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Stadtentwicklung
Ungebetene Gäste auf der Baustelle

Der Abriss des so genannten Blockbereichs in Traben-Trarbach geht weiter. Ein mögliches Fledermausvorkommen in einem der dortigen Keller ist dabei kein Problem.
Der Abriss des so genannten Blockbereichs in Traben-Trarbach geht weiter. Ein mögliches Fledermausvorkommen in einem der dortigen Keller ist dabei kein Problem. FOTO: Klaus Kimmling
Traben-Trarbach. In einem der acht Keller des so genannten Blockbereichs im Stadtteil Trarbach werden Fledermäuse vermutet. Auf den Abriss des Gebäudekomplexes hat das aber keinen Einfluss. Clemens Beckmann

Wenn jemand ein altes Gemäuer umbauen oder abreißen will, dann muss er nicht nur einen Plan und das nötige Geld haben. Er sollte auch vorher genau untersuchen, ob er nicht Gäste hat, die das Vorhaben verhindern könnten. Zum Beispiel Fledermäuse. Eine Gruppe dieser nachtaktiven Tiere hat sich in einem der Keller des so genannten Blockbereichs in der Trarbacher Altstadt eingenistet.

Als die Abrissarbeiten an dem großen Gebäudekomplex für einige Tage ruhten, machte das Gerücht die Runde, dass der Abriss wegen dieses Vorkommens ins Stocken geraten sei. „Es gab auch sorgenvolle Anrufe“, berichtet Stadtbürgermeister Patrice Langer in der Sitzung des Stadtrates. Und er stellt in einem Atemzug fest: „Es wird nichts stehen bleiben.“

Welche Art von Fledermäusen im Keller wohnt, ist nicht bekannt. Das Vorkommen sei durch ein Echolot und Kot dokumentiert. Gesehen worden seien die Tiere nicht. Der Keller sei verwinkelt, und es dürfe auch kein Licht gemacht werden, um die Winterruhe nicht zu stören. Die Abrissarbeiten an der Erdoberfläche seien nicht beeinträchtigt. „Nur Presslufthämmer dürfen nicht zum Einsatz kommen“, sagt Langer.

Es habe mehrere Gespräche mit der Planerin und der Landschaftsschutzbehörde gegeben. Fazit: Die Tiere sollen nach der Winterpause ausquartiert werden. Die Voraussetzungen seien geschaffen. Zugang und Ausgang seinen bereits mit einer Plane versehen worden. Sie lassen den Ausflug zu, verhindere aber die Rückkehr. Im Gegenzug sollen an verschiedenen Orten in der Nähe Nistkästen installiert werden.

Diesen Zusammenhang stellt Landschaftsarchitektin Kristine Mayer (Büro Högner, Minheim) allerdings nicht her.  Die Nistkästen seien für Fledermäuse bestimmt, die möglicherweise oberirdisch, in Dachspalten und Mauerritzen, zuhause waren. Spuren hätten darauf hingewiesen.

Die Kinderstuben der Tiere seien dort allerdings nicht gewesen, sonst wäre ein Abriss möglicherweise ein Problem gewesen. Die Fledermäuse hätten sich wahrscheinlich dort nur in den Sommermonaten aufgehalten, um zu fressen.

Die Untersuchungen in dem Keller hätte mittlerweile ein Fachbüro übernommen. Welche Maßnahmen dort ergriffen werden müssen, stehe noch nicht fest. Unter dem Gebäudekomplex befinden sich, so Mayer, insgesamt acht Keller. Fast alle seinen verputzt und deshalb für Fledermäuse ungeeignet. Nur der in der Diskussion stehende sei gemauert.

„Er steht auch schon seit 25 Jahren offen“, sagt die Expertin. Alle Keller sollen nach dem Abriss verfüllt werden. Die zukünftige Nutzung des entstehenden freien Platzes steht noch nicht fest. Dafür wird es einen Architektenwettbewerb geben (der TV berichtete).

„Im Rahmen der Umweltbaubegleitung hat ein Fachbüro verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, die aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde geeignet und ausreichend sind, um den Verlust von Nist- und Quartierpotential zu kompensieren“, sagt Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung auf TV-Anfrage.

Ein Fledermausvorkommen ist auch am Hang an der Grevenburg festgestellt worden. Da dort wie berichtet Felssicherungsarbeiten anstehen, müssen sie umquartiert werden. Dafür, so Patrice Langer, sei an der Zufahrt zur Burg bereits ein Hang entbuscht worden.