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Die Erinnerung bildet

Der Schriftsteller und Journalist Simon Salomon ist neuer Namensgeber der Realschule Speicher. Ein zeitgenössiches Foto ist Teil einer Ausstellung über den Namensgeber. Foto: Denise Juchem
Der Schriftsteller und Journalist Simon Salomon ist neuer Namensgeber der Realschule Speicher. Ein zeitgenössiches Foto ist Teil einer Ausstellung über den Namensgeber. Foto: Denise Juchem
SPEICHER. Eine Schule ohne Namen, da fehlt oft die Identifikation. Aus diesem Grund nennt sich die Realschule Speicher künftig Simon-Salomon-Realschule, benannt nach dem Speicherer Juden Simon Salomon, der 1943 im Ghetto Theresienstadt von Nazis umgebracht wurde. ARRAY(0x193abd4d0)

Schriftsteller, Verleger, Journalist und Lehrer - Simon Salomon, der Namensgeber der Realschule Speicher, hatte viele Talente. Nach Überzeugung der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm "wird Simon Salomon durch seine Lebensgeschichte immer auch Aufforderung an die Jugend sein, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen", heißt es in der Beschlussvorlage des Kreistags. Wie groß die Freude der Realschule Speicher über den neuen Namen ist, war aufgrund der Osterferien nicht zu erfahren. Doch der TV hat schon mal nachgeforscht, wer Simon Salomon war. Am 21. März 1873 wird Simon Salomon in Speicher geboren. Seine Familie genießt im Töpferort hohes Ansehen. Sie betreibt dort bis in die 1930er Jahre ein Textilgeschäft. An die Familie Salomon erinnern in Speicher heute noch fünf Gräber auf dem jüdischen Friedhof. Simon Salomon ist ehrgeizig. Der Volksschulabschluss reicht ihm nicht - er will mehr. Nach der Volksschule wechselt er nach Trier zur Deworaschule. Dokumente belegen, dass er nach dem Abitur an den Universitäten von Bonn, Heidelberg und Berlin Philosophie, Sprachen und Literatur studiert. Nach der Studienzeit reist er viel, hält sich oft im Ausland auf. Paris, London und Mailand - etwa vier Jahre sollen diese Aufenthalte insgesamt gedauert haben. Kurz nach der Jahrhundertwende wird Simon Salomon sesshaft. Der Eifeler lässt sich in Berlin nieder. In der Hauptstadt gründet er eine Schule und arbeitet dort auch als Sprach- und Handelslehrer. Etwa zur gleichen Zeit beginnt wohl auch seine journalistische und schriftstellerische Tätigkeit. Wenn er schreibt, nennt er sich meist Siegbert Salter. Das erste bekannt gewordene Werk des Schriftstellers stammt aus dem Jahr 1898. Dabei handelt es sich um einen Gedichtband mit dem Titel "Aus trüben Tagen". Herausgegeben wurde das Werk in Paris im Selbstverlag des Verfassers. In 26 Gedichten beklagt Salomon den Tod eines Mädchens, das ihm offenbar sehr nahe gestanden hat. Das Buch ist eine Art Elegie. 1899 erscheint in Trier der Gedichtband "Im Lande der Quellen - Sage und Dichtung". In diesem Buch beschreibt Salomon in 13 Gedichten seine Eifelheimat. Während Simon Salomons literarisches Werk eher historisch geprägt ist, setzt er bei seiner journalistischen Arbeit andere Schwerpunkte. Mehr als zwei Jahrzehnte ist er unter anderem Chefredakteur der Monatszeitschrift "Die Koralle". Das Impressum der Zeitschrift zeigt, wo es langgeht: "Die Koralle - Das Blatt der vornehmen Gesellschaft für Kunst, Literatur, Mode und Sport. Die besten Schriftsteller und feinsten Künstler zählen zu ihren Mitarbeitern." Unter seinem Pseudonym Siegbert Salter gibt Simon Salomon auch die Zeitschrift "Europa auf Reisen. Ein Führer durch die elegante Reisewelt" heraus. Dieses Blatt beschreibt Reiseziele, die zur damaligen Zeit bei der etwas betuchteren Gesellschaft angesagt waren. Salomon schreibt Artikel über den Luftkurort Kyllburg, Daun und die Maare, bleibt auch als Redakteur heimatverbunden. Bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts arbeitet er als Journalist und Schriftsteller. Dann kommen die Nazis an die Macht. Salomon wird als Jude zum Staatsfeind. Mit einem Schreiben an das Standesamt Speicher tritt Salomon am 27. Dezember 1938 noch mal aus dem Dunkeln hervor. Anlass dieses Schreibens ist das Gesetz über die Änderung von Familien- und Vornamen, wonach männliche Juden den zusätzlichen Namen Israel und weibliche Juden den Namen Sara tragen müssen. Dieses Schreiben ist das letzte Lebenszeichen von Simon Salomon. Nach Informationen des internationalen Suchdiensts aus dem Jahr 1982 wurde er durch die Berliner Geheime Staatspolizei (Gestapo) am 16. Juli 1942, am Tag der "Endlösung", ins Ghetto Theresienstadt "evakuiert", wie es zynisch hieß. Dort wurde ein Simon Salomon am 27. März 1943 feuerbestattet, vermutlich wurde er von den Nazis umgebracht. Salomon wurde zur "Sarg-Nummer 14403" reduziert.