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Der Trauer einen Raum geben

Mit Sibylle Morguet (Vierte von links) wollen acht Frauen und ein Mann im Café Lebensreise als Trauerbegleiter zur Verfügung stehen. Mit im Bild zwei Vertreterinnen der Netzwerkpartner. TV-Foto: Ursula Schmieder
Mit Sibylle Morguet (Vierte von links) wollen acht Frauen und ein Mann im Café Lebensreise als Trauerbegleiter zur Verfügung stehen. Mit im Bild zwei Vertreterinnen der Netzwerkpartner. TV-Foto: Ursula Schmieder
Traben-Trarbach. Reden, schweigen, weinen oder auch lachen - im "Café Lebensreise" in Traben-Trarbach, einem ökumenischen Gemeinschaftsprojekt für Trauernde, wird all das möglich sein. Ursula Schmieder

Traben-Trarbach. In Kürze öffnet in Traben-Trarbach ein ökumenisches Gemeinschaftsprojekt seine Türen: das "Café Lebensreise", eine Anlaufstelle für Menschen, die um jemanden trauern. Im Alten Bahnhof Traben werden sie Ansprechpartner finden oder Menschen, denen es ähnlich geht und mit denen sie sich austauschen können.Ermutigen und Kraft schöpfen


An qualifizierten Kontaktpersonen wird es nicht fehlen. Sibylle Morguet, ausgebildete Pflegefachkraft und Trauerbegleiterin, wird Einzelgespräche anbieten. Außerdem haben acht Frauen und ein Mann kürzlich ihre Zertifikate als Trauerbegleiter erhalten, sodass auch sie das eine oder andere Gespräch führen können.
Morguet fungiert als Bindeglied von Betroffenen und Ehrenamtlichen. Sie zeichnet verantwortlich für das Netzwerk Café Lebensreise (siehe Extra). Das Besondere: Es ist ein kostenloses Angebot und steht allen Interessierten - unabhängig von Konfession oder Nationalität - offen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Wer vorbeischauen möchte, kann das spontan und unverbindlich tun.
Die Ziele des künftigen monatlichen Treffpunkts sind im Untertitel "Abschied nehmen - neue Wege gehen" formuliert. Die Initiatoren wollen nicht nur Menschen zusammenbringen und sie trösten, sondern sie auch ermutigen, Kraft zu schöpfen und sich neu zu orientieren. "Wir wollen Trauer einen Raum geben", erklärt Morguet: "Bei Kaffee und Gebäck dürfen Trauernde reden, schweigen, weinen und auch lachen."
Gertrud Hauth, eine der neu ausgebildeten Ehrenamtlichen, begründet ihr Engagement mit ihrer Arbeit im Seniorenheim Kröv. "Es ist wichtig, dass Menschen da sind, die Hilfestellung geben und mit denen man sprechen kann", sagt die 58-Jährige aus Enkirch.
Ursula Hüls (66) aus Kövenig hat sich vorgenommen, zuzuhören, da zu sein und aushalten, wenn jemand Rat braucht. Sie könne verstehen, wie es Menschen in solchen Situationen geht. Heidi Müllen (46) aus Kröv spornt die Erkenntnis an, dass viele vor Themen wie Trauer und Tod davonzulaufen scheinen. Das führe mitunter so weit, dass sie Trauernde mit falsch verstandenem Mutmachen verletzten. Daher will sie mit dazu beitragen, dass Betroffene ihre ganz individuelle Art von Trauer leben können. Wolfgang Schumacher (66) aus Wolf, der einzige Mann in der Runde, sieht sich häufig "nahe dran am Thema Tod". Damit habe ja jeder in seinem persönlichen Umfeld zu tun. Dass nur wenige Männer bereit sind, sich auf diese Weise zu engagieren, führt er darauf zurück, dass es bei solchen Gesprächen auch um Gefühle gehe. Und nicht jeder sei bereit, von sich selbst etwas preiszugeben.Extra

Café Lebensreise: Offiziell eröffnet wird das Café am Mittwoch, 21. August, um 18.30 Uhr im ersten Stock des Alten Bahnhofs Traben. Ab September werden die Türen dort immer jeden ersten Mittwoch im Monat - also erstmals am 4. September - von 15 bis 17 Uhr offen stehen. Netzwerkpartner sind die evangelische Kirchengemeinde, die katholische Pfarreiengemeinschaft Mittelmosel und das Altenzentrum Ida-Becker-Haus der evangelischen Diakonie. Daher können kontaktiert werden: die Pfarrer Ingo Seebach (evangelisch), Telefon 06541/817614, und Markus Eiden (katholisch), Telefon 06541/810330, oder Trauerbegleiterin Sibylle Morguet. urs Weitere Informationen gibt es auch per E-Mail an Trauerbegleitung@rg-diakonie.de