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Die Moselblümchen sollen wieder blühen

Einige interessierte Ürziger Frauen kamen schon zum ersten Treffen im Frühmesserhaus, bei dem Claudia Gräbedünkel (Mitte) erklärt, wie man eine Moselblümchen-Tracht einfach selbst nähen kann. TV-Foto: Holger Teusch
Einige interessierte Ürziger Frauen kamen schon zum ersten Treffen im Frühmesserhaus, bei dem Claudia Gräbedünkel (Mitte) erklärt, wie man eine Moselblümchen-Tracht einfach selbst nähen kann. TV-Foto: Holger Teusch FOTO: Holger Teusch
Ürzig. Begleitung für die Ürziger Weinmajestäten gesucht: Mit zehn Frauen und Männern ist der Anfang gemacht, um die Tradition der Moselblümchen in Ürzig wiederaufleben zu lassen. Holger Teusch

Ürzig. Rotes Schultertuch, weiße Bluse, schwarzes Mieder, grüner Rock und weiße Schürze, fertig ist das Moselblümchen. Eigentlich ist es keine Hexerei mit der Winzertracht. Doch wie in anderen Orten entlang der Mosel sei die Tradition in den vergangenen Jahren etwas eingeschlafen, sagt Ürzigs Ortsbürgermeister Arno Simon. Das wollen einige Frauen und auch ein paar Männer nicht akzeptieren. Sie trafen sich im Frühmesserhaus, um zu beraten, wie Ürzigs Weinkönigin Lisa und ihre Prinzessinnen Catharina und Johanna bei verschiedenen Anlässen würdig begleitet werden können.
Nach Tiefpunkten zu Beginn des Jahrtausends, scheint das Traditionsbewusstsein und die Bereitschaft Tracht zu tragen, wieder zuzunehmen. Beim Weinfest der Mittelmosel in Bernkastel-Kues stieg in den vergangenen Jahren jedenfalls die Zahl der Mädchen und Frauen, die zum Moselblümchen-Treffen kam: von rund 150 im Jahr 2012, über etwa 200 im Jahr 2013 auf 220 im vergangenen Jahr.
"Ich denke, zehn bis 15 Leute kriegt man immer zusammen", meint Claudia Gräbedünkel, dass auch die Ürziger zu Weinfesten, der Abholung ihrer Weinkönigin oder dem Harleytreffen eine schöne Gruppe zusammenbringen. Das Problem: Woher bekommt man eine typische Moselblümchen-Tracht (siehe Extra)? "Man kann die nicht kaufen. Die meisten leihen sich die Teile zusammen", erklärt Gräbedünkel. Ältere Frauen, die sie sich irgendwann einmal eine angefertigt haben, würden diese oft nicht verleihen. Da hingen zu viele Erinnerungen dran. Trotzdem wolle man alle Ürziger, die über Moselblümchen-Trachten verfügen und diese verleihen oder verkaufen wollen, aufrufen, sich beim Verkehrsbüro (Telefon 06532/2620) zu melden.
Für Mai (der genaue Termin steht noch nicht fest) ist außerdem geplant, sich zum Nähen der verschiedenen Kleidungsstücke zu treffen.
"Der Stoff ist günstig. Aber wenn man es nähen lässt, wird es teuer", weiß Gräbedünkel, die sich im vergangenen Jahr selbst eine Tracht genäht hat. Wer einen Schneider in Anspruch nimmt, muss mit einigen Hundert Euro, vor allem für die Arbeitszeit, rechnen. Beim Material komme es auf die eigenen Ansprüche an. Es müsse ja nicht unbedingt Seide sein.
Extra

Die Moselblümchen-Tracht, wie sie in vielen Weinorten getragen wird, besteht für die Frauen aus einem langen grünen Rock, einer weißen Schürze, weißer Bluse unter schwarzem Mieder mit roter Kordel und einem roten Schultertuch mit Trauben und Weinblättern. Die Männer hingegen tragen mehr oder weniger Arbeitskleidung aus dem Weinberg: blauer Kittel, schwarze Hose und ein rotes Halstuch. teu