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Ein schillerndes Leben

Eine ungewöhnliche Persönlichkeit: Günter Eichberg. TV-Foto: Kevin Rühle
Eine ungewöhnliche Persönlichkeit: Günter Eichberg. TV-Foto: Kevin Rühle
Bad Bertrich/Gütersloh. Er ist zweifelsohne eine schillernde Persönlichkeit, sei es als Klinikchef, als Schalke-Präsident oder als Kommunalpolitiker: Günter Eichberg. Bad Bertrich und die Mosel sind eng mit dem heute 68-Jährigen verbunden. Eine Biografie beleuchtet sein Leben und gibt viele Einblicke in seine Zeit im Staatsbad. Dieter Junker

Bad Bertrich/Gütersloh. 1982 beginnt für Bad Bertrich die Eichberg-Ära. Damals übernahm er die Mosel-Eifel-Klinik und schaffte es, sie innerhalb kürzester Zeit zu einer florierenden und überregional bekannten Fachklinik für Venenerkrankungen auszubauen. In der Biografie der Juristin und Journalistin Katharina Strohmeyer schildert Eichberg, wie es ihm gelang, mithilfe des Schlagersängers Tony Marshall in die Boulevardblätter zu kommen und seine Klinik bekannt zu machen. Plötzlich stehen Patienten von Flensburg bis Berchtesgaden Schlange vor dem Haus, um sich dort behandeln zu lassen. Bad Bertrich wird der Grundstock für den Erwerb weiterer Kliniken.
In den Folgejahren spielt der Fußball die zentrale Rolle im Leben des Günter Eichberg. Als Präsident des FC Schalke 04 schafft er es nicht nur, den westfälischen Traditionsverein vor dem drohenden Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren, sondern ihn auch wieder zurück in die Fußballbundesliga zu führen und den Grundstock für den späteren Gewinn des Uefa-Pokals zu legen. Doch Spekulationen über finanzielle Ungereimtheiten führen 1993 zum Rücktritt, das Finale in Mailand kann er aus Schutz vor aufgebrachten Fans nur im Hotel verfolgen. In den nächsten Jahren scheitern weitere Geschäftsideen, schließlich wird Bad Bertrich erneut zum Rettungsanker für ihn.
2004 wird er Ortsbürgermeister des Staatsbades und geht gleich ehrgeizige Pläne an. 2006 wird Bad Bertrich zur Fußball-WM Gastgeber der Schweizer Nationalmannschaft. Ein neues Stadion entsteht, mit finanzieller Unterstützung des Landes ("Ich habe das Ministerium nicht überzeugt, ich habe die regelrecht überrannt"), im Ort wird die Infrastruktur umfassend erneuert ("Ich wollte ja nicht, dass da, wenn ich wieder abhaue, ein Thermalbad steht, das notdürftig repariert ist"). Doch nicht zuletzt die angeschlagene Gesundheit beendet 2009 die kommunalpolitische Karriere ("Als mir klar wurde, dass meine Zeit in Bad Bertrich bald enden würde, war das Leben für mich nicht schön"), und er kehrte nach Gütersloh zurück, wo er heute lebt. Der Autorin Katharina Strohmeyer ist es gelungen, dieses schillernde Leben einfühlsam und spannend nachzuzeichnen, die Jahre auf Schalke mit all den Höhen und Tiefen ebenso in den Blick nehmend wie auch die ereignisreiche Zeit in Bad Bertrich und Bullay oder der Abstecher nach Florida.
dj

Katharina Strohmeyer: Günter Eichberg. Schalkes vergessener Retter?, Verlag Neue Buchschmiede, Hamm 2014, 19,90 Euro.