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Stadtentwicklung
Alte Wehlener Kirche garantiert eine ganz besondere Atmosphäre

Die alte Kirche in Wehlen ist wieder ein Schmuckstück – innen und außen. Anke Nuxoll-Oster hat sie sie aufwändig und mit viel Liebe zum Detail saniert.
Die alte Kirche in Wehlen ist wieder ein Schmuckstück – innen und außen. Anke Nuxoll-Oster hat sie sie aufwändig und mit viel Liebe zum Detail saniert. FOTO: Scholer Andreas
Wehlen . Die Unternehmerin Anke Nuxoll-Oster hat das mehr als 350 Jahre alte Gemäuer zu einem Tagungs- und Feriendomizil umgestaltet. Bis zu 24 Gäste finden Platz. Clemens Beckmann

Von außen hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Das Dach ist neu eingedeckt, der Anstrich ist erneuert worden. Doch wer das Innere der alten Wehlener Kirche bis März 2017 kannte,  kommt beim Betreten des mehr als 350 Jahre alten Gemäuers aus dem Staunen nicht heraus. Hier stimmt die oft als Floskel gebrauchte Überschrift „Altes Gemäuer erstrahlt in neuem Glanz.“ Was Anke Nuxoll-Oster  aus dem Gebäude gemacht hat, ist außergewöhnlich.

Dabei waren die Voraussetzungen mehr als schlecht. Nach einem Hagelschlag hatte es jahrelang in das Gemäuer hineingeregnet. Erst als die Handwerker mit ihrer Arbeit begannen, wurde das ganze Ausmaß der Schäden klar. Anke Nuxoll-Oster benennt die größten Feinde der folgenden Monate: „Hausschwamm, Schimmel und aufsteigende Feuchtigkeit.“

Für weniger als 10 000 Euro, hat sie die bereits 1867 säkularisierte Kirche erworben. Es war klar, dass ein höherer sechsstelliger Betrag nötig sein wird, um sie für den gewünschten Zweck herzurichten: als Gruppen-und Seminarhaus. Wie hoch die Kosten nun genau sind, sagt die studierte Betriebswirtschaftlerin nicht. Aber es war mehr als befürchtet.

Dafür ist sie nach eigenem Bekunden nun Besitzerin der ersten Kirche in Deutschland, die als Tagungs- und Feriendomizil genutzt wird. Nuxoll-Oster hat Erfahrung in diesem Bereich. In Köln, Essen, Monschau (Eifel) und im Sauerland besitzt sie ähnliche Objekte. Alte Häuser und Villen hat sie zu Boardinghäusern und Ferienhäusern umgestaltet.

Wer glaubt, er könnte schnell mal in Wehlen ein Zimmer oder eine Wohnung mieten, wird enttäuscht. Er muss dann schon das ganze Haus nehmen. Das kostet derzeit 390 Euro pro Nacht. Ab Juni, wenn auch die letzte von drei Etagen fertig ist, werden es während der Woche 690 Euro pro Nacht sein. Dafür gibt es aber derzeit auch 14 Betten (ab Juni 24). Dadurch relativiert sich der Preis pro Person. An Wochenenden (Freitagnachmittag bis Sonntagabend) ist es etwas teurer.

„Es kann immer nur eine zusammengehörende Gruppe im Haus sein“, erläutert Noxoll-Oster. Während der Woche werden das Firmen und Abteilungen sein, die dort Seminare abhalten. Am Wochenende können es große Familien, Freundeskreise oder ähnliche Gruppen sein.

Die 52-Jährige geht nicht blauäugig an die Sache heran. Ein ähnlich strukturiertes Anwesen im Sauerland sei überlaufen. Sie habe eine weitere Bleibe gesucht und sei auf die alte Kirche gestoßen. Der Markt für solche Häuser sei groß. „Es gibt viele Gruppen, die nicht ins Hotel wollen“, sagt die Unternehmerin. Die Zahl der Buchungen sei bereits hoch. „2000 Gäste pro Jahr wären möglich. Die werden auch kommen“, ist sie sich sicher. Den Mietern steht im ehemaligen Chorraum eine hochwertige Küche zur Verfügung. Sie ist gleichzeitig Tagungsraum. Unterm Dach ist ein Aufenthaltsraum mit Sofas und Hängesesseln.

Nuxoll-Oster hat die Einrichtung selbst gestaltet und vieles von eigenen Handwerkern bauen lassen, zum Beispiel die Betten. Sie nutzt die natürlichen Gegebenheiten der Räume. Dort durfte sie aus Gründen des Denkmalschutzes sowieso nichts umbauen. In den Nischen stehen Kerzen, Lichter oder Pflanzen. Große Nischen dienen als Kleiderschrank. Die Bruchsteinmauern in den Räumen geben der Kirche, die früher auch Kindergarten und Wohnungen beherbergte, ein regionaltypisches Flair. In der Küche  ist alles doppelt vorhanden, damit die Gäste genug Platz haben. „Kochen gehört bei Seminaren oft zum Teambuilding dazu“, erläutert sie. 

Die Sanierung, bei der viele heimische Firmen zum Zuge kamen, sei „wahnsinning aufwändig“ gewesen, sagt sie. Der Charakter des Gebäudes sei aber erhalten geblieben. „Wir Wehlener haben eine besondere Bindung zu der Kirche. Frau Nuxoll-Oster hat etwas Tolles daraus gemacht. Das ist ein Glücksfall für uns“, sagt Ortsvorsteherin Gertrud Weydert.

Der ehemalige Chorraum  im Erdgeschoss dient nun als Küche und Seminarraum. In ihm stehen auch zwei alte Kirchenbänke.
Der ehemalige Chorraum im Erdgeschoss dient nun als Küche und Seminarraum. In ihm stehen auch zwei alte Kirchenbänke. FOTO: Scholer Andreas