| 16:59 Uhr

Ehrenamt
Ein Glückscent schreibt Geschichte

Elfriede Bungert präsentiert einen Teil des bei der 14. Tour gesammelten Geldes.
Elfriede Bungert präsentiert einen Teil des bei der 14. Tour gesammelten Geldes. FOTO: privat / Privat
Longkamp. Die Longkamperin Elfriede Bungert hat zum 14. Mal Geld für die Kinderkrebsstation im Trierer Mutterhaus gesammelt. Die Spender haben sie mit Lob überhäuft. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Auf dem Wohnzimmertisch liegt eine aufklappbare Karte. „Sie sind großartig, die ganze Station bedankt sich und wünscht alles Gute und gute Gesundheit“, steht da geschrieben. Es ist auch ein wenig Eigennutz dabei, denn so lange Elfriede gesund ist, wird sie weiter in ihrem Heimatort Longkamp Geld für die Kinderkrebsstation im Trierer Mutterhaus sammeln. Das macht die 81-Jährige seit 2004 jedes Jahr, nur einmal musste sie aussetzen. Sie lässt nicht nach und die Bürger lassen auch nicht nach. So viel Geld wie in diesem Jahr kam noch nie zusammen: 3609 Euro und zehn Cent.

Die Zahl hinter dem Komma ist nicht unwichtig. Im ersten Jahr sammelte Bungert 2222 Euro und einen Cent. Die Münze hat sie dem damals zwölfjährigen Mädchen geschenkt, auf dem das ganze Projekt fußt: Das Kind aus ihrer Nachbarschaft war damals an Krebs erkrankt und wurde im Mutterhaus behandelt. Der Cent sollte als Glückbringer diesen, der Rest des Geldes für Sachen (Spiele,Bastelmaterial etc.) verwendet werden, die das Budget nicht hergibt. Ein Teil kann auch direkt Familien zugute kommen, bei den sich zum Beispiel die Mutter intensiv um das kranke Kind kümmert.

Das Mädchen ist gesund geworden und mittlerweile verheiratet. Und Elfriede Bungert geht weiter auf Sammeltour. Der Glückscent, über den auch der TV damals berichetete, begleitet ihr Leben seither. Er sorgte auch für Gesprächsstoff, als Elfriede Bungert im März 2017 im Auftrag von Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz erhielt.

„Landrat Gregor Eibes habe wissen wollen, ob es mit dem Cent aus dem Jahr 2004 eine besondere Bewandnis habe“, erzählt Elfriede Bungert. Hat es eigentlich nicht. Manche Kinder hatten ihre Sparschweine geöffnet – und da ist nun Mal viel Kleingeld drin.

Darüber freut sich Elfriede Bungert genauso wie über Scheine. Und auch davon gibt es reichlich: mehrere Hunderter, 15 Fünfziger, 48 Zwanziger, 44 Zehner und 68 Fünfer erbrachten aktuell zusammen mit dem Münzgeld die stolze Summe von 3609 Euro und zehn Cent.

Die Summe ist so hoch, weil auch eine Einzelspende von 1000 Euro dabei ist. Eine Bekannte aus dem Hunsrück veranstalte Seminare, erzählt Bungert. Sie habe bei den Teilnehmern 560 Euro für das Projekt gesammelt und die Summe großzügig aufgerundet. Auch von anderen Leuten aus umliegenden Hunsrückorten bekommt sie Spenden.

Auch nach 14 Jahren ist die Tour für Elfriede Bungert etwas Besonderes. Dieses Mal habe es aber noch eine Steigerung gegeben. „So viel Lob habe ich noch nie bekommen“, berichtet sie. Das habe wohl auch mit der Verleihung der Ehrennadel zu tun, glaubt sie. „Du hast das verdient.“ Mit diesem Satz sei sie oft empfangen worden.

Longkamp ist mit mehr als 1100 Einwohnern kein kleiner Ort. Und es braucht auch einige Zeit, um ihn auf teilweise abschüssigen Straßen zu durchlaufen. Sechs Wochen sei sie dieses Mal unterwegs gewesen, berichtet Elfriede Bungert. Das hängt damit zusammen, dass sie sich auch schon Mal verquatscht und deshalb das geplante Tagespensum nicht schafft. Es gibt kaum Bürger, die ihr Ansinnen unbeantwortet lassen. Sie hat diese Leute in den Anfangsjahren kennen gelernt. „Da gehe ich einfach nicht mehr hin“. Von vielen anderen Menschen werde sie dagegen angesprochen, wenn sich ihr Besuch einmal verspäte.

Die aktuelle Spendensumme hat sie vor wenigen Tagen persönlich überreicht – wie bisher immer. Meist schließt sich dann auch ein Gang durch die Station an. „Die Leute, denen es zu gut geht, sollten das auch einmal machen“, sagt sie.

Eine Frage taucht beim Besuch immer auf: „Machen sie weiter?“ „Natürlich mache ich weiter, so lange die Gesundheit mitspielt und die Füße tragen“, sagt die Frau, die am 25. Dezember 82 Jahre alt wird.