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Einst verpönt, heute Werbeträger

EISENSCHMITT/OBERKAIL. Anlässlich der Eröffnung des Clara-Viebig-Zentrums in Eisenschmitt (der TV berichtete) erfuhren die Besucher aus erster Hand von der Entstehungsgeschichte des 1989 errichteten Eisenschmittner Brunnens. Der Bildhauer Johann Baptist Lenz und Ex-Bürgermeister Walter Densborn erzählen. ARRAY(0xe42d4eb8)

Der 82-jährige Künstler Johann Baptist Lenz ist zufrieden. "Ich habe gerne daran gearbeitet, es war eine sehr gute Zusammenarbeit", sagt Lenz im Gespräch mit dem TV. 1989 ist der Eisenschmittner Brunnen eingeweiht worden. Motive aus dem damals in Eisenschmitt verpönten Roman "Das Weiberdorf" hat Lenz nach intensivem Studium des im Jahre 1900 erschienenen Buches verarbeitet. Seither hat sich die Stimmung gewandelt. Die Eisenschmittner wissen, dass der Roman mit seinen vielen fiktiven Elementen durchaus imagetragend für das 420-Einwohner-Dorf ist. Mittlerweile werben die Eisenschmittner mit der Schriftstellerin, benennen ihr Kulturzentrum nach ihr und sind nicht mehr verärgert, wenn vom "Weiberdorf" gesprochen wird. Walter Densborn war als damaliger Bürgermeister der Verbandsgemeinde Manderscheid entscheidend an der Umsetzung beteiligt. "Die Motivgebung war klar", sagt Densborn. Es sollten Szenen aus der Geschichte des Ortes und aus dem Viebig-Roman werden. "Aber der allgemeinen Stimmung und dem Ergebnis aus einer Einwohnerbefragung folgend, waren wir noch nicht bereit, ihn Viebig-Brunnen zu nennen." Dies hat sich geändert: Heute wird das in Bronze gegossene Werk als Clara-Viebig-Brunnen bezeichnet. Rundum zufrieden ist der Künstler aus dem Nachbarort Oberkail auch mit seinem Lebenswerk: "Ich erfreue mich an meinen Arbeiten." Seine Skulpturen, Plastiken und Brunnen zieren markante öffentliche Plätze vor allem in der Eifel, an der Mosel, in Koblenz, an der Saar und auf der Insel Borkum. Sein jüngstes Auftragswerk hat aktuellen Bezug zu finanzpolitischen Problemen und wird demnächst künstlerisches Detail in einem Rathaus der Eifel werden. Wo die Bronzeplastik in der Eifel stehen wird, dass will Lenz noch nicht verraten.