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Deutsches Fort Knox öffnet Tresor-Türen

Hinter dicken Panzertüren lagerte viele Jahre lang die deutsche Ersatzwährung für den Krisenfall. Foto: privat
Hinter dicken Panzertüren lagerte viele Jahre lang die deutsche Ersatzwährung für den Krisenfall. Foto: privat
Anfang August konnte erstmals der frühere Bundesbank-Bunker unter den Conder Weinbergen besichtigt werden. Das Interesse war riesengroß. Schon damals kündigten die Organisatoren an, dass es weitere Führungen geben wird.

Cochem. Am 16. und 17. Oktober ist es wieder so weit. Dann öffnet die einst geheime Bunker- und Tresoranlage der Deutschen Bundesbank in Cochem zwischen 10 und 18 Uhr erneut ihre Tore für Besucher. Im Rahmen von Führungen wird die unterirdische Bunkeranlage und ihre Technik erklärt. Auf Zeitreise zurück in die Jahre des Kalten Krieges geht es, wenn die Aufgabe des Bunkers als geheime und technisch gut gesicherte Lagerstätte einer unbekannten Ersatzwährung zur bekannten D-Mark erläutert wird.

50 Millionen Mark pro Quadratmeter



Der Cochemer Bunker-Anlage kommt bundesweit eine Ausnahmerolle zu, denn historisch biete dieser Ort gleich drei spannende Themen, so Jörg Diester, einer der Organisatoren. Dies sei die Vorhaltung einer damals geheimen und bis heute kaum bekannten Notstandswährung, die Bewältigung einer nationalen Krise im Kalten Krieg, ausgelöst durch eine Hyperinflation sowie die Lagerung der Notstandswährung in einer beeindruckenden Bunkeranlage, die zugleich Tresor für 15 Milliarden Mark war.

An keinem Ort der Bundesrepublik war laut Diester die Konzentration von Mark-Werten so hoch, wie hier im "deutschen Fort Knox": Durchschnittlich 50 Millionen Mark waren auf jedem Quadratmeter in Kisten und Säcken gestapelt - meterhoch. Unterirdisch und gut gesichert, lag hinter tonnenschweren Tresortüren ein Staatsgeheimnis, das in der Cochemer Unterwelt zwischen 1964 und 1988 gut gehütet wurde.

Sinn und Zweck der Maßnahme: Im Krisenfall wollte man einer eventuellen Geldentwertung durch massenhafte Mark-Fälschungen aus dem Osten eine neue, unbekannte Währung entgegensetzen.

Über Monate haben Mitarbeiter der Bunker-Dokumentationsstätten dieses Thema recherchiert, so im Bundesarchiv und im Historischen Archiv der Deutschen Bundesbank. Auch Zeitzeugen halfen mit ihren Erinnerungen, so dass sich ein Bild formte, das sicherlich eines der spannendsten Kapitel des Kalten Krieges darstellt.

Bei Führungen durch die Bunker- und Tresoranlage Cochem wird dieses Kapitel lebendig. Der Bunker selbst spricht Bände mit seiner Einrichtung, zahlreiche Fotografien zeigen das Innenleben zwischen 1964 und 1988 - inklusive der Geldbestände und Abbildungen der geheimen Mark. Auf 300 Metern wird an diesem unterirdischen Ort Geschichte greifbar - wenn es nach den Veranstaltern geht, auch über das Oktoberwochenende hinaus. Langfristig ist der Aufbau einer Dokumentationsstätte geplant.

EXTRA Tage der offenen Tür: Die Bunker- und Tresoranlage steht am 16. und 17. Oktober jeweils von 10 bis 18 Uhr offen. Im Internet sind unter www.bunker-cochem.de Übersichten zu den Führungen und Anmeldemöglichkeiten eingerichtet. Auch bei der Touristinformation Ferienland Cochem sind Anmeldungen möglich, um die für eine reibungslose Abwicklung gebeten wird. Ein Bus-Pendelverkehr ist zwischen dem stadtzentralen Busbahnhof "Am Endertplatz" und dem Bunker eingerichtet. Die Busse verkehren halbstündlich. Die einfache Strecke kostet 1,50 Euro. Die Zahl von Parkplätzen am Bunker ist begrenzt, die Anreise mit dem PKW ist nicht zu empfehlen. Die Eintrittspreise liegen zwischen 8 Euro für Erwachsene und 3,50 Euro für Kinder und Jugendliche; Kinder unter zwölf Jahren haben in Begleitung Erwachsener freien Eintritt. Die Besichtigungen der Anlage sind nur im Rahmen einer Führung möglich, die 75 Minuten dauert. Die Temperatur in der unterirdischen Anlage liegt bei zwölf Grad. Geeignete, warme Bekleidung ist ratsam. Tiere sind im Bunker nicht zugelassen. Ein Besuch ist für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit nicht zu empfehlen.