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Ein toter Schwan, ein verwaistes Nest

Vorbei ist es mit der Idylle der Schwanenfamilie am Moselufer. Ein Naturfreund befürchtet, dass das Muttertier Opfer eines Tierquälers geworden ist. Auch das Nest wurde geplündert. Der Fall wird wohl ungeklärt bleiben. Foto: privat
Vorbei ist es mit der Idylle der Schwanenfamilie am Moselufer. Ein Naturfreund befürchtet, dass das Muttertier Opfer eines Tierquälers geworden ist. Auch das Nest wurde geplündert. Der Fall wird wohl ungeklärt bleiben. Foto: privat
TRABEN-TRARBACH. Ein Tourist freute sich schon im vorigen Jahr über ein Schwanenpaar am Hafen von Traben-Trarbach. Auch dieses Jahr fotografierte er die Idylle. Doch jetzt forscht er nach dem Schicksal der "Schwanen-Mama". ARRAY(0x15d9b2c0)

Jeder kennt die eleganten weißen Vögel mit den langen Hälsen: Schwäne haben Freunde, Bewunderer - und Feinde, letztere nicht nur solche, die unter die Kategorie "natürlich" fallen. Die Folge: Zerstörte Nester, verschwundene, verletzte oder tote Tiere. Den einen lässt das mehr oder weniger kalt, den anderen bewegt das Schicksal der Vögel. In Traben-Trarbacher Hafengebiet erfreute sich ein Mann, der seine Freizeit den Vögeln widmet und anonym bleiben will, schon im vergangenen Jahr an einem Schwanenpaar mit sechsköpfigem Nachwuchs. Der Mosel-Tourist hat es fotografiert, auch in diesem Frühjahr. Am dritten April entstand dann ein Foto der toten Schwanen-Mutter mit einem kreisrunden Loch im Bauch, auch das Nest war leer. Wegen Verdachts auf eine Schussverletzung wurde die Wasserschutzpolizei Bernkastel-Kues informiert. Achim Bartholome, stellvertretender Dienststellenleiter, erklärt: "Als Laie könnte man zu dem Schluss kommen, es sei eine Schussverletzung, was aber eindeutig nicht stimmt. Wir ermitteln noch. Die Wunde lässt auf einen stumpfen Gegenstand schließen. Möglicherweise hat sich das Tier auch beim Aufsetzen aufs Wasser verletzt. Man kann da nichts ausschließen." Generell sei die Bevölkerung, auch vor dem Hintergrund der Geschichten aus Trier sensibilisiert. Dort hat der Umwelt- und Katastrophenschutz Trier von Oktober 2004 bis März 2005 das Verschwinden von 120 Schwänen an Mosel und Saar dokumentiert. Hinzu kommen zerstörte Nester. Man ging vom möglicherweise größten Fall von Wilderei in der Region aus. Es wurden Fallen und Schlingen gefunden. Auch aus dem Nachbarkreis Cochem-Zell gibt es Meldungen über Tiere, die vermutlich Opfer aggressiver Menschen wurden. Ein Tierschänder hatte etwa ein Muttertier mit einem Weinbergspfahl verletzt. Totes Tier und Trampelspuren

Meist werden die Behörden informiert. Achim Bartholome sagt: "Schwäne sind vielen eine Herzensangelegenheit. Vom Strafrechtsgehalt fällt das unter Wilderei und wird als Vergehen und nicht als Verbrechen geahndet." Der engagierte Naturfreund, der findet, der Fall in Traben-Trarbach sei eine "eigenartige Sache, über die die Öffentlichkeit informiert werden" müsse, meint: "Ich bin ratlos. Das Nest ist leer, ein totes Tier wurde gefunden, gleichzeitig habe ich Trampelspuren entdeckt. Das ist makaber. Ich finde, das sollte die Bevölkerung wissen. Außerdem habe ich gerade erfahren, dass auch in Ürzig ein komplettes Gelege nebst einem Schwan verschwunden ist." Zudem würden viele Tiere durch Angelmaterial verletzt. Er wünsche sich, dass diese Gefährdung von Wasservögeln durch umsichtigeres Verhalten minimiert werde und auch die Nester besser geschützt würden. Über den toten Schwan ist auch Stadtbürgermeisterin Heide Pönnighaus informiert. Sie sagt: "Es ist ja ganz lieb von dem Herrn, dass er sich um die Schwäne sorgt. Ich mag die Tiere auch. Aber ich höre auch von vielen Bürgern Beschwerden, etwa über die Hinterlassenschaften der Schwäne an der Moselpromenade." Unter der Brücke in Traben gebe es ein Schild "Futterstelle für Schwäne - Angler nehmt Rücksicht", sagt Pönighaus weiter. Mehr sei laut Auskunft der Verwaltung aber nicht zu machen.