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"Einmalig in ganz Deutschland"

Nach dem Verständnis der orthodoxen Christen sind Ikonen "Fenster zum Himmel".Foto: TV -Archiv
Nach dem Verständnis der orthodoxen Christen sind Ikonen "Fenster zum Himmel".Foto: TV -Archiv
TRABEN-TRARBACH. "Das ist für Traben-Trarbach eine enorme Bereicherung." Horst Hutter, evangelischer Pfarrer und Dozent in Landau und ausgewiesener Ikonenexperte, bewertet das im Bau befindliche "Haus der Ikonen" in Traben-Trarbach als außerordentlich bedeutende Einrichtung für die Stadt. Zusammen mit Günter Oberle stellte er das Projekt am Mittwochabend vor. ARRAY(0xe4e7158)

Leider nur 15 Interessenten wollten wissen, wie das "Haus der Ikonen" nach seiner Fertigstellung in wenigen Monaten einmal aussehen wird. Das Haus, mit öffentlichen Fördergeldern und aus der Stadtkasse finanziert, ist nach Ansicht von Horst Hutter, der beratend das Projekt begleitet, "einmalig in ganz Deutschland". Zusammen mit Günter Oberle, Vorsitzender des Traben-Trarbacher Ikonenfördervereins, stellte er das Gebäude, das sich unmittelbar neben dem Alten Stadtturm in Trarbach befindet, vor. Im Erdgeschoss befindet sich links eine kleine Bibliothek. Dort kann man sich über die Orthodoxie, über Ikonen und über das Leben von Alexej Saweljew, dem die Stadt die einmalige Ikonensammlung zu verdanken hat, informieren. Im gegenüberliegenden Teil sind Ikonen von Saweljew ausgestellt, aber auch Ikonen aus orthodoxen Gemeinden in Deutschland können dort betrachtet werden. Im ersten Stock befindet sich, so Hutter, "das Herz des Hauses". In einem Meditationsraum können sich die Besucher zurückziehen, sich besinnen, Musik hören und die Ikonen und die Stimmung auf sich einwirken lassen. Sie ist ähnlich einer "Hausandachtsecke" gestaltet, ein Raum, in dem man die Ikonen "erleben kann". Hutter betonte, dass das "Haus der Ikonen" kein Museum im herkömmlichen Sinne sei, sondern auch ein Ort der Erinnerung, der Erkenntnis, Besinnung, Begegnung und des interkonfessionellen Dialogs.Raum erinnert an orthodoxe Kirche

Der größere Raum in ersten Stock ist dem Inneren einer orthodoxen Kirche nachempfunden. Im hinteren Teil ist ein Altarraum, der von einer Ikonostase abgegrenzt wird. Die Ikonostase ist eine Bilderwand mit mehreren Ikonen, die symbolhaft den göttlich-himmlischen Teil von dem weltlichen Teil trennt. Mitten im Raum befindet sich ein byzantinischer Leuchter. Das Dachgeschoss soll der Pädagogik dienen. In einem kleinen Seminarraum ist Platz für maximal 20 Personen, daneben befindet sich die Werkstatt eines Ikonenschreibers, wo detailliert dargestellt wird, mit welchen Materialien, Werkzeugen, Farben und so weiter eine Ikone "geschrieben" wird. Hutter regte an, ein Kuratorium zu gründen, das die inhaltliche und pädagogische Konzeption des Hauses ständig begleitet. Er gratulierte der Stadt für diese Einrichtung, die eine große Bereicherung auch hinsichtliche der Tourismuswerbung darstelle. Günter Oberle unterstrich die Bedeutung des "Hauses der Ikonen" für Stadt und Umfeld. Es müsse auch entsprechend genutzt und beworben werden. Er appellierte auch an die Kirchengemeinden in der Stadt, sich dabei zu engagieren. Zuvor hatte Hutter einige grundsätzliche Anmerkungen zur orthodoxen Kirche und der Bedeutung der Ikonen gemacht. Sie wirkten auf die westlichen Menschen zunächst fremdartig. Farbe, Form, Gestik der Figuren, Komposition und Perspektive: Jedes Detail einer Ikone habe seine Bedeutung. Ikonen werden ihrem Verständnis nach nicht gemalt, sondern "geschrieben", erklärte Hutter. Dabei müssen exakte Vorschriften eingehalten werden. Ihre religiöse Bedeutung werde deutlich, wenn man sich bewusst mache, dass Ikonen "Verkündigung Gottes im Bild" seien. In welcher Form das "Haus der Ikonen" eingeweiht wird, ist noch nicht geklärt. Am 26./27. Juni wird anlässlich des Altstadtfestes der Alte Stadtturm offiziell eingeweiht. Bis dahin ist laut Architekt Norbert Bauer auch der Bau für das Ikonenzentrum fertig, möglicherweise ist die Inneneinrichtung aber dann noch nicht komplett. Horst Hutter regte an, zu einem späteren Termin eine Einweihung unter Einbeziehung orthodoxer Kirchenvertreter vorzunehmen.