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Der Herr der Eisenringe

Küfermeister Josef Breit fertigt die Barrique-Fässer, in denen der Wein für das Jubiläumsjahr der Vereinigten Hospitien gelagert werden soll.Foto: Klaus Kimmling
Küfermeister Josef Breit fertigt die Barrique-Fässer, in denen der Wein für das Jubiläumsjahr der Vereinigten Hospitien gelagert werden soll.Foto: Klaus Kimmling
PIESPORT. Seit 50 Jahren fertigt der Küfermeister Josef Breit Weinfässer. Im Auftrag der "Vereinigten Hospizien" Trier, die 2004 ihren 200. Geburtstag feiern, stellt er zurzeit zehn Barrique-Fässer her, damit der Jubiläumswein besonders exklusiv mundet. Von unserem Mitarbeiter <br>KLAUS KIMMLING

Mit dem Hammer treibt der Küfermeister Josef Breit Eisenringe auf die vorher genau markierte Höhe der einzelnen Eichen-Dauben. In seiner von Holz und Historie geprägten Werkstatt hängen und stehen überall Werkzeuge herum, die der 73-Jährige zum Bau seiner Weinfässer benötig: Hobel, Hammer, zugeschnittene Holzteile, Eisenringe mit verschiedenen Durchmessern und Zollstöcke. Vor allem aber riecht es nach Holz. Ein Ofen verbreitet Wärme. Und nur der Blick durch das Fenster erinnert an die kalte Jahreszeit.Zehn Barrique-Fässer für Trierer Jubiläumswein

Zwei Jahre vor seinem 50. Berufsjubiläum als Küfermeister steht Josef Breit aus Piesport mit seinem Handwerk dem Wein-Genuss noch voll zur Seite. Momentan arbeitet er an einem Auftrag für die "Vereinigten Hospitien" in Trier, die im nächsten Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiern. Anlässlich des Jubiläums gab der Leiter des Weingutes Joachim Arns zehn "Barrique-Fässer" mit je 225 Liter Fassungsvermögen bei Josef Breit in Auftrag. So viele Küfer (große Fässer) gäbe es selbst in der vom Wein geprägten Mosel-Region nicht mehr, bemerkt der Auftraggeber, der in der Werkstatt zu Besuch ist."Josef Breit ist uns bekannt. Wir vertrauen auf seine fachliche Kompetenz", begründet Arns die Auftragsvergabe an den Piesporter. Eine weitere Besonderheit liegt für den Weingut-Leiter darin, dass das Eichenholz für die neuen Fässer aus dem der Stiftung eigenen Waldbestand von etwa 500 Hektar bei Trier-Euren stammt. Zwei Jahre ist es her, dass die zwei etwa 160 Jahre alten Eichen dort geschlagen wurden"Trierer Augenscheiner", ein Spätburgunder des Jahrganges 2002 soll zunächst für einen bestimmten Zeitraum in dem Holzbehältnissen gelagert werden. Dann wird das kostbare Nass zurück verschnitten mit Rotwein, der noch nicht "barrique-gelagert" war. "Eine besondere Note für den Geschmack des edlen Rebensaftes erwarten wir aus dieser Lagerung", beschreibt Arns die Entscheidung für "Barrique". Der Wein übernehme in gewissem Maße den Geschmack des Holzes, weiß er.Regelmäßige Hammerschlägemachen den Besuchers auf die körperlich schwere, anspruchsvolle Arbeit des uralten Küfer-Handwerkes aufmerksam. "Mein Gesell' kommt gleich", sagt Josef Breit und schaut belustigt zur Tür. Niemand anderes als seine Frau Inge betritt den Raum. Sie weiß genau, was sie zu tun hat, reicht ihrem Mann die in langer Vorarbeit zugeschnittenen Eichenteile und ist behilflich bei der so genannten "Geburtsstunde" eines Eichenfasses. Innerhalb eines Eisenringes werden die Dauben nebeneinander gereihtSeine Frau ist Hebamme bei jeder Fassgeburt

Auch Joachim Arns schaut interessiert zu: "Hab' so was bisher noch nicht gesehen", gibt er zu. Im Hintergrund stehen schon zwei Fässer, die fertig zu sein scheinen. Auf die Mithilfe seiner "Gesellin" ist Breit des öfteren angewiesen. So bereitet sie außerhalb das Feuer, mit dem die harten Eichen-Einzelteile erwärmt werden. Der Hohlbauch, nur im oberen Bereich von zwei verschieden großen Eisenringen gehalten, wird über das Feuer gestellt."Das braucht jetzt wenigstens eine Stunde", erklärt der Handwerker, dann wären die Einzelteile so weit, dass sie mittels eines Drahtseiles und eines einfachen Flaschenzuges im unteren Bereich eingebogen werden könnten. Danach werden die unteren Ringe übergezogen und platziert.Gut einen Tag benötigt Josef Breit für die Herstellung eines einzigen der zehn bestellten Fässer. 2000 Fuderfässer etwa hat Breit in seiner langen Laufbahn gefertigt. Ein Ende ist bisher nicht abzusehen. Es gehen immer wieder Aufträge ein, freut sich der "Fass-Mann".