanne Fack forscht über die Geschichte der Bettenfelder Herz-Jesu-Kapelle. Sie sieht darin eine Liebeserklärung von Bernhard Foegen an seine verstorbene Frau. TV-Foto: Sybille Schönhofen
Eine Bauzeichnerin erkennt in der um die Jahrhundertwende erbauten Herz-Jesu-Kapelle bei Bettenfeld ein System in der architektonischen Einbindung des Sonnenstrahls. Darin offenbare sich die Liebe des Erbauers Bernhard Foegen zu seiner verstorbenen Frau Susanna. Von unserer Mitarbeiterin Sybille Schönhofen

Bettenfeld. Auf den Feldern bei Bettenfeld steht die Herz-Jesu-Kapelle, eingefasst von vier Lindenbäumen. Die Einheimischen nennen sie "Zum Lindchen". Ihre ungewöhnliche Form ist auffallend. "Warum baut jemand eine achteckige Kapelle?", fragte sich die Rentnerin Susanne Fack. Sie ist gelernte Bauzeichnerin. Vor drei Jahren begann die Hamburgerin, die seit 1992 in Bettenfeld lebt, nachzuforschen. Dabei erhielt sie tiefe Einblicke in das Leben, die Gedanken und Gefühle des Erbauers Bernhard Foegen. Vier Kladden, in denen ein Freund Foegens von 1919 bis 1921 Gespräche dokumentierte, enthüllten ihr, was den Bettenfelder Bauern und Homöopathen, Jahrgang 1841, bewegte.

Es gebe keinen Zweifel, dass Foegen die Kapelle für seine verstorbene Frau habe errichten lassen.

Nach Katasterblättern muss das zwischen 1894 und 1907 geschehen sein. Die Hobbyforscherin hat mehrere Fotoalben von der Kapelle angelegt. Die Aufnahmen zeigen die Lichtsituation in den verschiedenen Jahreszeiten, zu allen Tageszeiten. Denn Susanne Fack hat eine Theorie: Bernhard Foegen muss die Kapelle wie eine Art Sonnenuhr konzipiert haben. Er spielte mit dem Lichteinfall, um damit Aussagen über Tod und Auferstehung zu treffen. Ursprung sei die bis zu seinem Lebensende anhaltende Erschütterung über den Verlust seiner geliebten Frau Susanna, geborene Griethen, gewesen. Als Jugendliche hätten sie sich schon ineinander verliebt, erzählt Susanne Fack. 1869 heirateten sie gegen Widerstände in der Familie, 23 Jahre später starb Susanna am 20. September 1893 um 11 Uhr mit nur 46 Jahren. Noch 28 Jahre nach dem Tod seiner Frau schrieb der verzweifelte Bernhard Foegen auf: "Jeder Tag ist, als ob Du stirbst."

Susanne Fack zeigt ein Blatt Papier, auf dem sie den Grundriss mit Gebäudeachsen und Lichtwegen eingezeichnet hat. Zur Todesstunde der Susanna Foegen beginnt in der Kapelle ein Lichtspiel, erläutert sie. "Bernhard Foegen benutzte die Sonne wie einen Laserpointer." Die Sonne strahle nacheinander Elemente der Kreuzigung und Auferstehung Jesu in der Kapelle an. Die Aufzeichnungen Foegens ließen keinen Zweifel daran, dass er dabei an den Übergang seiner Frau von der Welt in die Ewigkeit gedacht habe. "Ergreifend", sagt Fack. "Eine junge Frau, der ich diese Geschichte erzählt habe, sagte, dann sei die Kapelle ja das Taj Mahal von Bettenfeld." Dazu passt, dass Foegen Lindenbäume wählte. Ihre Blätter haben Herzform.