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Die "kleinen" Herrscher

ESCH. Schwer vorstellbar, dass in einem heute kaum 500 Einwohner zählenden Dorf, das von den vorbei eilenden Zeitgenossen auf der nahe gelegenen Autobahn und auch auf der Landstraße zwischen Sehlem und Klausen kaum bemerkt wird, einst ein Geschlecht residierte, das über viele Jahrhunderte bedeutsam war. ARRAY(0xc711328)

Die Herren von Esch, wie die aus einem Trierer Ministerialen-Geschlecht stammenden Ritter sich nennen durften, wirkten in der seinerzeit üblichen Weise als "kleine" Herrscher von 1157 bis 1577. Der Kern der Herrschaft bestand aus den Orten Esch, Sehlem, Dörbach, Salmrohr und Krames sowie den Vogteien zu Dreis, Platten, Piesport und Neumagen. Außerdem zählten viele Güter und Rechte in mehr als 70 Orten an der Mosel und auf dem Hunsrück zur Herrschaft. Nach 1250 wurde geteilt. Der kurfürstliche Teil wurde als Amt Udenesch (Alten-esch) und der ererbte Teil als Herrschaft Esch bezeichnet. Später kamen beide Escher Teile wiederum in eine Hand. 1577 verkaufte die Witwe des kinderlos gestorbenen letzten Escher Herren die Herrschaft für 1800 Goldgulden an den Trierer Kurfürsten.Damit war das Geschlecht der Escher Herren aus der Geschichtsschreibung verschwunden. Udenesch und die ehemalige Herrschaft Esch bildeten nunmehr ein kurtrierisches Amt mit einem Amtmann an der Spitze. 1684 wurde das Amt Esch aufgelöst und dem Amt Wittlich zugeordnet. Auch die Burg Esch existiert nicht mehr. Reste waren gegen Ende des 18. Jahrhunderts (1791) noch zu sehen; die Burgstelle im Bereich der heutigen Kapelle bildete eine flache Erhebung, an die sich unmittelbar die Dorfhäuser anschlossen. Die Erinnerung an die Escher Herren wird bis heute in etlichen Grabdenkmälern in den Kirchen von Klausen und Sehlem wachgehalten. Besonderes Verdienst der Escher Herren war die Parteinahme für den Klausner Eberhard, der 1445 die erste Wallfahrtskapelle zu Klausen errichtete. Als Grundherr von Eberhards-Clausen gestattete der Herr von Esch ihm den Bau und unterstützte ihn großzügig. Aus der Zeit um 1785, als die Glanzzeit der Herrschaft Esch bereits Vergangenheit war, liegt eine Beschreibung des Ortes vor: "Derzeit hat Esch 24 Bürger (...), 29 Häuser und 1 Beisitzer, die alle zusammen sehr arme Leute sind. (...) Der Pachtschilling ist seit einigen Jahren so hoch gestiegen, dass keiner etwas von diesen Ländereien mehr gewinnen kann. Durch den Ort Esch zieht die Straße von Trier über Lieser nach Mainz und Frankfurt. Das (Escher) Wirtshaus hat den Bannzapf (= Ausschankmonopol) in der Gegend."