| 20:35 Uhr

Ein Abend voller Dramatik und Heiterkeit

Kontrabass (Alexis Scharff) und Laute (Diego Cantalupi) sorgten neben Fagott (Sergio Azzolini) und Oboe (Katrin Stüble) für einen dramatischen Charakter. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Kontrabass (Alexis Scharff) und Laute (Diego Cantalupi) sorgten neben Fagott (Sergio Azzolini) und Oboe (Katrin Stüble) für einen dramatischen Charakter. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Bernkastel-Kues. Wenn sich ein Holzbläserensemble versammelt, ist der Gedanke an einen Serenadenabend in lauer Abendluft nicht weit. Lau war der Abend im Cusanuststift nicht gerade, dafür war die Musik vom Feinsten.

Bernkastel-Kues. Das zweite Open-Air-Konzert des Mosel Musikfestivals im Innenhof des Cusanusstiftes in der aktuellen Spielzeit war eine Koproduktion des Festivals mit der Landesstiftung Villa Musica. "In den ersten Jahren", so Intendant Hermann Lewen, "haben die Konzerte der Villa alle hier stattgefunden. Dann aber haben wir nicht aufgepasst, und die Villa ist abgewandert. Die Freundschaft blieb jedoch bestehen und wir freuen uns immer, wenn die Stiftung zu uns zu Besuch kommt."
Konzert auf hohem Niveau


Es gab auch allen Grund zur Freude, denn das, was die Musiker zu bieten hatten, war ein Angebot auf hohem Niveau. Die Überschrift "Barock in Dresden" war zwar etwas irreführend, denn der Komponist Johann Friedrich Fasch hat eigentlich nichts mit Dresden zu tun gehabt, und Wolfgang Amadeus Mozart ist kein Barockmusiker mehr, aber das konnte höchstens eine Fußnote Wert sein, denn beide haben exquisite Musik für Bläserensemble geschrieben.
Ausladender Mittelpunkt des ersten Teils des Abends war die Sonate Nr. 2 in g-Moll, ZWV 181, von Jan Dismas Zelenka, einem Dresdner Barockmeister, der erst in den letzten Jahrzehnten von der Musikwelt wiederentdeckt wurde. Dramatik ist ein Kennzeichen seiner Kompositionen und dieser Charakterzug wurde auch im Stift schon durch die Ensembleerweiterung um Laute und Kontrabass deutlich erkennbar. Unter der Führung von Dozent Sergio Azzolini musizierten die Stipendiaten der Stiftung ausdrucksstark und hauchten dem Notentext eine faszinierende Lebendigkeit ein. Von derselben Güte aber doch mit anderem Grundton die beiden Sonaten von Fasch, die eher von einer unbeschwerten Leichtigkeit geprägt waren.
Dominierten im ersten Teil die Oboen und Fagotte, so kamen nach der Pause noch Klarinetten und Hörner hinzu. Mozarts Serenade Es-Dur, KV 375, stand auf dem Programm, diesmal unter der Führung des Hornisten und Dozenten Bruno Schneider. Es war bei dieser Interpretation ein leichtes, sich in die Welt Mozarts zurückversetzen, sich wegtragen zu lassen. Das Oktett machte vergessen, dass der laue Sommerabend gar nicht so lau war, dass die Jahreszeit ihrem Namen nicht wirklich gerecht wird. Alles wirkte heiter und vergnüglich. Zu Recht gab es am Ende langen und begeisterten Applaus. gkl