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Winzer wegen Lieferengpässen besorgt
Die Weinflaschen in der Region werden knapp

 Ein Winzer füllt seinen Wein in Flaschen.
Ein Winzer füllt seinen Wein in Flaschen. FOTO: DWI
Bernkastel-Kues/Trier. Einige Winzer können ihre Weine womöglich nicht in die geplanten Flaschen abfüllen. Ein Grund für die Engpässe liegt in einer anderen Branche. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Winzer Leo Kappes aus Zeltingen-Rachtig freut sich über den hervorragenden 2018er. Der Neue ist vergoren, zurzeit reift er in den Fässern und Edelstahltanks. Doch die Freude ist etwas getrübt. Kappes ist in Sorge, dass er nicht rechtzeitig genügend Flaschen beischaffen kann, um seine Weine zu füllen.

Rund 50 000 Flaschen braucht er in diesem Jahr — einem Jahr, das den Winzern nicht nur hervorragende Qualitäten, sondern auch eine ordentliche Menge gebracht hat. In zwei Monaten will Kappes den größten Teil seiner Ernte füllen, er hat aber noch keine Flaschen beim Händler geordert. Das will er jetzt schleunigst machen. „Hoffentlich gibt es keine Lieferengpässe“, sagt er.

Manche Winzer haben bereits im November die Weinflaschen bestellt, weil es zu der Zeit bereits erste Warnungen gab ,dass es diesmal bei den Flaschen eng werden könnte. Kappes: „Dass es so gravierend ist, habe ich damals nicht gedacht.“

Kappes füllt den größten Teil seiner Weine in der Standard-Schlegelflasche, Farbe masson-grün. Diese Sorte wird auch knapp, aber die größten Engpässe gibt es bei weißen Flaschen und bei Sonderformen, die immer mehr in Mode kommen.

Ein großer Weinflaschenlieferant an der Mosel ist die Firma Gebrüder Lohmann in Bullay. Dirk Lohmann bestätigt: „Ja, es gibt zurzeit Probleme.“ Er nennt mehrere Gründe für die aktuelle Flaschenknappheit. Die großen Sprudelproduzenten gingen weg von den PET-Flaschen, also Plastikflaschen, und füllen das Wasser wieder verstärkt in Glasflaschen. PET-Flaschen stehen wegen der Beimischung von sogenannten Weichmachern im Verdacht, ungesund zu sein.

Ein weiterer Grund: Glasflaschen bestehen heute größtenteils aus Altglas. Weiße Glasscherben seien aber derzeit sehr knapp, sagt Lohman. Das wirke sich auf die Herstellung von weißen Flaschen aus. Derzeit könne seine Firma nicht alle weißen Flaschensorten liefern. Lohmann: „Einige Winzer mussten bereits ihre weißen Flaschen auf die Farbe lichtgrün umstellen.“ Hinzu komme, dass mehrere Glashütten ausgerechnet im vergangenen Jahr Produktionsprobleme hatten.

Uwe Lex, Vertriebsleiter Kellerwirtschaft bei der Raiffeisen-Waren-Zentrale (RWZ) Wittlich, bestätigt: „Es gibt bei einigen Flaschensorten eine gewisse Knappheit am Markt.“ Er nennt die grüne Liter-Flasche und weiße Flaschen. Lex sieht aber keinen Grund , die Situation zu dramatisieren. So etwas habe es immer wieder mal gegeben und die Lage werde sich auch wieder entspannen.

Immer mehr Winzer lassen ihre Weine von Lohnunternehmern in Flaschen füllen. Lohnfüller Thomas Benzmüller aus Mülheim sagt: „Bis jetzt haben noch keine Kunden ihre Fülltermine bei uns wegen Mangel an Neuglas ändern oder gar absagen müssen. Allerdings stehen wir noch am Anfang der Abfüllsaison. Es könnte noch zu Problemen kommen — vor allem in der zweiten Jahreshälfte.“ Benzmüller sieht die Lage nicht so dramatisch. Das Thema gebe es schon länger: Auch in den vergangenean Jahren seien regelmäßig spezielle Flaschensorten ausverkauft gewesen, die dann aber Monate später produziert wurden.