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Der Doppelkopf nimmt Form an

Bildhauer Jürgen Waxweiler mit der noch nicht ganz fertigen Skulptur. TV-Foto: Anita Lozina
Bildhauer Jürgen Waxweiler mit der noch nicht ganz fertigen Skulptur. TV-Foto: Anita Lozina
Traben-Trarbach/Udelfangen. Seit Dezember vergangenen Jahres ist sie angekündigt, nun ist sie fast fertig: Eine Doppelkopf-Statue des einheimischen Künstlers Jürgen Waxweiler wird ab 9. September den Verkehrskreisel der B 54 in Traben-Trarbach schmücken. Anita Lozina

Traben-Trarbach/Udelfangen. Es ist ruhig im Steinbruch bei Udelfangen, oberhalb des Dorfes in der Nähe von Trier. Ein paar Grillen zirpen, der Wind bringt etwas Kühle auf den Hügel. Plötzlich durchbricht das scharfe Geräusch einer Kreissäge die Stille, weißer Staub wird meterweit durch die Luft geschleudert. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei, Ruhe kehrt wieder ein auf den Hügel. Jürgen Waxweiler legt die Säge zur Seite und blickt auf den Stein, den er gerade damit bearbeitet hat. "Oh, da kann noch einiges weg", sagt er und lacht.Von weitem sichtbar

Seit drei Monaten arbeitet der Bildhauer an einer 1,80 Meter großen Statue, die bald schon den Kreisel der B 53 in Traben-Trarbach schmücken soll. Wenn sie fertig ist, wird sie inklusive Stele rund sieben Meter in die Höhe ragen. Die Statue selbst wird aus zwei entgegengerichteten Köpfen bestehen; der eine wird nach Traben über die Mosel blicken, der andere nach Trarbach. Schon von weiter Distanz wird die Statue für Autofahrer und Schiffpassagiere sichtbar sein, und "abends wird die Skulptur angestrahlt werden", sagt Helmut Pönnighaus, Vorsitzender des Vereins Traben-Trarbach Aktiv (TTA). Der Stein, aus dem der Doppelkopf entsteht, ist 220 Millionen Jahre alt. "Hier gab es früher noch Meer", sagt Waxweiler und zeigt mit einer Handbewegung auf die Hügel und Täler rund um Udelfangen. "Der Stein war damals Teil des Sandstrands." Das sieht man dem Koloss heute noch an: Auf der Oberseite ist das Muster von Wellen versteinert. Das werden die Passanten an der fertigen Skulptur von unten jedoch nicht erkennen können - dafür aber braune Flecken, die durch den natürlichen Versteinerungsprozess enstanden sind. Waxweiler hat diese Farbunterschiede bewusst sichtbar gelassen. "Ich suche mir Blöcke aus, die mich direkt ansprechen, und versuche, ihre Grundform zu erhalten. Mir ist die Verbindung der Rohform mit der kultivierten Form - also der Bearbeitung - wichtig." Am 9. September, 18 Uhr, wird die Skulptur auf dem Verkehrskreisel eingeweiht, hinterher können die Besucher am Weinmarkt am Trarbacher Moselufer das Ereignis feiern. Im Ort ist die Skulptur schon länger ein Thema. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Traben-Trarbach einen Wettbewerb für die Gestaltung des Kreisels ausgeschrieben, bei dem sich 37 Künstler bewarben und Waxweiler den Auftrag vom Stadtrat bekam (der TV berichtete mehrfach). Finanziert wird die Statue von TTA (siehe Extra), was anfänglich zu Kritik seitens einiger Mitglieder führte. Erst nach einer Abstimmung, bei der sich ein Großteil der Mitglieder für die Finanzierung aussprach, verstummten die Kritiker "sehr schnell", sagt Pönnighaus. volksfreund.de/videosDie Kosten für die Skulptur belaufen sich insgesamt auf 44 000 Euro. Der Verein Traben-Trarbach Aktiv (TTA) übernahm davon anfänglich 30 000 Euro, der Rest sollte durch Spenden zusammenkommen. Doch von Anfang an stand fest: Sollten die Spenden nicht reichen, werde TTA den Restbetrag aufstocken. Mittlerweile wurden 2620 Euro für die Skulptur gespendet, folglich zahlt TTA nun mehr als 40 000 Euro aus der Vereinskasse. alo